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Neuntklässler im Ländervergleich : Schlecht in Mathe und Naturwissenschaften

Lernen für die Bildungsstandards: Im Vergleich der Bundesländer hinken die Neuntklässler in Hessen besonders in Biologie hinterher. Bild: dpa

Hessische Schüler geraten im Ländervergleich auf die hinteren Ränge. SPD und Grüne sehen die Verantwortung bei der Regierung. Doch Kultusministerin Nicola Beer erwidert, schon viel für Förderung getan zu haben.

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          Die hessischen Schüler haben zum Ende der Mittelstufe schlechtere Kenntnisse in Mathematik, Biologie, Chemie und Physik als ihre Altersgenossen in den meisten Bundesländern. Zu diesem Ergebnis kommt ein deutschlandweiter Vergleich, den das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) im Auftrag der Kultusminister erstellt hat. An der gestern in Berlin präsentierten Studie waren mehr als 44000 Neuntklässler aller Schulformen beteiligt. Sie nahmen im Mai und Juni 2012 an Tests teil, die auf den bundesweit eingeführten Bildungsstandards in den genannten Fächern basieren.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die mathematischen Kompetenzen der hessischen Schüler liegen knapp unter dem deutschen Mittelwert. Auf einer Rangliste der 16 Bundesländer nimmt Hessen den elften Platz vor den Stadtstaaten, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen ein. Die vorderen Ränge im Fach Mathematik belegen, angeführt von Sachsen, die ostdeutschen Länder und Bayern. Ein noch schlechteres Zeugnis stellt die Studie den Hessen in Biologie aus. Ihre fachliche Kompetenz liegt deutlich unter dem deutschen Mittelwert; nur die Schüler in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Bremen können weniger. In Chemie und Physik erreichen die Hessen knapp unterdurchschnittliche Werte und kommen damit jeweils auf Rang zwölf.

          „Zuwanderungsstatus“ spielt auch eine Rolle

          Die IQB-Studie misst auch, wie stark die schulischen Leistungen von der sozialen Herkunft der Jugendlichen abhängen. Hierzu werden die erreichten Kompetenzpunkte in Beziehung zu beruflichem Status, Einkommen und Bildungsniveau der Eltern gesetzt. Dieser sogenannte soziale Gradient liegt bei den hessischen Schülern in etwa auf dem allgemeinen deutschen Niveau. Das heißt, dass in Mathematik und in den Naturwissenschaften etwa 13 bis fast 17 Prozent der Unterschiede zwischen den Schülern in den erzielten Kompetenzen auf Unterschiede im sozioökonomischen Status der Eltern zurückzuführen sind.

          Eine weitere Kategorie der Studie ist der „Zuwanderungsstatus“ der Familie, den die Forscher nach dem Geburtsland des Schülers und seiner Eltern definieren. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass in Hessen die durchschnittlichen Kompetenzdefizite von Schülern mit zwei im Ausland geborenen Elternteilen im Vergleich zu Schülern ohne Migrationshintergrund so stark sind wie sonst nur in Bremen und Hamburg.

          In Biologie ist Hessen zwei Jahre hinterher

          SPD und Grüne machten die hessische Landesregierung für das schlechte Abschneiden des Bundeslands verantwortlich. Dagegen verteidigte Kultusministerin Nicola Beer (FDP) die Bildungspolitik der schwarz-gelben Koalition. Diese habe längst erkannt, dass die Schüler Schwächen in Mathematik und Naturwissenschaften hätten, und deshalb viel für die Förderung in diesen Fächern getan. „Die Ergebnisse werden sich aber erst in den nächsten Jahren zeigen“, sagte Beer der Nachrichtenagentur dpa. Es müsse in der Gesellschaft eine „deutlich positivere Grundhaltung“ gegenüber Naturwissenschaften geben, forderte sie. „Es kann doch nicht sein, dass es weiter schick ist, in Mathe oder Physik durchgefallen zu sein.“

          Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände äußerte, sie erwarte von der neuen Landesregierung „klare und konkrete Signale“, wie die schulischen Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften verbessert werden können. Besonders schwerwiegend sei der Rückstand hessischer Schüler in Biologie, der im Verhältnis zum Siegerland Sachsen zwei Schuljahre betrage. Eine gute mathematische und naturwissenschaftliche Grundbildung sei auch wichtig, um Studienabbrüche zu vermeiden. Die Politik habe erkannt, dass nicht nur das Dienstleistungsgewerbe, sondern auch die Industrie für Wohlstand sorge. Daraus müsse sie die bildungspolitische Konsequenz ziehen, die sogenannten Mint-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu stärken.

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