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Kommentar : Jerry Speyers vierter Streich

Das Unternehmen Tishman Speyer hat das Grundstück des alten Bankhauses Metzler in Frankfurt gekauft. Das ist gleich aus mehreren Gründen eine gute Nachricht.

          Es ist eine gute Nachricht. Mitten im Frankfurter Bankenviertel wird demnächst ein neues Hochhaus entstehen. Der Stammsitz des Bankhauses Metzler ist prädestiniert für einen 175-Meter-Turm. Nirgends ist Frankfurt so sehr New York wie hier, mitten im Pulk des Bankenviertels. Damit wird die Skyline noch imposanter, noch dichter.

          Dass der Projektentwickler Tishman Speyer den Zuschlag erhalten hat, ist der zweite Teil der guten Nachricht. Denn das Unternehmen des New Yorker Baulöwen Jerry Speyer hat in Frankfurt schon mehrfach bewiesen, was es kann, zuerst mit dem Messeturm. Tishman Speyer ist kein entscheidungsschwacher Bestandshalter, der ein Grundstück zehn Jahre liegenlässt und es dann weiterverkauft. Der Projektentwickler hat lange auf Eis liegende Planungen wie die für den Taunus-Turm und den Opernturm flottgemacht. Er brachte den Mut auf, die Projekte „spekulativ“, also ohne Vorvermietung, anzugehen - und fand schließlich doch seine Mieter.

          Neuer Entwurf muss her

          Zumindest größtenteils. Der Taunus-Turm ist erst gut zur Hälfte vermietet, aber sein Eigentümer wagt sich schräg gegenüber schon an ein neues Projekt. Das Hochhaus auf dem Metzler-Grundstück ist Tishman Speyers vierter Streich. Es soll das erste Hochhaus mit einer Mischnutzung sein: Wohnungen und Büros. Diese in vielen ausländischen Großstädten längst übliche Mixtur gibt es in Deutschland bislang kaum. Schon mit dem Taunus-Turm hat der Bauherr gezeigt, dass er mit Blick auf die Nutzung seiner Gebäude experimentierfreudig ist. Im Turm kann man Kunstwerke betrachten: Das Museum für Moderne Kunst unterhält dort eine Dependance.

          Das Metzler-Grundstück liegt nicht direkt an der Wallanlage, sondern in zweiter Reihe. Wohnungen hätten dort gleichwohl einen spektakulären Ausblick. Da der alte Entwurf von 2001 nicht zur neuen Nutzung passt, muss ein neuer her. Es ist zu wünschen, dass auf der Suche nach einer neuen Gestalt mehrere Architektenbüros eingeladen werden. Bisher hat Tishman Speyer in Frankfurt in der Architektur Geschmack bewiesen und unverwechselbare Hochhäuser geschaffen. Der Messeturm wurde zu einer Frankfurt-Ikone. Tishman Speyer ist sich dieses Rufs sicher bewusst.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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