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Neues aus dem Frankfurter Geschäftsleben : Saures, Süßes, Luxusuhren

Mode ade: Jada verlässt die Schweizer Straße. Bild: Rüchel, Dieter

An der Schweizer Straße ist nicht überall gut sein, die Goethestraße zieht bei Luxusuhren, Brückenstraße und Berger Straße werden süßer. Neues aus dem Frankfurter Geschäftsleben.

          Schweizer Straße weniger modisch

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Boutique Noa Noa hat schon zu, der Nachbar, Jada Fashion, schließt zum Ende des Monats. Damit verschwinden gleich zwei Modeboutiquen in dem Stück an der Schweizer Straße - zwischen Gartenstraße und Museumsufer -, in dem seit jeher viel Wechsel ist. Für beide war es nur ein kurzes Intermezzo. Jada Fashion mit exklusiven Marken (Anja Gockel, Laeticia Klein, Victoria Beckham) und Hauptgeschäft am Grüneburgweg hat nicht einmal ein Jahr durchgehalten. Das Markengeschäft des dänischen Labels Noa Noa schließt nach knapp zwei Jahren. Zu wenig Laufkundschaft bei zu hoher Miete, so begründen beide Betreiber den Rückzug. Bis zu 80 Euro werden inzwischen an der Schweizer Straße verlangt. Das seien „ganz normale“ Entwicklungen, meint Edda Reyl, die Vorsitzende de Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße. „Die Straße hat ihr Publikum.“ Sie werde von vielen Leuten angerufen, die „händeringend“ Fläche in dem Viertel suchten. Die große Nachfrage wirke sich halt auch auf die Mieten aus. Nachfolger von Jada Fashion wird ein Immobilienmakler. Seinen letzten Tag an der Schweizer Straße hatte vor kurzem auch das Kaufhaus Woolworth. Ein einjähriger Umbau steht an. Anschließend werden die Drogeriekette Müller mit einem mehr als 2000 Quadratmeter großen Markt neu und der Rewe-Supermarkt wieder einziehen.

          Oeder Weg ohne Galerie Witzel

          Die hohe Miete war auch mit ein Grund, weshalb die Galerie Friedrich Witzel, die nicht nur Bilder (Grafiken, Zeichnungen, Malerei) verkauft, sondern der Kunst auch den passenden Rahmen gibt, nach 30 Jahren den Oeder Weg verlassen hat. Bereits ein paar Jahre zuvor hatte Witzel die Hälfte der Fläche an den Nachbar Benetton abgetreten. Seit Anfang Juni nun verkauft das Ehepaar Friedrich und Ricarda Witzel an ihrem Wohnort in Mühlheim und spart damit nicht nur die tägliche Anfahrtszeit ein, sondern auch die Hälfte der Miete, wie Ricarda Witzel sagt. Mit den neuen Räumen (Offenbacher Straße 8-10) seien sie sehr glücklich.

          Robbe & Berking neu am Steinweg

          Ein recht kurzes Intermezzo hatte die Boutique AX Classic’s in der Innenstadt. Erst im März war der Ableger des gleichnamigen Modegeschäfts am Opernplatz an den Steinweg gezogen und ist jetzt schon wieder fort. Nachmieter ist das auf Silberbesteck spezialisierte Unternehmen Robbe & Berking, zuvor mit Geschäft an der Goethestraße.

          Haute Horlogerie an Goethestraße

          An der Goethestraße wird es zurzeit nicht langweilig. Geschäftswechsel und Großbaustellen bestimmten das Geschehen - und auch den Straßenverkehr. Nachmieter von Robbe&Berking wird die Schweizer Uhrenmanufaktur JaegerLeCoultre, ein paar Meter weiter kündigt bereits seit Frühjahr der Luxusuhren-Hersteller Tag Heuer aus der Schweiz die Eröffnung seiner zweiten deutschen Filiale an. Im Herbst soll es so weit sein. Damit hat die Goethestraße demnächst zwei Vertreter der sogenannten Haute Horlogerie in ihren Reihen. Darüber hinaus ist Burberry bei Möller&Schaar eingezogen. Im benachbarten Schuhgeschäft Linda, dass an den Rathenauplatz zieht (ehemals Blumen Beuchert), läuft der Abverkauf. Burberry wird die Fläche übernehmen. Beim Nachbarn Tiffany wird gerade schwer gearbeitet. Die Filiale wird in den nächsten 15 Wochen komplett auf den Kopf gestellt. Verkauft wird vorübergehend in einem schicken Container auf dem Rathenauplatz.

          Süßer Zuwachs an der Berger

          Mit dem Auszug der Videothek Tomin ist ein interessantes Objekt in bester Lage an der Berger Straße frei geworden. Ardi Goldman hat das Grundstück gekauft und bietet den gläsernen Rundbau, der als schwierige Immobilie gilt, zur Miete an. Bereits vermietet sind die Räume einer ehemaligen Eisdiele. Hier wird die Dulce GmbH Ende Juli voraussichtlich ihre achte Frankfurt-Filiale eröffnen und dort das übliche Sortiment (Eis, Kaffee, Kuchen, Pralinen und Schokolade) verkaufen - mit einem farblich etwas anderen Konzept und dem Fokus auf Familien, wie Geschäftsführer Matthias Schneider sagt. Dulce ist nicht neu an der Berger Straße. Allerdings gehört das kleine Geschäft beim Merianplatz, das Dulce zunächst in Eigenregie eröffnet und später an einen Franchisenehmer übergeben hatte, „aus Qualitätsgründen“, so Schneider, nicht mehr zum Unternehmen. Süßer wird die Berger Straße auch an anderer Stelle. Nach fünf Jahren hat Kunst & Keule ein Geschäft für Scherz-, Jonglier- und Karnevalsartikel aufgegeben. Nachmieter ist die Pralinenwerkstatt aus Kassel.

          Bizzi-Ice statt Blütenstaub

          Der Trend zu Essen und Trinken ist auch an der Brückenstraße in Sachsenhausen angekommen. An der Ecke zur Wallstraße, wo bisher die Boutique Blütenstaub Mode kleiner Label, Schmuck und Accessoires verkaufte - das Geschäft ist jetzt kleiner an der Wallstraße zu finden -, hat die Frankfurter Eismanufaktur Bizzi am Samstag ihr erste Filiale eröffnet. Sie ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet und könnte der kreativen Straße, die unter der Woche nur schwach besucht ist, Aufschwung geben. Die Parameter zumindest stimmen: Bizzi-Ice ist biozertifiziert, Erdbeeren etwa zu 100 Prozent von Demeter. 35 Sorten (die Kugel kostet 1,50 Euro) will Karina Bizzi, die 2009 mit ihrem Mann Lorenzo ins Eisgeschäft eingestiegen ist, anbieten. Bisher wurde Bizzi-Ice nur im Biohandel, bei Edeka und in der Gastronomie vertrieben.

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