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Benefiz : Neue Ball-Konzepte sind gefragt

Stelldichein: Das Flanieren zwischen den Palmen macht das Gesellschaftshaus des Palmengartens als Ort für Bälle einzigartig. Doch die Preise für große Galas dort sind manchen zu hoch, um sie selbst zu zahlen, aber auch, um sich einladen zu lassen. Bild: Esra Klein

Während Abi- und Tanzschulbälle boomen, tun sich die Veranstalter der großen Galas immer schwerer. Beim ersten Frankfurter Love-Ball wird etwas Neues versucht.

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          Das ist ja kein Ball“, sagt mancher in der Branche. Für Robert Mangold aber ist der „Love-Ball“ am 2. Oktober eine neue Art der Benefiz-Gala. Und das wird auch im Untertitel „Charity Walking-Party im Gesellschaftshaus Palmengarten zugunsten der Aids-Hilfe Frankfurt“ deutlich gemacht. Nach Beschreibung von Mangold, der als Chef der Tiger&Palmen-Gastronomie das Fest zusammen mit Christian Setzepfand vom Förderverein der Aids-Hilfe organisiert, soll es bewusst kein klassischer Ball mit festen Tischen und dunkler Abendrobe sein. Dennoch erwartet die Gäste zum Festpreis von 222 Euro ein Bühnenprogramm mit Sarah Connor und Alphaville sowie verschiedenen Tanzbands. Geboten wird ein Menü der Sterneköche aus dem Tigerpalast und dem Gesellschaftshaus, und es gibt Sitzplätze in Bars und Lounges.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das sei nur möglich, weil sich eine ganze Reihe von Sponsoren gefunden habe, die bereit seien, für den guten Zweck Waren und Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, sagt Mangold. Die Agentur McCann hat pro bono die Werbekampagne konzipiert, Radio FFH übernimmt die Promotion des Abends und stellt Moderatorin Evren Gezer. Darüber hinaus verzichten die Künstler weitgehend auf ihre Gagen. Große Hotels wie der Hessische Hof, das Westin Grand, die Villa Kennedy und das Roomers unterstützen den Ball und bieten Pakete mit Übernachtung an.

          Bis zu 1050 Euro für ein Ticket des Sportpresseballs

          Nur so kann der Love-Ball, so hofft Mangold, „eine schöne fünfstellige Summe“ als Spende für die Aids-Hilfe einbringen. Knapp 500 Karten sind schon verkauft, etwa ein Viertel davon mit Hotelübernachtung. Dabei ist es noch recht früh, denn die potentiellen Besucher entscheiden sich, so die Erfahrung vieler Veranstalter, oft erst kurzfristig für ein solches Event.

          Das ist einer von vielen Faktoren, die den Veranstaltern von Galas das Leben schwermachen. Waren Karten für die großen Bälle wie den Opernball, die Finanzplatzgala oder den Sportpresseball früher meistens nur auf Einladung oder über besondere Beziehungen zu erhalten, so werden sie heute wie jedes andere Event über die entsprechenden Ticketportale im Internet verkauft. Selbst die Karten für den Frühlingsball im Palmengarten, für den die Karten zuletzt 99 bis 499 Euro kosteten, und auch für Frankfurts letzten großen Ball, den Sportpresseball am 5. November, sind die Karten zu Preisen von 230 bis 1050 Euro online zu erwerben. Solche Preise machen die Vermarktung nicht einfach. Mancher rechnet vor, dafür könne man ja mit der ganzen Familie in Urlaub fahren, wenn man für zwei Personen noch die Garderobe, den Friseur und das Taxi hinzurechne, oder wenigstens ein schönes Golfwochenende im Süden verbringen.

          „Aids-Hilfe kommt sehr gut an“

          Andererseits, so Nader Maleki, der in diesem Herbst zum 30. Mal die Branche zur Finanzplatz-Tagung bittet, ist es gar nicht möglich, eine Gala für 1000 Gäste mit einem ordentlichen Programm für weniger als 400 Euro zu organisieren. Allein schon die Kosten für Miete und Sicherheitspersonal in einem Haus wie der Alten Oper machten das unmöglich. Ohne große Sponsoren komme daher kaum ein Fest aus. Die fänden sich aber nur, wenn es ein wirklich gutes Benefiz gebe.

          Blütenpracht: Nicht nur die Tanzfreude sorgte beim Frühlingsball dafür, dass einige Plätze leer blieben, auch die Tatsache, dass mancher die Einladungen ablehnen muss.

          Die Unterstützung der Aids-Hilfe kommt da nach Angaben von Mangold sehr gut an. Und Sport sowieso. Dennoch ist es auch beim Sportpresseball offenbar nicht mehr ganz so leicht, Unterstützer zu finden. Und die braucht man in diesem Jahr noch mehr, denn erstmals ist nicht nur das elegante Menü im Preis inbegriffen, sondern die Eintrittskarte gilt auch als „Flatrate“ für Getränke. Sponsoren hat Jörg Müller von der Agentur Metropress, die den Ball organisiert, reichlich gefunden, auch durch die Käfer-Gastronomie der Alten Oper. Deren Chefin Konstantina Dagianta hatte vergangene Woche zusammen mit Müller zu einer Summer-Lounge auf der Terrasse des Hauses geladen, „um einmal allen, die uns unterstützen, danke zu sagen“.

          Oft stehen „Compliance“-Regeln  im Weg

          Zusammen mit früheren Sportstars wie Andreas Möller und Michael Groß sowie dem Nachwuchsstar im Schwimmen Christian Reichert wollten sie bei edlen Leckereien zugleich den Appetit auf die Gala im November anregen. Mancher aus der Gästeschar gab an, er würde liebend gern Geschäftspartner dazu einladen. Doch viele Einladungen würden heute mit Hinweis auf „Compliance“-Regeln abgelehnt. Ein Fotograf berichtet, er sei kürzlich von einem Unternehmen für eine mehrtägige Veranstaltung mit einem geselligen Abend gebucht worden. Doch an dem Abend habe er freigehabt, mit der Begründung, es dürfe keine Bilder von fröhlichen Tagungsgästen mit Sektglas in der Hand geben.

          Premiumprodukt: Die Unterstützung des Sports macht den Sportpresseball in der Alten Oper für Gäste und Sponsoren attraktiv.

          Die Vorsicht, nur ja nicht in den Verdacht zu geraten, man lasse sich einladen, um sich dann später gefällig zu zeigen, macht der Eventbranche das Geschäft immer schwerer. So sucht man auch für den Frühlingsball im Palmengarten eine neue Perspektive. Dreimal hat er bisher stattgefunden und offenbar die Erwartungen an Gästezahl und Spendenaufkommen für den Palmengarten nicht erfüllt. Wie es weitergeht, soll nach einem Pitch entschieden werden, bei dem derzeit drei Agenturen gegen den bisherigen Organisator Erhard Priewe antreten. Vor allem der Erlös soll deutlich gesteigert werden. Im vergangenen Jahr kamen rund 40.000 Euro zusammen.

          Einige Vertreter der Branche halten das für ausgeschlossen. Zu hoch seien die Kosten. Einige meinen, wer Geld für einen bestimmten Zweck brauche, solle es so machen wie das Städel: mit Hunderten Gummistiefelpaaren auf der einen Seite und exklusiven Spendendinners auf der anderen. Das allerdings würde der Stadt weit weniger Glanz bringen und die Eventbranche hart treffen. Vielleicht zeigt der Love-Ball mit seinem Konzept ja einen interessanten Mittelweg auf.

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