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Tierpark Alte Fasanerie : Kleine Vielfraße und künftige Publikumslieblinge

Bild: Frank Röth

Sie sind klein, possierlich und können hervorragend tauchen und schwimmen – und sie sind verfressen: In den Tierpark Alte Fasanerie sind zwei Otter eingezogen. Beide haben das Zeug zu Publikumslieblingen.

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          Es ist die helle Freude, ihnen zuzusehen. Bolek und Bubla, zwei junge Wassermarder, besser bekannt als Fischotter, heißen die Neuzugänge, die mit ihren großen Kulleraugen und ihrem ausgelassenen Spiel im Wasser neben den Elchen, Wölfen und Luchsen eine weitere Hauptattraktion im Wildpark Alte Fasanerie in Hanau sind. Gerade ist das Wetter schlecht, aber wenn das Frühjahr kommt, rechnet Wildbiologin Marion Ebel mit einem großen Andrang am neuen Ottergehege. Bolek und Bubla fühlen sich sichtlich wohl in ihrem neuen Zuhause. Im Dezember zogen sie hier ein, nachdem sie in einem Wildpark in Tschechien von Mitarbeitern aufgezogen wurden.

          Luise Glaser-Lotz
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Beide kleinen Otter wurden im vergangenen Sommer geboren und erlitten das gleiche Schicksal. Ihre beiden Mütter wurden von Autos überfahren, und ihre Babys blieben allein zurück. Doch dank der Fürsorge ihrer menschlichen Betreuer ist dieses Leid den beiden nicht mehr anzumerken. Sie sind fröhlich und nach der Handaufzucht in der Wildtierstation Pavlov und auch ziemlich zutraulich, weil sie an Menschen gewöhnt sind.

          In Hanau sind Bolek und Bubla die ersten Bewohner des fast vollständig hergestellten neuen und ersten Ottergeheges im Wildpark. Bis alles fertig ist, wird es an die 300.000 Euro, überwiegend gespendet vom Förderverein des Wildparks, gekostet haben. Angelegt wurden zwei Teiche und ein Haus mit Schlafkojen für die beiden jungen Wilden. Nur die Umgebung der neuen Anlage muss noch fertig werden, außerdem fehlt eine Eingangsschleuse für das Pflegepersonal. Das Gehege kann geteilt werden, was demnächst geschehen soll, wenn ein altes Weibchen aus dem Tierpark in Wiesbaden aufgenommen wird. Sie soll nach den Worten Ebels dort in Ruhe ihre letzten Lebenswochen verbringen.

          Bilderstrecke
          Tierpark Alte Fasanerie : Die Fischotter Bolek und Bubla

          Den Kontakt nach Tschechien stellte Tierpflegemeisterin Hanna Patek her, die auch den Transport und die lange Reise nach Hanau organisierte. Die Entscheidung, künftig auch Otter im Wildpark zu halten, wurde laut Ebel von der Belegschaft gemeinsam getroffen. Die Mitarbeiter seien von den Tieren fasziniert und hätten sich auch für den Erhalt der Wasserotter einsetzen wollen. Deren Zahl wurde in der Vergangenheit stark dezimiert. Lange Zeit wurden sie wegen ihres besonders dichten Fells gejagt. Außerdem sahen Fischer sie als Nahrungskonkurrenten an und töteten viele Otter. Die Verschmutzung von Ge­wässern, die Begradigung von Bächen und Flüssen und die Verkleinerung ihres natürlichen Lebensraums trugen ebenfalls dazu bei, dass die Fischotter heute zu den potenziell gefährdeten Tierarten gezählt werden. Sie stehen auf der Roten Liste der besonders geschützten Tiere und wurde im Jahr 2021 von der Deutschen Wildtier Stiftung zum Tier des Jahres ernannt.

          Immer etwas zwischen den Zähnen

          Eigentlich sind Otter recht pflegeleichte Tiere. Doch Bolek und Bubla stellen die Pfleger der Alten Fasanerie durchaus vor Herausforderungen, denn ihre Haltung kostet viel Zeit. Am Abend werden die beiden ins Innengehege ge­bracht und morgens wieder herausgelassen. Wichtig ist es, dass ein Otter immer etwas zwischen den Zähnen hat, erläutert Ebel. Das heißt, dass die Tiere den ganzen Tag über kontinuierlich Fische verspeisen und entsprechend oft gefüttert werden müssen. In freier Wildbahn jagen sie ihr Futter, im Gehege bekommen sie es serviert. Ihre Fischmahlzeiten kommen aus der Tiefkühltruhe und kosten nicht gerade wenig. Meist bekommen Bolek und Bubla kleine Fische wie Stinte. Im Winter verbrauchen die Otter be­sonders viel Energie und fressen dementsprechend viel. Ansonsten macht ih­nen die Kälte wegen ihres dichten Fells nicht viel aus. Schwieriger ist es im Sommer, Hitze mögen die Tiere so gar nicht. Aber im Wasser lässt es sich zum Glück aushalten. Eindrucksvoll sind ihre langen Tauchgänge. Wer aufmerksam hinsieht, entdeckt auf der Wasseroberfläche viele kleine Bläschen, wenn die Otter untergetaucht sind. Das sind die aufsteigenden Luftpolster im dichten Fell der Fischotter.

          Damit die Otter nicht krank werden, muss man ihnen regelmäßig Vi­tamine geben, so genannte Fischfressertabletten. Denn waren die Fische erst einmal eingefroren, fehlen ihrem Fleisch wichtige Nährstoffe. Vor allem der Mangel an B1 könnte für die Otter tödlich enden. Das wird im Hanauer Wildpark aber sicher nicht passieren. Die beiden Jungs entwickeln sich prächtig, sagt Ebel.

          Obwohl eigentlich eher Einzelgänger verstehen sie sich blendend. Das liegt daran, dass sie schon in den frühesten Kindertagen zusammen waren. Das wird nach den Erwartungen der Wildbiologin auch so bleiben, wenn sie größer und erwachsen sind. Vielleicht kommt dann auch irgendwann der Tag kommen, an dem ein junges Weibchen zu ihnen gesellt wird. Mit etwas Glück wird man sich dann etwas später über jungen Otternachwuchs in der Alten Fa­sanerie freuen können. Platz genug gibt es dafür jedenfalls in dem neuen Ge­hege.

          Die offizielle Eröffnung und Willkommensfeier für Bolek und Bubla sollen nach einer Eingewöhnungsphase voraussichtlich im März stattfinden, teilt der Wildpark mit. Zurzeit hat nur die Kasse am Eingang 2 (Steinheimer Tor) geöffnet. Einlass ist von 9 bis 16 Uhr. Die Kontakt- und Hygieneregeln des Wildparks sind auf der Homepage unter www.hessen-forst.de/alte-fasanerie zu finden.

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