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Öffentlicher Nahverkehr : Tarifreform soll Sprünge beim Fahrpreis beenden

Im Test: Ab April startet das Pilotprojekt RMV-Smart-Tarif. Bild: dapd

Der RMV beginnt im April mit einem Pilotprojekt zur Tarifreform. Dadurch sollen Sprünge beim Ticketpreis verhindert werden - billiger werden Busse und Bahnen dadurch aber nicht.

          Preissprünge haben schon manchen Fahrgast des Rhein-Main-Verkehrsverbundes verärgert. Kurz mal mit der S-Bahn vom Offenbacher Ledermuseum zwei Stationen weiter nach Frankfurt-Mühlberg: Das kostet 4,65 Euro. Auch der RMV selbst hält dies für viel zu teuer.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Grund für einen solchen Preissprung ist das antiquierte Tarifsystem. Das Gebiet des Verkehrsverbundes wurde bei dessen Gründung vor 20 Jahren in Waben eingeteilt, die sich an Stadt- und Kreisgrenzen orientierten. Wer zum Beispiel innerhalb Frankfurts fährt, zahlt zurzeit 2,80 Euro. Schon wenn er die nächste Station jenseits der Stadtgrenze etwa zu Offenbach ansteuert, muss er 4,65 Euro zahlen.

          Nun plant der RMV eine Reform des alten Systems: Der bisherige Wabentarif soll durch einen entfernungsabhängigen Tarif ersetzt werden. In anderen Worten: Der Fahrgast bezahlt nur, was er wirklich an Kilometern gefahren ist. Generell billiger wird das Fahren durch das geplante System aber nicht. Es soll dann zwar keine Preissprünge mehr geben wie jetzt etwa zwischen den Nachbarstädten Frankfurt und Offenbach. Aber auf anderen Strecken kann es durchaus auch teurer werden als bisher.

          Die Einnahmen des RMV sollen gleich bleiben

          Die Frankfurter Stadtregierung hat schon einmal für einige Strecken die neuen Preise ausrechnen lassen. So wird eine Fahrt vom Stadtteil Oberrad zum Offenbacher Marktplatz nicht mehr 4,65, sondern 4,04 Euro kosten. Auf vielen Strecken innerhalb Frankfurts sinkt der Preis von 2,80 auf 2,36 Euro, wenn man mit dem Bus oder der Straßenbahn fährt. Nimmt man dagegen die U-Bahn, die S-Bahn oder die Regionalbahn, kann es teurer werden. So kostet die Fahrt von Bornheim Mitte nach Sindlingen nicht mehr 2,80, sondern 5,07 Euro.

          Am Ende will und darf der Verbund nach den Worten von RMV-Geschäftsführer Knut Ringat insgesamt nicht weniger einnehmen als vorher, nämlich derzeit 800 Millionen Euro. Der RMV kann es sich schließlich nicht erlauben, durch die geplante Reform Geld zu verlieren. Denn die Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs ist knapp kalkuliert. Vertut sich der RMV bei seiner Preisgestaltung nur ganz leicht, fehlen gleich ein paar Millionen.

          Gewinne macht der Verbund ohnehin keine. Der RMV, der 57 Prozent seiner Angebote aus eigenen Einnahmen und den Rest aus Zuschüssen des Bundes bezahlt, kann froh sein, wenn am Ende des Jahres in der Bilanz eine schwarze Null steht. Weil er bei der Umstellung der Tarife kein Risiko eingehen darf, erprobt der Verbund die neuen, entfernungsabhängigen Fahrpreise zuerst einmal in einem überschaubaren Pilotprojekt mit der Bezeichnung RMV Smart. Es wird im April beginnen und drei Jahre dauern. 20.000 Fahrgäste beteiligen sich an ihm.

          10.000 Freiwillige für die Testphase gesucht

          Diese Testpersonen sollen aus dem gesamten Verbundgebiet stammen, also nicht nur aus Frankfurt, sondern auch aus den Nachbarstädten und kleineren Gemeinden im ländlichen Raum. 10.000 Teilnehmer werden von den 400 Gebietskörperschaften im RMV gestellt, die anderen 10.000 sollen Freiwillige sein, die sich demnächst bewerben können. Sie alle müssen ein Smartphone haben, denn auf ihm sollen sie die neue App installieren, die der Verbund eigens für das Modellprojekt entwickeln ließ.

          Beim neuen RMV-Smart-Tarif zahlt der Fahrgast für jede Fahrt einen Grundpreis von 1,69 Euro. Dazu kommen im Kernnetz Frankfurt etwa 22 Cent pro Kilometer, im Regionalnetz außerhalb der Mainmetropole zehn Cent, wenn man mit dem Regionalzug, der S- oder U-Bahn fährt. Nimmt der Kunde innerorts den Bus oder die Straßenbahn, zahlt er in kleinen Orten zusätzlich zum Grundpreis 35 Cent, in Städten von 50.000 bis 200.000 Einwohnern 47 Cent und in Frankfurt, Wiesbaden und Mainz 67 Cent. Fährt er mit dem Bus oder der Straßenbahn über Land, kommen zum Grundpreis noch 2,35 Euro, wenn die Route durch Frankfurt, Wiesbaden oder Mainz führt. Wenn nicht, dann beträgt der Zusatzpreis nur 1,13 Euro.

          Das große Ziel des RMV ist ein Bezahlsystem, bei dem man einfach mit seinem Handy in ein öffentliches Verkehrsmittel einsteigt. Das registriert über W-Lan den Ein- und Ausstieg des Kunden und gibt die Daten an einen Zentralrechner, der den Fahrpreis ermittelt. Das Geld wird abgebucht, die Gesamtabrechnung kommt dann wie heute beim Telefon am Ende des Monats per Post ins Haus. Dazu betreibt der RMV das von der Bundesregierung finanzierte Forschungsprojekt E-Sim. Doch bis der Kunde ohne Kartenkauf einfach nur einsteigen und losfahren kann, werden noch mindestens vier Jahre vergehen.

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