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Neuer Rhein-Main-Aktienindex : Ein Spiel, das zur Region passt

Bild: F.A.Z.

Die ICF Kursmakler haben aus 45 Aktienwerten einen Rhein-Main-Index geformt. Man darf das nicht zu ernst nehmen. Aber vielleicht kann man sogar einmal Produkte auf diesen neuen Index kaufen, der besser läuft als der Dax.

          Keine leichte Aufgabe: Wie entwickelt man einen Index, der die Wirtschaftsleistung des Rhein-Main-Gebiets abbildet? Eine Idee, die im Standortmarketing der Region und bei der Frankfurter Wirtschaftsförderung geboren wurde, eine Tüftelei, deren sich die Mitarbeiter der ICF Kursmakler AG in der Mainmetropole angenommen haben. Gestern stellten sie das Ergebnis vor: einen Index, der sich aus den Kursen der Aktien von 45 börsennotierten Unternehmen errechnet, die in diesem Ballungsraum entweder ihren Sitz haben oder mit starken Niederlassungen vertreten sind.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Es ist ein Spiel, mehr nicht. Warum sollten Anleger in einen solchen Index investieren? Allenfalls aus Sympathie für diesen Raum. Der Index bildet keine Branche ab, auch keinen bestimmten Markt. Bei vielen der 45 Unternehmen ist der Bezug zur Region vage. Doch es ist ein Spiel, das zu dieser Region mit ihrer Fokussierung auf Finanzdienstleistungen passt. Und so saßen nun der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) und Hartmut Schwesinger, Chef des regionalen Standortmarketings, stolz dabei, als Bernd Gegenheimer, Vorstandsvorsitzender der ICF Kursmakler AG, den ICF Frankfurt-Rhein-Main-Index präsentierte. Die fünf Dax-Konzerne der Region wurden natürlich aufgenommen, also die Commerzbank, die Deutsche Bank, die Deutsche Börse sowie Fresenius SE& Co. KGaA und ihre Tochter Fresenius Medical Care. Auch andere Vorzeigeunternehmen wie Fraport, Merck und die Software AG finden sich in der Liste der 45 Unternehmen, mit dem Schlauchschellen-Hersteller Norma aus Maintal gehört sogar ein Börsenneuling dazu.

          Heidelcement drin, Isra Vision nicht

          Schwieriger ist die Berücksichtigung von Unternehmen mit einem Sitz anderswo, aber großen Niederlassungen in der Region. Bei der Deutschen Lufthansa leuchtet dies noch ein, der Konzern beschäftigt am Frankfurter Flughafen mehr Menschen als an seinem Sitz in Köln. Bei Sanofi aus Paris wird es schon schwieriger, immerhin beschäftigt der Konzern aber an die 7500 Frauen und Männer in Frankfurt-Höchst. Bilfinger Berger aus Mannheim und Heidelberg-Cement dürften an solche Zahlen kaum herankommen, trotz Niederlassungen in Rhein-Main. Wegen Opel in Rüsselsheim findet sich selbst die General-Motors-Aktie in dem Index, wegen Wella, Braun und einiger anderer Standorte in der Region das Papier von Procter&Gamble. Die Adler-Modemärkte haben ihre Verwaltung am Rand des Ballungsraums, in Haibach bei Aschaffenburg. Die Mainova ist auch im Index, obwohl ihre Aktie kaum gehandelt wird; der Streubesitz liegt bei weniger als einem Prozent.

          Andere Unternehmen fehlen; während Heidelcement aufgenommen wurde, vermisst man Dyckerhoff aus Wiesbaden, was hoffentlich nicht daran liegt, dass die Landeshauptstadt das regionale Standortmarketing verlassen will. Aktiengesellschaften wie der Software-Entwickler Isra Vision aus Darmstadt und der Headset-Produzent Ceotronics aus Rödermark fehlen, dabei spiegelten sie den Einfallsreichtum der Region eher als der italienische Reifenhersteller Pirelli, der aufgenommen wurde, weil er schlicht ein Reifenwerk in Breuberg unterhält.

          Den Dax deutlich geschlagen

          Vielleicht darf man aus alledem aber auch keine Wissenschaft machen. Die 45 Unternehmen, die von den Wirtschaftsförderern, Standortmarketing-Fachleuten und Kursmaklern in dem neuen Index berücksichtigt wurden, zeigen eine erstaunliche Vielfalt der regionalen Wirtschaft; Finanzdienstleister stellen nur 13 Prozent der Werte, womit sie hinter der Pharmaindustrie liegen, die mit 18 Prozent auf Platz eins kommt. 49 Prozent der Unternehmen wurden Frankfurt zugeordnet, danach folgt in der regionalen Aufteilung Bad Homburg mit 13 Prozent auf Platz zwei. So oder so: Der Index, der als Preisindex berechnet wird, hat zuletzt den Dax-Preisindex geschlagen. Nimmt man den September 2008 als Ausgangspunkt, so liegt die Performance um 25 Prozent höher. Korrekt müsste man sagen: Der Dax liegt ungefähr dort, wo er vor vier Jahren auch lag, der Rhein-Main-Index hingegen hat deutlich dazugewonnen.

          Die Kursmakler haben noch einen weiteren Index mit nur 30 Werten berechnet, von dem sie hoffen, dass darauf einmal eine Bank Produkte anbietet, ein Garantiezertifikat zum Beispiel. Unter www.icf-markets.de lassen sich die Indizes aber auch ohne Möglichkeit zur Geldanlage von Menschen anschauen, denen die Wirtschaft der Region am Herzen liegt.

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