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Kartoffelmuseum : Der Knolle zu Ehren

Ingwer? Kartoffel! Das Bamberger Hörnchen ist eine Delikatesse - und eine von 1000 Kartoffelsorten Bild: ddp

Ob Annabelle, Bamberger Hörnchen oder Sieglinde: Heute ist die Kartoffel in Deutschland ein Massenprodukt. Ein Heimatverein in Hessen will ihr nun ein Denkmal setzen: mit einem Museum über Anbau und Geschichte der Knolle.

          Ein Museum zur Kartoffel wird in Gelnhausen entstehen. Die Ausstellung stellt die Knolle als regionales Produkt der Landwirtschaft vor und zeigt, wie wichtig die Feldfrucht in Notzeiten ebenso wie in Phasen des Wohlstands war und ist. Träger des Museums wird der Heimatverein aus dem Gelnhäuser Ortsteil Haitz, wie die Stadt mitteilte. Schon bisher wird die „Grumbeere“, wie die Kartoffel im Dialekt der Gegend heißt, in „kulinarischen Erlebnisführungen“ berücksichtigt, welche die Stadt anbietet.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun unterstützt die Kommune das Vorhaben des Heimatvereins, ein eigenes Museum aufzubauen. Dafür überlässt sie dem Verein ein städtisches Grundstück hinter den Geschäften am Ortseingang von Haitz. Das 800 Quadratmeter große Areal wird verpachtet, wie Bürgermeister Daniel Glöckner (FDP) berichtete.

          Für die Ausstellung rund um die Kartoffel soll auf diesem Grundstück ein Haus entstehen. Die Pläne von Stadt und Verein sehen vor, dass zunächst eine Bodenplatte aus Beton gegossen wird, auf die dann ein einfaches Gebäude nach Art einer Scheune gestellt wird. Als Nächstes werden die Bauarbeiten ausgeschrieben, wie Herbert Vetter sagte, Vorsitzender des Haitzer Geschichtsvereins „Haatzer Keerscht“. Nach seinen Worten ist die Eröffnung für das Jahr 2021 vorgesehen.

          Museum soll die Kultur der Kartoffel vermitteln

          Das Kartoffelmuseum soll nicht nur Fakten aus der Botanik, sondern auch Wissen über Geschichte und Kultur der Knolle vermitteln. Beschrieben wird, wie die Frucht, die in Südamerika schon vor mehr als 6000 Jahren geschätzt wurde, nach Deutschland kam und wie schwer sie es zunächst hatte, sich hierzulande durchzusetzen, bis sie schließlich zu einem wichtigen Grundnahrungsmittel wurde.

          In der Vergangenheit sicherte die Kartoffel in Notzeiten für eine breite Mehrheit der Bevölkerung das Überleben. In Zeiten des Wohlstands wurde sie zur Basis einer variantenreichen Ernährung. Die Knolle diente dabei als Beilage und Streckmittel, wurde aber auch als Hauptgericht serviert, zum Beispiel als Puffer oder noch puristischer „mit Matte“, wie man Pellkartoffeln mit Quark in der Gegend nennt. Die Ausstellung zeigt auch, wie sich Anbau und Ernte im Laufe der Jahrhunderte veränderten. Präsentiert werden dazu landwirtschaftliche Geräte.

          Museal: In Südamerika wird die Frucht seit mehr als 6000 Jahren geschätzt. Bilderstrecke

          Die Mitglieder des Geschichtsvereins haben nach dessen Angaben schon mehr als 1000 Exponate zusammengetragen, darunter neben alten Geräten auch Dokumente und Fotos. Das Außengelände soll in die Präsentation einbezogen werden. Dort dürfen die Besucher auf dem Acker selbst Hand anlegen.

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