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Neuer Kurierdienst für Speisen : In 15 Minuten von der Küche zum Kunden

  • -Aktualisiert am

Essen auf Rädern: Helena Fest liefert Bestellungen bei Foodora aus. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Kurierdienst Foodora macht es möglich, Essen bei Restaurants ohne eigenen Lieferservice zu bestellen. Für wen lohnt sich das?

          Die Schicht endet an einem Schlagloch. Die Wolfsgangstraße im Nordend ist schlecht beleuchtet, das Loch von Herbstblättern verdeckt. Helena Fest hat einen Platten am hinteren Rad. „Schlimmer geht es eigentlich nicht“, sagt die Vierundzwanzigjährige und zieht das Fahrrad von der Straße. Auf dem Gepäckträger steht eine pinkfarbene Styroporbox, darin zwei frisch gebackene Pizzen. Fest ist bei Foodora angestellt, einem Start-up-Unternehmen, das für Restaurants ohne eigenen Bringdienst Essen ausliefert. Das Unternehmen fällt in der Innenstadt besonders durch großflächige Werbung auf Flugzetteln und Plakatwänden auf.

          Das in München gegründete Unternehmen begann im April vergangenen Jahres mit weniger als zehn Frankfurter Restaurants auf seiner Liste. „Aktuell arbeiten wir mit rund 160 Restaurants zusammen“, sagt Pino Keller, Chef der Kundenbetreuung in Frankfurt. Dafür habe das Unternehmen in den vergangenen sechs Monaten mehr als 150Fahrer eingestellt. Viele davon sind Studenten wie Helena Fest, die seit September dabei ist. Sie studiert im siebten Semester Geowissenschaften in Frankfurt. Die Arbeit hat für sie einen guten Nebeneffekt: „Seitdem ich diesen Job habe, kenne ich mich in Frankfurt schon deutlich besser aus.“ Trotzdem nutzt sie das Navigationssystem ihres Smartphones, um die Restaurants und die Kunden zu finden.

          Ein anderer Kurier übernimmt die Bestellung

          Mit Kopfhörer in einem Ohr für die Wegbeschreibung manövriert sie sich mit dem Rad durch den Feierabendverkehr. Wird ihr ein Auftrag zugeteilt, bekommt sie eine Nachricht auf ihrem Handy. Sie macht sich auf den Weg zum Restaurant, das gleichzeitig das Essen zubereitet. Beides sollte nicht länger als 15Minuten dauern. Das Lieferunternehmen wirbt bei Privatkunden und Restaurants mit einer Lieferzeit von 30Minuten von der Bestellung an – eine Herausforderung für viele Restaurants. Helena Fest verstaut das Essen nach der Abholung in der wärmeisolierenden Box, in der auch mehrere kleine Säcke liegen. „Um Suppe zu stabilisieren“, sagt sie. Suppe sei am schwierigsten zu liefern, weil der hohe Behälter schneller umfalle.

          Wegen der Schlagloch-Panne schaffen die zwei Pizzen es nicht rechtzeitig zum Kunden. Fest ruft in der Zentrale an, ihre Schicht ist vorbei. Um die Reparatur muss sie sich selbst kümmern, das Fahrrad ist ihr Eigentum, genau wie das Smartphone. Funktionskleidung und Fahrradhelm stellt das Unternehmen. Acht Minuten nach ihrem Anruf steht ein weiterer Kurier vor Fest. Patrick Stier arbeitet seit einem halben Jahr für Foodora und übernimmt die Bestellung. Den fehlenden Kilometer zum Kunden radelt er in wenigen Minuten und klingelt.

          Restaurant und Kunde zahlen für Foodora

          Als der Kunde die Tür öffnet, wirkt er entspannt, gibt sogar Trinkgeld. „Die Kommunikation mit dem Kunden gehört zu unserem Service. Im Fall einer Verspätung rufen wir an, und es gibt auch mal einen Gutschein als Wiedergutmachung“, sagt Keller. Den können Kunden auf die Bestellung oder die Liefergebühr anrechnen lassen. Eine Bestellung über Foodora kostet den Kunden 2,90 Euro und wird direkt online bezahlt. Das ist für viele Leute Grund, kein Trinkgeld zu geben. „Ich verdiene zehn Euro die Stunde“, sagt Stier. „Das ist auch ohne Trinkgeld über dem Mindestlohn. Trotzdem freut man sich immer, wenn man etwas bekommt.“ Stier schätzt an dem Nebenjob vor allem die Flexibilität. Der Zwanzigjährige studiert Psychologie in Frankfurt. In der vorlesungsfreien Zeit könne man mehr arbeiten und in der Klausurenphase reduzieren. Zwei Bestellungen liefert er im Schnitt je Stunde aus. Um die Koordination kümmert sich ein Team in der Frankfurter Zentrale. „Die Zuteilung der Bestellungen läuft wirklich sehr gut. Ich muss nie länger als zwei Kilometer fahren“, sagt Stier. Ein Einblick in die Zentrale wurde dieser Zeitung nicht gestattet.

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