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Niedrigwasser im Rhein : Unter dem Schiffsrumpf wird es eng

Transportleistung sinkt

Das gilt für die Binnenschiffer mit Sicherheit nicht. Laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung sind es vor allem die niedrigen Wassertiefen bei Oestrich im Rheingau und bei Kaub im Mittelrheintal, die Sorgen bereiten. Die dortigen Pegelstände sind für die gesamte Schifffahrt auf dem Rhein entscheidend, denn alle Schiffe, die das Tal passieren wollen, können nur so viel an Ladung aufnehmen, dass sie noch über diese kritischen Stellen hinwegkommen. „Abladetiefe“ heißt das im Jargon der Binnenschiffer, und sie hängt von der Größe der einzelnen Schiffe und der Strecke ab. Größere Schiffe können ihren Laderaum derzeit nur noch zur Hälfte oder zu einem Drittel nutzen. Das bedeutet handfeste wirtschaftliche Verluste. Wegen des Niedrigwassers sind daher auch mehr, nicht weniger Schiffe unterwegs.

Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt sieht im Niedrigwasser „grundsätzlich kein ungewöhnliches Ereignis“. Die Konsequenz sei, dass Schiffe nicht maximal beladen werden könnten, um Grundberührungen zu vermeiden. Dennoch gibt der Verband „Entwarnung“ im Hinblick auf die Versorgung der Industrie. Ware könne auf mehrere Schiffe verteilt oder späte ausgeliefert werden.

Wegen der weiterhin anhaltenden Trockenheit steuern die Pegelstände des Rheins auf ein historisches Tief zu.

Dennoch sinkt die Transportleistung des Rheins. Dass deshalb die Heizölpreise steigen werden, schließt Alexander von Gersdorff vom Mineralölwirtschaftsverbands nicht aus. Es sei aber schwierig, angesichts vieler Faktoren bei der Preisbildung den Anteil der Binnenschifffahrt zu beziffern. Klar sei allerdings, dass sich der Transport verteuere, wenn mehr Schiffe fahren müssten, um die gleiche Warenmenge zu befördern.

Bundeswasserstraße in Gefahr

Entspannung ist nicht in Sicht. Der Vorhersagedienst Wetter.net sieht für die bevorstehenden zehn Tage im Einzugsgebiet des Rheins „weit und breit kein Regengebiet in Sicht“. Ein Ausweichen auf Straße und Bahn ist mangels Kapazitäten in der Logistikbranche kaum möglich. Zumindest stellenweise gelingt allerdings der Umstieg auf die Schiene: Eine Sprecherin der Bahntochter DB Cargo bestätigt, dass es eine erhöhte Nachfrage für Kohletransporte gebe. Im August und September habe DB Cargo insgesamt 80 Güterzüge zusätzlich rollen lassen. Derzeit seien es noch zwei, die zwischen den Niederlanden und Deutschland pendelten.

Erze, Steine, Kohle, Gas und Öl gehören seit jeher zu den wichtigsten Waren, die auf der Bundeswasserstraße transportiert werden. Nach Angaben der Wasser- und Schifffahrtsämter verkehren auf dem Mittelrheinabschnitt jährlich rund 50.000 Güterschiffe mit rund 60 Millionen Tonnen Ladung. Es gibt Prognosen, dass die Gütermenge sukzessive auf 75 Millionen Tonnen steige. Daher sollen auch für rund 60 Millionen Euro in den nächsten Jahren sechs Engstellen im Fluss beseitigt werden, damit eine durchgehende Wassertiefe in der Fahrrinne von mindestens 2,10 Meter erreicht wird.

Dass sich die Pegel so schnell den Tiefstständen von 2003 nähern, ist besorgniserregend. Doch es kann noch schlimmer kommen. Am Pegel Mainz beispielsweise ist der Wasserstand des Rheins inzwischen auf weniger als 1,40 gefallen. Das ist weniger als 2011, aber noch ein Stück von 2003 entfernt, als es nur noch 1,24 Meter waren. Doch im Dezember 1962 waren es noch einmal sieben Zentimeter weniger, und der historisch niedrigste Wasserstand ist für den 2. November 1947 mit 1,10 Meter notiert. Vor 160 Jahren war der Rhein schließlich sogar so seicht, dass die Binger Schiffer dem Niedrigwasser einen Gedenkstein setzten.

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