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Neues Hessisches Staatsballett : Staatsballett soll mit weniger Stellen besser sein

„Kinder haben auch zwei Eltern“: Nach der Fusion der Ensembles in Darmstadt und Wiesbaden bekommt das neue Hessische Staatsballett zwei Leiter. Bild: dpa

Nach der Fusion der Tanzensembles aus Wiesbaden und Darmstadt gibt es zwei Leiter für die Compagnie. Die Tänzer müssen dann zwischen den Städten pendeln. Geld zu sparen soll dabei nicht der Grund für die Zusammenlegung sein.

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          Allein aus künstlerischen Gründen, nicht um Geld zu sparen, soll aus den Tanzensembles der Staatstheater Wiesbaden und Darmstadt ein Hessisches Staatsballett werden. Dies beteuerten gestern sowohl Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) als auch die designierten Intendanten der Staatstheater Darmstadt und Wiesbaden, Karsten Wiegand und Uwe Eric Laufenberg. Im Ministerium für Wissenschaft und Kunst haben sich Tim Plegge als künftiger Ballettdirektor und Chefchoreograph sowie Bruno Heynderyckx als sein Stellvertreter und Kurator vorgestellt. Bestätigt wurde, dass Johannes Grube, der 2007 mit Stephan Thoss ans Staatstheater Wiesbaden kam, Betriebsdirektor wird.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das künftige Ensemble soll 28 feste Tänzer haben – das sind mindestens zehn Stellen weniger als die jetzigen Compagnien zusammen haben. Doch sei dies nicht als Einsparung zu verstehen, so Kühne-Hörmann. Das restliche Geld werde für freie Tänzer, freie Projekte, Gastchoreographen, Gastspiele und Residenzen sowie Kooperationen mit anderen Häusern und Gruppen verwendet. So solle „die Welt ins Haus“ geholt und das Staatsballett in die Welt gebracht werden.

          Plegge soll Compagnie zusammenschmieden

          Der künstlerische Etat des Balletts beläuft sich auf knapp drei Millionen Euro, so viel wie die addierten bisherigen Beträge der beiden Häuser. Zu den Gesamtkosten wollten die Intendanten sich nicht äußern. Ebenso war nichts Konkretes über die künstlerische und praktische Ausgestaltung der Compagnie zu erfahren. Außer Handlungsballetten soll das neue Staatsballett laut Wiegand neue, freie Formen mit Gästen erproben, die auch ihre eigenen Stücke mitbringen. Gleichzeitig soll es Tanzvermittlung und Laienprojekte übernehmen. Mit diesem inhaltlichen geht ein räumlicher Spagat einher: Die Tänzer – etwa die Hälfte soll übernommen werden – müssen zwischen beiden Städten pendeln, Endproben und Premieren finden wechselweise an beiden Häusern statt, die Stücke werden ausgetauscht. Über die besonderen Bedingungen für den Tanz und eventuelle Hindernisse sei im Lauf des vergangenen Jahres diskutiert worden, so Grube. Die Gründe, warum Fusionen andernorts gescheitert seien, habe man studiert, fügte Wiegand hinzu.

          Das Gastkonzept verantwortet der 1969 geborene Belgier Heynderickx, ein in der Moderne und Avantgarde international erfahrener Tanzmanager, der derzeit noch die norwegische Compagnie „Carte Blanche“ leitet. Vor allem an Plegge soll es liegen, die neue Compagnie zusammenzuschmieden. Dies will er mit seinem ersten Ballett erreichen, das zur Spielzeit-Eröffnung 2014 zu sehen sein soll. Bisher hat der 36Jahre alte Plegge erst ein abendfüllendes Handlungsballett nach Michael Endes „Momo“ am Staatstheater Karlsruhe choreographiert. Künftig will er ein abendfüllendes Stück mit Orchester und eine kleinere Arbeit je Spielzeit selbst beisteuern.

          „Kinder haben ja auch zwei Eltern“

          Laufenberg sprach von der „Autonomie“ der Sparte, die auch ihre Gastspiel-Einnahmen nun behalten dürfe. Plegges Freiheit als, so Laufenberg, „Hoffnungsträgers des Balletts“ scheint begrenzt, da er gleich zwei Intendanten über sich hat. „Kinder haben ja auch zwei Eltern“, mit denen sie sich arrangieren müssten, so Laufenberg. Wie Plegge und sein Team mit dieser schwierigen Rolle umgehen, dürfte sich im Lauf der ersten Spielzeit zeigen. Geht das Experiment schief, kann die Verbindung der Ensembles wieder aufgelöst werden. Laut Wiegand ist es ein „lernendes Modell“ – für alle Beteiligten.

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