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Kulturelle Neujahrsvisionen : Unterm Pflaster liegt die Wiese

  • Aktualisiert am

Festivals, Konzerte und Museen: Ist „Kultur für alle“ noch machbar, sind Utopien noch sinnvoll (Symbolbild)? Bild: dpa

Oder nackte Erde. Ist „Kultur für alle“ noch machbar, sind Utopien noch sinnvoll? Oder lässt all das Spektakel nur Raum für Zynismus? Neujahrsvisionen zwischen Hoffen, Scherz und Bangen.

          8 Min.

          Oper weg, Gras drüber

          2019 geht es ab. Auslöser ist ein Fehlgriff. Weil DJ Borderlord, bekannt auch als Martin Wimmer, statt des traurigen Townes und seines todtraurigen Songs „Waiting Around To Die“ plötzlich die Flamin’ Groovies und ihr schmissiges „Shake Some Action“ in den Fingern hat, hält er das für ein Zeichen, tatsächlich einmal etwas Aktionismus verbreiten zu müssen und seinem Oberbürgermeister, der ihm den wunderbaren Job als Frankfurts Gesandter im großen Berlin verschafft hat, wenigstens eine einzige Idee zu präsentieren, ehe er Ende März in den Sack zu hauen gedenkt. Und Action. Wimmer: „Peter, weißt du, was Berlin hat und Frankfurt nicht?“ Feldmann: „Ich dachte immer, Berlin hat gar nichts. Was sollte das also sein?“ Wimmer: „Ein Festival. Ein Mega-Rockfestival wie Lollapalooza. Und das mitten in der Stadt!“

          Wo der Borderlord recht hat, hat er recht, denkt sich der Oberbürgermeister, doch gleich fällt ihm ein, dass es in Frankfurt zwar allerhand gibt, doch eines ganz bestimmt nicht: Platz. „Wo soll denn solch ein Festival veranstaltet werden“, fragt er also, und er meint, etwas Diabolisches in der Antwort zu hören: „Auf dem Willy-Brandt-Platz. Vorher müssen wir allerdings die Städtischen Bühnen sprengen und abreißen. Da die an der Stelle aber ohnehin keiner mehr mag, dürfte es keine Widerstände geben. Statt Oper und Schauspiel gäbe es dann eine herrliche Festival-Wiese, die eine passende Verlängerung der Wallanlagen wäre. Und die Münchner Straße könnte die Food-Meile des Festivals sein. Die ,New York Times‘ würde sich überschlagen und das Bahnhofsviertel endgültig zur hipsten Gegend der Welt erklären: Hotspot mit direktem Festival-Anschluss. Der dürfte so viel Geld einbringen, dass auch was für einen Theaterneubau übrig bleibt. Muss ja nicht so aussehen wie der Entwurf vom alten Wentz. Ist ja nur so eine Idee. Denk mal drüber nach.“ (cfr.)

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