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Nicht immer die günstigste Variante : Das Last-Minute-Geschäft wandelt sich

  • -Aktualisiert am

Spontan in den Urlaub: Last-Minute-Markt am Frankfurter Flughafen. Bild: Fiechter, Fabian

In den Sommerferien versuchen Spontanurlauber seit Jahr und Tag, auf dem Reisemarkt des Frankfurter Flughafens besonders günstige Last-Minute-Urlaubsreisen zu ergattern. Auf „den letzten Drücker“ gebuchte Reisen sind aber nicht immer günstiger.

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          In den Sommerferien versuchen Spontanurlauber seit Jahr und Tag, auf dem Reisemarkt des Frankfurter Flughafens besonders günstige Last-Minute-Urlaubsreisen zu ergattern. Das ist auch in diesem Jahr nicht anders.

          Da ist etwa der Familienvater, der sich gerade am Schalter von L’tur zu einem Last-Minute-Urlaub beraten lässt. Er möchte mit seiner Frau und seinen beiden Kindern möglichst günstig irgendwohin, wo die Sonne scheint und Wasser in der Nähe ist. Zwei Angebote druckt Kundenberater Achim Heise aus, eines für Dubai, das andere für Griechenland. Erst möchte der Mann zu Hause mit seiner Frau darüber sprechen und später wiederkommen, um die Reise zu buchen. Wenige Tage später soll die Familie im Flieger sitzen.

          „Letzte Minute ist übertrieben“

          „Es gibt noch immer Menschen, die mit gepackten Koffern zum Flughafen kommen und sofort irgendwo hinfliegen wollen“, sagt Heise, der das Reisebüro der L’tur am Frankfurter Flughafen leitet. Bis eine Stunde vor Abflug könne er jemanden in einen Flug einbuchen und das Ticket ausstellen. Last-Minute-Reisen sind das Kerngeschäft von L’tur. Das Unternehmen wirbt mit Preisnachlässen um bis zu 50 Prozent auf den Katalogpreis.

          Heise beobachtet auch in diesem Jahr eine ausgeprägte Neigung, den Urlaub in letzter Minute zu buchen. Wobei „letzte Minute“ übertrieben ist. Bei L’tur gelten Reiseangebote bis vier Wochen vor Abflug als Last-Minute. Heise sagt, dass Last-Minute-Urlaube aus zwei Gründen noch immer attraktiv seien: Zum einen könnten manche Leute wegen finanzieller Unwägbarkeiten häufig nicht Monate im Voraus buchen. Zum anderen erlaube auch die politische Situation in beliebten Urlaubsländern wie Griechenland, Spanien oder Ägypten und Tunesien zurzeit keine langfristige Planung.

          Wenn alle zum gleichen Ziel wollen, wird es nicht mehr so günstig

          „Studenten und kinderlose Pärchen gehören heute noch zu den klassischen Last-Minute-Urlaubern“, sagt Thorsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband. „Und Menschen, die aus beruflichen Gründen nicht schon Monate im Voraus Zeit für eine Reise einplanen können.“ Für alle anderen sei das Risiko eines Last-Minute-Urlaubs zu groß. Etwa Familien mit schulpflichtigen Kindern seien an die Ferienzeiten gebunden, um in Urlaub zu fliegen. Bei Pauschalreisen gebe es inzwischen aber weniger Restbestände. Denn die Einkaufspolitik der Reiseunternehmen sei konservativer geworden. Sie kauften weniger Kontingente ein und legten lieber noch einmal nach, wenn die Nachfrage entsprechend hoch sei.

          Die Ersparnis bei späten Buchungen sei manchmal gar nicht so hoch. „Wenn plötzlich alle nach Griechenland wollen, bieten Veranstalter die Reisen nicht zu niedrigeren Preisen an“, sagt Schäfer. Es gebe keine Tiefpreisgarantie für Last-Minute-Reisen. Die meisten Anbieter „bauen“ ihre Angebote aus Restplätzen in Hotels und verfügbaren Flügen zusammen. Da kann es auch teurer werden als im Katalog.

          Impfungen, Reisepass und Visum müssen aktuell sein

          Die Annahme, dass es am Flughafen oder im Internet die billigsten Angebote gibt, ist ein Irrglaube. Denn Veranstalter müssen laut Handelsgesetzbuch Pauschal-reisen überall zum gleichen Preis anbieten. „Ob im Internetportal oder auf der Zeil im Reisebüro. Ein identisches Angebot muss immer dasselbe kosten“, erläutert Schäfer. Ohnehin greifen die verschiedenen Anbieter alle auf dieselben Programme und Daten zurück, um ihre Angebote zu generieren.

          Die besten Chancen haben jene, die zur Ferienzeit in Länder reisen, die auf dem Markt nicht gefragt sind wie derzeit Dubai. Doch ist Vorsicht geboten: Impfungen, Reisepass und Visum müssen aktuell sein. „Da nützt der schönste Urlaub nichts, wenn man kein Visum hat“, sagt Schäfer. Der Trend gehe hin zu Frühbuchern. Im vergangenen Jahr buchten 30 Prozent ihren Urlaub mehr als sechs Monate im Voraus. Das beobachtet auch die Tui. Fast die Hälfte der Kunden buche bis zu vier Monate vor Reisebeginn, teilt eine Sprecherin mit. Die zurzeit gefragtesten Reiseziele im Angebot von Tui für Last-Minute-Urlauber sind Griechenland, Spanien und die Türkei.

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