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Neues Album von Tango Transit : Am rauschenden Bach klappert das Akkordeon

Martin Wagner (Akkordeon), Hanns Höhn (Kontrabass) und Andreas Neubauer (Schlagzeug), hier bei einem Konzert im Jazzkeller in Frankfurt, sind Tango Transit. Bild: Michael Kretzer

Das Frankfurter Trio Tango Transit zieht auf seinem Album „German Songbook“ unvergänglichen Volksliedern ein ganz neues Gewand an.

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          Ist es für viele amerikanische Musiker eine Selbstverständlichkeit, sich irgendwann in ihrer Karriere der Standards aus dem „Great American Songbook“ zu bedienen, dürfte der Gedanke, Volkslieder zu intonieren, bei etlichen deutschen Musikern eher diesen Reflex auslösen: He du, geh da weiter, das wär wirklich g’scheiter. Viel zu oft mit dem akustischen Müll namens „volkstümliche Musik“ verwechselt und meist nach der Singen-und-Klatschen-Phase in der Grundschule in unzugänglichen Schubladen des Gedächtnisses abgelegt, taugen Volkslieder allenfalls noch für Parodien. Die Begeisterung, mit der man als Kind „Bruder Jakob“, „Heho, spann den Wagen an“ oder „Ein Jäger aus Kurpfalz“ krähte, scheint dahinzugehen, selbst wenn diese Lieder für die meisten überhaupt erst den Einstieg in die Welt der Musik bedeuteten.

          Christian Riethmüller
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Akkordeonist Martin Wagner hat seinen eigenen Einstieg nicht vergessen, als er im Alter von sieben, acht Jahren Volkslieder aus dem Notenheft abspielte. Und er hat sich diese Erinnerung bis heute bewahrt, da er ein Virtuose auf seinem Instrument ist, dessen klangliche Möglichkeiten er seit dem Jahr 2008 gemeinsam mit dem Schlagzeuger Andreas Neubauer und dem Kontrabassisten Hanns Höhn auch in dem Trio Tango Transit austestet. Wie der Bandname vermuten lässt, ist der Tango nur eine Station auf einer Reise in eine Welt voller Musik, die Jazz, Blues, Funk und noch viel mehr heißt – und in der seit jeher auch deutsche Volkslieder ihren Platz haben. „Wir haben schon immer Volkslieder im Repertoire, und ich habe schon seit den Anfangstagen des Trios daran gedacht, mal ein ganzes Album mit solchen Variationen aufzunehmen“, sagt Wagner, der diese Idee nun im vergangenen Frühjahr in die Tat umgesetzt hat.

          German Songbook, das neue Album von Tango Transit.
          German Songbook, das neue Album von Tango Transit. : Bild: Christian Riethmüller (Repro)

          „German Songbook“ (Klangraum Records) heißt die mit Förderung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst in Marco Breidenbachs Noble Sound Studio in Linsengericht aufgenommene, 13 Stücke umfassende Sammlung, die nun veröffentlicht worden ist. Mal nah an den unvergänglichen Melodien, mal diese nur von der Ferne zitierend, mit ungeraden Takten und Dissonanzen, rhythmischen und harmonischen Verschiebungen, sind Lieder wie „Das Wandern ist des Müllers Lust“, „Es klappert die Mühle“ oder „Winter, ade“ geradewegs neu entstanden, ohne aber ihres Kerns beraubt worden zu sein. Und sie funktionieren auch ohne Gesang und ohne ihre Texte, weil die Instrumente die Szenerien wie den rauschenden Bach, das Mühlrad, die Glocken, die bunten Wälder, den verstohlen aufgehenden Mond oder den durch den tiefen Wald preschenden, das Wild schießenden Jäger vor dem geistigen Auge Gestalt annehmen lassen.

          Auch live wird das „German Songbook“ nächstes Jahr zu hören sein. Tango Transit will den Volksliedern ein ganzes Programm widmen. Zur Wiederentdeckung.

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