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Nick Waterhouse im Club Gibson : Kein Fuß steht still

Virtuose, umgeben von Könnern: Nick Waterhouse im Gibson in Frankfurt Bild: Thorsten Winter

Nick Waterhouse begeistert mit seiner Band im Frankfurter Club Gibson. Der amerikanische Sänger und Gitarrist, zu Hause an der Kante der fünfziger zu den sechziger Jahren, hat seinen Stil perfektioniert.

          2 Min.

          Alte Schule. Ihr hat sich der amerikanische Sänger und Gitarrist Nick Waterhouse nicht nur äußerlich verschrieben, mit seinem an die späten fünfziger und frühen sechziger Jahre erinnernden Preppy Look, der bei Konzerten auch einmal ein Anzug sein darf. Noch mehr hat es Waterhouse der Sound jener Zeit angetan. Er ist allerdings kein gescheitelter Streber mit Buddy-Holly-Brille, der in der Tüftelei mit Röhrenverstärkern und alten Bandmaschinen seine Erfüllung findet, sondern ein überzeugter und vor allem überzeugender Wiedergänger des New Breed, jener musikalischen Phase, in der sich der rauhe Rhythm & Blues zum inniglicheren Soul entwickelte, es aber noch keinen Namen für das Genre gab.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auf mittlerweile vier Alben hat Waterhouse seit seinem 2012 veröffentlichten Debüt „Time’s All Gone“ diese Formel perfektioniert, ihr noch eine Ahnung von Jazz und Tropicana hinzugefügt, auf dass bloß kein Fuß mehr ruhig stehen bleibt und die Finger sofort anfangen mitzuschnippen.

          Straff aufspielendes Bläserduo

          „Finger Snapping Time“ ist denn auch im gutbesuchten Frankfurter Club Gibson das Gebot, wo Waterhouse und seine sechsköpfige Band vor allem die Songs des jüngsten, selbstbetitelten Albums in den Mittelpunkt des gut anderthalbstündigen Programms stellen, die in ihren Arrangements die ausgefeiltesten Aufnahmen sind, die Studiofuchs Waterhouse bisher aufgenommen hat.

          Die sind auch live nicht etwa komprimiert, sondern dürfen atmen und gewähren vor allem dem extrem straff aufspielenden Bläserduo, Baritonsaxophonistin Paula Henderson und Tenorsaxophonist Mando Dorame, einigen Raum.

          Garage-Rock-Anteil etwas zurückgefahren

          Die Songs wirken so etwas muskulöser, auch etwas grimmiger, als es die lässig-souveräne Darbietung zunächst vermuten ließe. Die Haltung des überlegt agierenden Entertainers gibt Waterhouse allerdings während des ganzen Konzerts nicht auf. Statt seiner dürfen sich die Zuhörer in die Songs stürzen, zu „LA Turnaround“ mit dem Kopf wippen und zum begeistert begrüßten Hit „Katchi“ mit den Hüften wackeln.

          Etwas zurückgefahren hat Waterhouse den Garage-Rock-Anteil, der in seinem Soundspektrum ja durchaus auch eine Rolle spielt, im Gibson aber nur in einer gelungenen Coverversion des The-Seeds-Klassikers „Pushin’ Too Hard“ noch durchscheint.

          Das Gitarren-Jingle-Jangle hat er der wunderbaren Vorband The Roves überlassen. Das Quartett aus London klingt tatsächlich, als hätten sich die Rolling Stones und die Byrds anno 1965 zusammengetan, um einen irgendwie kalifornisch anmutenden Rhythm & Blues auszuhecken. Alte Schule auch dies, und falls es einmal der Nachhilfe bedarf: einfach Nick Waterhouse fragen.

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