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Neuer Rauchraum in Frankfurt : Sauberer Konsum

  • -Aktualisiert am

Erlaubter Zug: Auch Crack darf im „La Strada“ geraucht werden. Bild: dpa

Am Rand des Bahnhofsviertels in Frankfurt gibt es nun zusätzlich zu einem Druckraum einen Rauchraum. Dort können Drogensüchtige ihr mitgebrachtes Heroin oder Crack in sauberer Umgebung rauchen. Der Raum soll einem bestimmten Ziel dienen.

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          Mit geübten Handgriffen bereitet sich der Mann mit der schwarzen Lederjacke auf seinen Rausch vor. Er ist allein in dem hellen Raum, seine Utensilien hat er auf den Metalltisch gelegt. Das weißbraune Pulver, das er mitgebracht hat, ist Heroin. Er schiebt den Stoff zu einer Linie zusammen und inhaliert ihn mit einem Röhrchen.

          Seit einer Woche ist das möglich im „La Strada“, dem Drogenhilfezentrum der Aids-Hilfe an der Mainzer Landstraße in Frankfurt. Dort, am Rand des Bahnhofsviertels, gibt es nun zusätzlich zu dem Druckraum einen Rauchraum mit sechs Plätzen, wo Drogensüchtige ihr mitgebrachtes Heroin oder Crack in sauberer Umgebung rauchen können. 35.000 Euro hat das Drogenreferat der Stadt für diese „Modernisierung“ ausgegeben, samt einer Luftfilteranlage und einer neuen Beratungsstelle für die Abhängigen. Diese sei besonders gefragt, sagt Jürgen Klee, Leiter des Fachbereichs Drogen bei der Aidshilfe Frankfurt.

          Rauchen statt spritzen

          Für den Rauchraum hatten auch die anderen Drogenhilfeeinrichtungen im Bahnhofsviertel geworben. „Wir haben seit der Eröffnung des Raumes über 30 neue Besucher im ,La Strada‘ registriert“, berichtet Klee. Mit dem neuen Angebot sollen die Abhängigen dazu gebracht werden, auf den intravenösen Drogenkonsum zu verzichten. Beim Spritzen von Heroin bestehe die Gefahr, sich durch verunreinigte Nadeln mit HIV und Hepatitis zu infizieren. Dank der Rauchräume und verschiedener Informationskampagnen sei der Anteil derer, die Heroin rauchten, stark gestiegen. „Knapp ein Viertel der Konsumenten raucht jetzt, anstatt sich das Rauschgift zu spritzen“, sagt Klee. Im Jahr 2004 hatte der Anteil der Heroinraucher laut einer Studie der Goethe-Universität noch bei knapp sieben Prozent gelegen.

          Um den Rauchraum nutzen zu dürfen, müssen die Drogenabhängigen sich in einem internen System registrieren lassen. Anschließend müssen sie ihr Rauschgift den Mitarbeitern der Einrichtung zeigen. Für den Konsum erhalten sie eine spezielle Folie, die rückstandsfrei verbrennt, damit die Abhängigen keine weiteren schädlichen Partikel einatmen. Eine halbe Stunde dürfen die Konsumenten in dem Raum bleiben.

          Kapazitäten zu gering

          Zwischen 80 und 170 Drogenabhängige kämen im Durchschnitt am Tag ins „La Strada“, sagt Klee. Laut der aktuellen Drogenszene-Studie der Goethe-Universität nutzen 42Prozent der etwa 5000 Rauschgiftkonsumenten in der Stadt die Rauchräume der Hilfseinrichtungen mindestens einmal in der Woche. Dass der sichtbare Crack-Konsum im öffentlichen Raum viele Bürger verärgert, ist für Klee verständlich.

          „Aber es gibt keine Möglichkeit, den Konsum komplett in solche Rauchräume zu verlagern.“ Dafür seien die Kapazitäten zu gering und der Rauchvorgang an sich zu einfach. Einrichtungen wie das „La Strada“ seien nicht nur für den Konsum da. Zusätzlich gebe es für die Abhängigen auch Schlafplätze, Essen und Beratungsangebote. „Das ist ja der Sinn der Drogenhilfe.“

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