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Falsche Versprechungen? : Ärger im Paradieshof

Der Putz ist ab: Im Quartier ist viel los, doch der Paradieshof vergammelt. Bild: Victor Hedwig

Vor Jahren hat die European School of Design den Zuschlag für ein leerstehendes Haus im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen bekommen. Doch nichts geht voran.

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          Eigentlich war alles geklärt. Die European School of Design (ESD) hatte sich mit dem Gedanken angefreundet, von der Hamburger Allee ins Amüsierviertel Alt-Sachsenhausen zu ziehen. Sie hatte ein Konzept erstellt, „Büffeln statt süffeln“ hieß es, und vereinte darin eine Renovierung des seit 2008 leerstehenden Paradieshofs für die private Berufsschule, eine Aufwertung des Kneipenviertels und Studentenwohnungen. Sie hatte den Zuschlag bekommen und obendrauf noch die mündliche Versicherung, dass die Stadt das Bauvorhaben am Paradieshof mit 3,5 Millionen Euro unterstützen wird. Das war 2016.

          Theresa Weiß

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Ärger um das leerstehende Gebäude, das am Paradiesplatz vor sich hingammelt. Man war sich uneins, ob die Stadt wirklich Zuschüsse gibt, ob der Paradieshof in Erbpacht vergeben und von der Schule in Eigenregie ausgebaut werden soll oder von der Stadt renoviert und verpachtet wird. Dann teilte das Planungsdezernat im vergangenen Herbst mit, dass von den knapp vier Millionen Euro, die für die Förderung vorgesehen waren, nur noch gut 500.000 Euro übrig seien, da das Geld für andere Projekte verwendet wurde. Zuletzt hieß es darum, die Designschule dürfe doch nicht einziehen; CDU und SPD sprachen sich dafür aus, das Projekt noch einmal auszuschreiben. „Es wurde ein Konzept ausgewählt, das sich als schwierig zu realisieren herausgestellt hat“, sagt der Sprecher des Baudezernats, das von Jan Schneider (CDU) geführt wird.

          Geteilte Meinung in der Opposition

          Nun hat das Planungsdezernat unter Führung von Mike Josef (SPD) jedoch mitgeteilt, dass etwa vier Millionen Euro bereitliegen, um das Vorhaben der ESD zu unterstützen. „Im Haushalt 2021 ist das Geld etatisiert“, sagt der Sprecher des Dezernats. Und dennoch stagniert der Prozess: Vom Baudezernat ist zu hören, dass es nun eine politische Entscheidung geben müsse, ob das Konzept der ESD mit städtischem Geld unterstützt wird. Denn man gehe davon aus, dass die Berufsschule ihr Konzept nicht ohne die einst in Aussicht gestellte Förderung der Stadt umsetzen kann.

          Die Grünen, unter deren damaligem Planungsdezernent Olaf Cunitz die Vergabe stattfand, halten daran fest; SPD und CDU sind skeptisch. In der Opposition ist man auch geteilter Meinung: Die Linke könnte sich zum Beispiel auch ein Wohnprojekt für Flüchtlinge von Project Shelter im Paradieshof vorstellen, die BFF-Fraktion ist dagegen empört, dass das ordnungsgemäß vergebene Konzept der ESD nun vielleicht doch abgelehnt werden soll. Sie fordert Akteneinsicht und will, dass die Gespräche mit der ESD wiederaufgenommen werden.

          Es trägt nicht gerade zur Lösung bei, dass sich die Struktur des Planungsdezernats verändert hat. Seit Cunitz nicht mehr Dezernent ist, ist das Liegenschaftsamt ausgegliedert und am Baudezernat angesiedelt. Das führt nun die Verhandlungen mit der ESD, hat aber keinen eigenen Etat für eine Förderung. Die Vergabe von Förderung liegt weiter in der Hand des Planungsdezernats. Es scheint, als sei die Zukunft des Paradieshofs in dieser Gemengelage untergegangen. Eine Entscheidung wird wohl erst nach der Sommerpause im Römer getroffen. Bis dahin muss sich die ESD gedulden. Interesse am Paradieshof hat sie noch immer. Detlef Wildermuth, einer der Leiter der Designschule, sagt: „Wir müssen warten. Keiner kommt auf uns zu, obwohl wir immer unsere Hausaufgaben gemacht haben.“

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