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Neuer Sitz der EZB : Die Heizung läuft schon

Spiegeln an der Großmarkthalle: Das Hochhaus reflektiert die Herbstsonne. Im Atrium zwischen den beiden Türmen fehlen noch einige Scheiben. Bild: Eilmes, Wolfgang

Ein knappes Jahr vor dem Einzug ist der neue Sitz der Europäischen Zentralbank im Ostend von außen fast fertig. Im Frühjahr kommen die Möbel, Ende 2014 die Mitarbeiter.

          „Nein, keine Piranhas.“ Zu Beginn der großen Presseführung über die Baustelle des neuen EZB-Turms nimmt der Projektleiter Thomas Rinderspacher die Frage, ob in dem geplanten Wasserbecken vor der Großmarkthalle wohl Raubfische ausgesetzt würden, noch mit Humor. Hätte man ihn zwei Stunden später gefragt, ob es teure Koi-Karpfen oder gar Goldfische werden, wäre Rinderspacher vielleicht nicht so gelassen geblieben. Zu oft musste er auf Fragen nach angeblich abermals gestiegenen Baukosten und einem vermeintlich exquisiten Gourmet-Restaurant an der Spitze des Hochhauses antworten, über die vor einigen Tagen „Der Spiegel“ berichtet hatte.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Rinderspacher seufzt. Viele Medien versuchten, das Projekt in eine Reihe mit extrem verteuerten Großprojekten wie Stuttgart 21, Berliner Flughafen oder Elbphilharmonie zu setzen. Zu Unrecht, aber da sei man machtlos. Das Restaurant entpuppt sich als Raum für Arbeitsessen. Der EZB-Ratssaal im 41. Stock, den das Nachrichtenmagazin in die 43. Etage verlegt und als „wie für eine Weltregierung im Science-Fiction-Film“ beschrieben hatte, trägt auch keine Glaskuppel und sieht recht bescheiden aus: „Ein normaler Saal. Standard, wie in Brüssel oder Berlin auch“, findet Rinderspacher.

          Frankfurter Planungsbüro verklagte EZB

          Auch neue Zahlen gibt es nicht, das stellt die EZB-Sprecherin gleich zu Beginn der Führung klar. „Der Zeit- und Kostenplan ist unverändert.“ Die schon vor einem Jahr beim Richtfest verkündete Kostenprognose sei weiterhin gültig. 1,15 bis 1,2 Milliarden Euro Gesamtinvestitionskosten, inklusive Bau, Grundstück, Planerhonorare, Architektenwettbewerb. 2005 war man von 850 Millionen ausgegangen. Die „hängenden Gärten“ im Hochhaus wurden gestrichen: zu teuer.

          „Der Spiegel“ hatte auch über eine außergerichtliche Einigung mit einem bei der Ausschreibung der Bauleitung unterlegenen Planungsbüro berichtet. Tatsächlich wurden an das Frankfurter Büro JSK, das geklagt hatte, weil seine Bewerbung um das Baumanagement nicht erfolgreich gewesen war, 300 000 Euro gezahlt. „Im gegenseitigen Einvernehmen“, sagt die Sprecherin.

          EZB-Architekt bekommt Hessischen Kulturpreis

          Mehr als tausend Arbeiter wuseln derzeit auf der Baustelle. Ein knappes Jahr vor dem Einzug nähert sich der neue Sitz der Notenbank seiner Fertigstellung. Ende 2014 sollen die Mitarbeiter einziehen, rund 2300 Arbeitsplätze entstehen. Die Fassade und die Dächer der Großmarkthalle sind komplett saniert. Dass die Backsteinwand über dem niedrigen Sockel durch ein horizontales Fensterband ersetzt wurde, wirkt von außen unpassend und gewöhnungsbedürftig. Zumindest kommt so mehr Licht ins Innere der Halle, in der die Einbauten - Konferenzsäle, Pressezentrum, Kantine und Besucherzentrum - hergerichtet werden. „Wir wollten einen Bezug von innen nach außen“, sagt der Architekt Wolf D. Prix.

          Prix ist extrem gut gelaunt. Heute Abend wird er für seinen Entwurf mit dem Hessischen Kulturpreis geehrt. Als ihm das Fotografiertwerden doch einmal zu viel wird, schnappt er sich eine Kamera und knipst zurück. Für ihn ist das Gebäude „ein Identifikationspunkt“.

          Der Verbindungsbau zwischen Großmarkthalle und Hochhaus fehlt noch, die beiden Türme sind aber schon komplett verglast. Nur in den oberen Etagen des Atriums zwischen den Türmen hängen Gerüstbauer noch die letzten Scheiben ein. Bis Weihnachten soll alles dicht sein, dann werden auch die letzten Kräne abgebaut. Der Innenausbau ist weit gediehen, in vielen Stockwerken liegt schon der Teppichboden, auch die Heizung läuft bereits. Im Frühjahr kommen die Möbel.

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