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Neues Gerangel in Frankfurt : Wieder streiten sich Buchmesse und Hotels

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Der Streit um die Buchungspraxis der großen Frankfurter Hotels während der Buchmesse ist abermals entbrannt. Peter Leitgeb, Generaldirektor des Frankfurter Hofs, bezeichnete das Verfahren als völlig legitim, ...

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          Der Streit um die Buchungspraxis der großen Frankfurter Hotels während der Buchmesse ist abermals entbrannt. Peter Leitgeb, Generaldirektor des Frankfurter Hofs, bezeichnete das Verfahren als völlig legitim, von Gästen während dieser Zeit zu verlangen, gleich für mehrere Nächte ein Zimmer zu buchen. Schließlich sei die Nachfrage während der Messe besonders hoch. Hingegen hatte Buchmesse-Direktor Volker Neumann in der vergangenen Woche diesen Zwang zur "Durchbuchung" abermals kritisiert.

          Wie Leitgeb, der auch Vorsitzender eines Zusammenschlusses von Spitzenhotels in Frankfurt und Umgebung ist, und Neumann übereinstimmend berichteten, verzichten auf die Buchung für alle Messetage vor allem jene großen Hotels, die weiter von der Messe entfernt liegen, so etwa das Steigenberger am Flughafen und das Schloßhotel Kronberg. Im Maritim und Marriott unmittelbar an der Messe wie auch im Frankfurter Hof werde die Durchbuchung verlangt - im letztgenannten Hotel für vier Nächte, wie Leitgeb berichtete. Alles in allem verlange etwa die Hälfte der Spitzenhotels eine Durchbuchung, die aber nicht immer vier Nächte umfasse.

          Neumann gab zu, daß er diesen Punkt während der Gespräche mit der Frankfurter Hotel- und Gaststättenvereinigung im Frühjahr nicht im Detail ausgehandelt habe. Er habe sich vielmehr auf Zeitungsberichte verlassen, wonach die Hotels zugesagt hätten, künftig auf die bei den Gästen unbeliebte Durchbuchung zu verzichten. "Vielleicht war ich ein bißchen naiv." Er kündigte an, zu diesem Thema abermals das Gespräch zu suchen - für heute ist ein Treffen mit Leitgeb geplant - und auch in der Öffentlichkeit immer wieder auf die Praxis der Durchbuchungen hinzuweisen. Die Hotels seien auf dem besten Wege, sich zum Standortnachteil für Frankfurt zu entwickeln.

          Einzelfälle nannte Neumann die beiden amerikanischen Holtzbrinck-Verlage, die in diesem Jahr nicht mehr mit einem eigenen Stand an der Frankfurter Buchmesse, die vom 8. bis zum 13. Oktober stattfinden wird, teilnehmen werden. Wie vergangene Woche bekanntgeworden ist, wollen Henry Holt und St. Martin's Press beim Holtzbrinck-Verlag Macmillan Unterschlupf finden, um die Kosten zu reduzieren. Er wisse, daß die wirtschaftliche Lage besonders internationalen Verlagen zu schaffen mache, sagte Neumann. Doch bisher hätten andere Verlage die Buchmesse nicht abgesagt.

          War im Jahr 2000 mit 6877 die Höchstzahl der Buchmesse-Einzelaussteller erreicht, ging sie 2001 auf 6637 zurück und verzeichnete mit 6388 im vorigen Jahr einen weiteren Verlust. In diesem Jahr sei der Rückgang aber gestoppt, freute sich Neumann. Die Zahl der Aussteller sei stabil geblieben.

          Neumann wies darauf hin, daß die in diesem Jahr um rund 7,5 Prozent erhöhten Standmieten für die Verlage nur unterdurchschnittlich gestiegen seien. "Im Wettbewerb der großen Buchmessen ist Frankfurt weltweit im unteren Feld, was die Standmieten betrifft. Nur die Kinder- und Jugendbuchmesse in Bologna ist günstiger." Auch der Verleger Klaus-Karl Rabe, der als Geschäftsführer der Gemeinsamen Verlagsauslieferung in Göttingen für 96 kleinere Verlage zuständig ist und diesen Mai eine Umfrage unter 140 Kleinverlagen startete, bestätigt diese Einschätzung. Zwar habe seine Umfrage ergeben, daß jeder fünfte Kleinverlag "sehr unsicher" sei, ob er an der Buchmesse teilnehme. Doch dies liege vor allem an der wirtschaftlichen Situation: "Die Branche hat zu kämpfen. Wenn weniger Aussteller teilnehmen, kann man das nicht alleine der Frankfurter Buchmesse ankreiden."

          Mit einigen neuen Angeboten versucht die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr, die weltweit größte Bücherschau attraktiver zu machen. Einerseits sollten die Arbeitsbedingungen für das Fachpublikum optimiert werden, sagt Neumann. Neu sei etwa das Zentrum für Übersetzer in Halle 4.0. Andererseits solle auch das private Publikum stärker zum Zuge kommen. Zum ersten Mal wird es während der Bücherschau das begleitende Programm "Leseland Hessen" geben, das die Buchmesse gemeinsam mit dem Land und den Städten organisiert. Mehr als einhundert Autoren der Buchmesse werden in zwölf hessischen Städten lesen - abends in Sälen oder Bibliotheken, vormittags in den Schulen. (des./mak.)

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