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Niederwalddenkmal : Germania als Friedensengel

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Friedensmonument: Göttin Germania hat die Spitze ihres Schwertes zur Erde gesenkt und signalisiert damit ihre friedliche Gesinnung bei der Wacht am Rhein. Bild: Marcus Kaufhold

Das Niederwalddenkmal wird oft als historische Drohung gegen Frankreich interpretiert, obwohl es als Friedensdenkmal konzipiert wurde. Die Geschichte eines Missverständnisses.

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          Hoch über dem Rhein hält Germania Wacht. Weithin sichtbar ragt die mehr als zwölf Meter hohe Bronze-Statue über den Niederwald von Rüdesheim und blickt kämpferisch hinüber zum Erbfeind nach Frankreich. „Falsch“, sagen Elisabeth Weymann und Steffen Domschke von der hessischen Landesbehörde „Staatliche Schlösser und Gärten“, die das Niederwalddenkmal oberhalb von Rüdesheim, das mit jährlich mindestens 1,2 Millionen Besuchern eine der bedeutendsten Touristenattraktionen in Deutschland ist, verwaltet und pflegt. Germania blicke nicht in Richtung Nordwesten hinüber nach Frankreich, sondern nach Südosten auf schon immer deutsche Lande, stellen Weymann und Domschke klar. Und sie drohe auch nicht zornig den Franzosen, die von Preußen und seinen verbündeten deutschen Staaten vor 150 Jahren im Deutsch-Französischen Krieg besiegt worden sind.

          Die Göttin, die das damals von den deutschen Königen, Herzögen, Fürsten und Vertretern der Freien Städte in Versailles ausgerufene deutsche Kaiserreich mit dem preußischen Herrscher Wilhelm I. an der Spitze symbolisiert, beschwört laut Weymann nicht den Krieg, sondern den Frieden und die damals neugewonnene Einheit der Deutschen. Darauf weise nicht zuletzt ihr Schwert hin, das die Heroine in der Tat nicht kriegerisch gegen den Feind im Westen streckt, sondern dessen Spitze sie auf die Erde gesenkt hat offenbar als Zeichen dafür, dass die Zeit des Kampfes vorbei ist.

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