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Hochhaus mit Wohnungen : Ein Kristall für das alte Präsidium

Geplanter Turm: Auch hinter dem Altbau des Polizeipräsidiums (links) in Frankfurt soll ein Hochhaus entstehen. Bild: Simulation Meixner Schlüter Wend

Der Wettbewerb für das Areal der früheren Frankfurter Polizeibehörde ist entschieden. Der Siegerentwurf sieht einen 175-Meter-Turm und Wohnungen vor.

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          Fast zwanzig Jahre nach dem Auszug der Frankfurter Polizei aus dem alten Präsidium am Platz der Republik wird das Grundstück neu entwickelt. Nach einem Entwurf des Architekturbüros Meixner Schlüter Wendt soll das Gelände zwischen Mainzer Landstraße, Friedrich-Ebert-Anlage, Ludwigstraße und Hohenstaufenstraße mit einem 175 Meter hohen Hochhaus und drei sechsgeschossigen Gebäuden am Blockrand bebaut werden. Die Frankfurter konnten sich in einem Wettbewerb mit 15 Teilnehmern gegen starke nationale und internationale Konkurrenz durchsetzen. Die Gerchgroup hatte das Areal vor zwei Jahren für 212,5 Millionen Euro vom Land Hessen erworben. Sie will das Projekt selbst realisieren und „so schnell wie möglich“ mit dem Bau beginnen, kündigte der Vorstandsvorsitzende Mathias Düsterdick an. Insgesamt werde das Unternehmen rund eine Milliarde Euro in die bauliche Entwicklung des Grundstücks investieren, dessen Projektname „Das Präsidium“ lautet.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Preisgericht stimmte nach einer zehnstündigen Sitzung am Montag einstimmig für den Siegerentwurf. Die Architektin Claudia Meixner führte aus, die Form des Hochhauses und auch die Farbe der Natursteinfassade nähmen Bezug auf das mit Schiefer gedeckte Satteldach des alten Polizeipräsidiums. Es sei ihrem Büro darum gegangen, die Identität des Gebäudes aus der Umgebung abzuleiten. Die Vorsitzende der Jury, Ulrike Lauber, lobte, dass das spitz zulaufende Dach einen klaren Abschluss bilde. „Das ist ein aufregendes und mutiges Hochhaus, das in der Silhouette der Stadt bestechen wird.“ Planungsdezernent Mike Josef (SPD) beschrieb den Turm als „kristallförmig“ – „etwas, was wir bisher nicht haben“. Ein zweiter Preis ging an Kleihues+Kleihues aus Berlin, ein dritter Preis an HPP Architekten aus Düsseldorf, die Türme mit H-förmigem Grundriss vorschlagen. Für einen wuchtigen Turm bekam gmp aus Hamburg eine Anerkennung.

          Ein Spielplatz auf dem Dach

          Der Siegerentwurf sieht vor, dass der denkmalgeschützte, neobarocke Altbau von 1914 an der Friedrich-Ebert-Anlage erhalten bleibt, saniert und als Bürogebäude genutzt wird. Die ergänzenden Gebäude des alten Präsidiums werden abgerissen. Hinter dem Altbau entsteht in der Mitte des Blocks das Hochhaus mit einem fünfeckigen Grundriss und 47 Geschossen, die jeweils zu einem Drittel und von unten nach oben als Hotel, für Eigentumswohnungen und Büros genutzt werden. Einschnitte in der Fassade markieren den Nutzungswechsel. An der Spitze soll außer Technikgeschossen auch ein Saal mit Dachterrasse untergebracht werden. Düsterdick zufolge soll noch einmal geprüft werden, ob an dieser Stelle infolge der Corona-Krise tatsächlich ein Hotel sinnvoll ist. „Wir müssen hinterfragen, ob Frankfurt an dieser Stelle noch ein Hotel braucht“, sagte er. Gegebenenfalls würde die Nutzung noch angepasst.

          Blick von Süden: Das Areal liegt in einem Hochhaus-Pulk zwischen dem Tower 185 (links) und dem Selmi-Hochhaus (rechts). Der Turm (1) trägt ein zu zwei Seiten abgeschrägtes „Satteldach“. Das denkmalgeschützte Präsidium (2) wird saniert, daneben entsteht ein Wohnhaus (3). Hinzu kommen eine Erweiterung (4) der Falkschule, ein Wohnhaus (5) und eine Kita (6).
          Blick von Süden: Das Areal liegt in einem Hochhaus-Pulk zwischen dem Tower 185 (links) und dem Selmi-Hochhaus (rechts). Der Turm (1) trägt ein zu zwei Seiten abgeschrägtes „Satteldach“. Das denkmalgeschützte Präsidium (2) wird saniert, daneben entsteht ein Wohnhaus (3). Hinzu kommen eine Erweiterung (4) der Falkschule, ein Wohnhaus (5) und eine Kita (6). : Bild: F.A.Z./Modellfoto Gerchgrou

          Neben dem alten Präsidium an der Friedrich-Ebert-Anlage sowie an der Ecke von Mainzer Landstraße und Ludwigstraße entstehen Wohnhäuser. Angrenzend an ihren Schulhof erhält die Falkschule an der Ludwigstraße einen Erweiterungsbau, der in den unteren Geschossen eine Mensa und Klassenräume hat und im fünften Geschoss eine Turnhalle aufnimmt. Außerdem entsteht, rückseitig angrenzend an die Gärten der gründerzeitlichen Wohnhäuser an der Mainzer Landstraße, eine freistehende, ein- bis zweigeschossige Kindertagesstätte, deren Spielplatz auf dem Dach liegen soll.

          Wohnungen im „bezahlbaren“ Preissegment

          Wie Planungsdezernent Josef erläuterte, entfallen 40 Prozent der maximal zulässigen Bruttogeschossfläche von 100.000 Quadratmetern auf Wohnen, das entspricht 400 bis 500 Wohnungen. 30 Prozent davon sollen im „bezahlbaren“ Preissegment angesiedelt sein und werden öffentlich gefördert, je zur Hälfte als klassische Sozialwohnungen und mit dem Mittelstandsprogramm, das etwas höhere Einkommengrenzen und Mietpreise vorsieht. Bis zum Ende des Jahres soll der städtebauliche Vertrag zwischen der Stadt und dem Investor ausgehandelt werden, in dem der geförderte Wohnungsbau, die Schulerweiterung und die Kindertagesstätte festgeschrieben werden. Dann wird auf Grundlage des Siegerentwurfs der Bebauungsplan geändert.

          In einer Überarbeitungsphase sollen nun noch Planungsdetails geändert werden. Düsterdick will die Sanierung des Altbaus mit den Denkmalbehörden abstimmen. Josef wünscht sich, dass im Erdgeschoss des Altbaus und der Gebäude an der Mainzer Landstraße und der Ludwigstraße öffentliche Nutzungen eingeplant werden. Durch Durchgänge und Passagen soll das Grundstück von allen Seiten auch für Fußgänger erreichbar sein. Das ist besonders wichtig, weil weitere Hochhausprojekte in der Umgebung geplant sind. Auf dem Nachbargrundstück der Matthäuskirche an der Friedrich-Ebert-Anlage soll ein weiterer Turm entstehen, und an der Hohenstaufenstraße ist mit 260 Metern der „Millennium-Tower“ als höchstes Haus der Stadt geplant sowie ein weiterer 150-Meter-Turm.

          Die Entwürfe sind bis zum 16. September im Planungsdezernat, Kurt-Schumacher-Straße 10, ausgestellt.

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