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Heute in Rhein-Main : Die Frage nach dem „Warum“ beim Mord an Jakob von Metzler bleibt

Trauer: Ein Bild von Jakob von Metzler im Oktober 2002 vor seinem Elternhaus in Frankfurt Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Ermittlungen gegen die Waffenbehörde des Main-Kinzig-Kreises wegen des Anschlags von Hanau wurden eingestellt. Der Wiesbadener Ordnungsdezernent plädiert für eine Ausweitung der Videoüberwachung. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          4 Min.

          Guten Abend,
          die aktuelle Nachrichtenlage gibt kaum Anlass zum Jubeln. Immerhin - es regnet. Aber in manchen Kommunen schon wieder zu viel. Hochwassergefahr. Der letzte Newsletter für diese Woche könnte auch mit dem Titel „Verbrechen“ überschrieben werden – denn genau damit haben sich unsere Autoren befasst.

          Marie Lisa Kehler
          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Frühestens im Jahr 2025 auf freiem Fuß: Der Mord an dem elf Jahre alten Jakob Metzler hat vor 20 Jahren eine ganze Stadt, ein ganzes Land schockiert und gelähmt. Die Frage nach dem „Warum“ bleibt. „Sie ist genauso quälend wie damals“, schreibt unser Autor Helmut Schwan, der an die schreckliche Tat im September 2002 und an alles, was danach kam, erinnert. Da war beispielsweise die Debatte, die das Handeln von Wolfgang Daschner, damals Vizepräsident der Frankfurter Polizei, auslöste. Daschner wies, angetrieben von der Hoffnung, Jakob noch lebend zu finden, den Vernehmungsbeamten an, dem damals verdächtigen und später verurteilten Markus Gäfgen anzudrohen, ihm Schmerzen zuzufügen, sollte dieser nicht sagen, wo der Junge sei. Der Prozess sei rückblickend überlagert worden von der Debatte darüber, ob die Menschenwürde eines entführten Jungen mehr zähle als die des mutmaßlichen Entführers. „Richtig an der Debatte war, sich der Prinzipien einer aufgeklärten Wertegemeinschaft zu vergewissern, zu der das unerschütterliche Verbot von Folter gehört“, schreibt unser Autor, der sich gleichzeitig daran erinnert, wie schwer diese Diskussion zu jener Zeit für viele Prozessbeobachter auszuhalten war, drohte sie doch die schreckliche Tat zu überlagern. Frühestens im September 2025 könnte Gäfgen aus der Haft entlassen werden.

          Ermittlungen eingestellt: Die Staatsanwaltschaft Hanau hat ein Ermittlungsverfahren gegen die Waffenbehörde des Main-Kinzig-Kreises wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung im Zusammenhang mit dem rassistischen Attentat in Hanau eingestellt. Die Staatsanwaltschaft sieht keine „grundlegenden Verfehlungen“. Angehörige von zwei Opfern hatten die Strafanzeige gegen die Waffenbehörde gestellt. Darin wurde der Vorwurf erhoben, der Täter des Anschlags, der neun Menschen erschoss, mehrere schwer verletzte und danach die Waffe gegen sich selbst sowie seine Mutter richtete, habe unrechtmäßig über eine waffenrechtliche Erlaubnis verfügt. Die Staatsanwaltschaft kommt hingegen zu dem Schluss, dass kein hinreichender Tatverdacht zur Erhebung der öffentlichen Klage vorliegt, der eine Verurteilung der Beschuldigten oder sonstiger Personen erwarten lasse, wie unsere Korrespondentin Luise Glaser-Lotz berichtet.

          Videoüberwachung ausbauen: Zwei Männer sind in diesem Sommer nach schweren Gewalttaten in der Wiesbadener Innenstadt gestorben. „Körperverletzung mit Todesfolge“ – heißt es aus Polizeikreisen. In beiden Fällen, die nicht im Zusammenhang miteinander stehen, konnten Verdächtige ermittelt werden. Weil aber beide Male die Schuldfrage nicht so leicht zu klären ist, sitzen die Beschuldigten nicht in Untersuchungshaft. In einem der Fälle könnte es sich um Notwehr handeln, in dem anderen steht nicht genau fest, woran das Opfer gestorben ist. Die zunehmende Eskalation von Gewalt – ein Problem in Wiesbaden. Das sagt auch Bürgermeister und Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU). „Es muss für die Wiesbadener möglich sein, sich auch nachts gefahrlos durch die Innenstadt zu bewegen“, fordert er im Gespräch mit der F.A.Z. Mit Hilfe der Videoüberwachung sei es in der Vergangenheit gelungen, zahlreiche Straftaten aufzuklären. Franz setzt sich deshalb dafür ein, Videoüberwachung in Wiesbaden nicht nur beizubehalten, sondern noch auszuweiten. „Für mich gibt es keine Denkverbote. Wenn es in der Stadt einen weiteren Ort gibt, der als Kriminalitätsschwerpunkt identifiziert wird, muss geprüft werden, ob dort die Videoüberwachung eingeführt wird.“

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