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Neuer Krimi von Seghers : Spur in die Staatskanzlei

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Der schlimme Finger vom LKA

Die Finger im Spiel hat dabei der Regierungssprecher in Wiesbaden, ein Mann, der so ist, wie er heißt, nämlich Klotz: „kantig und rund zugleich, gedrungen, kompakt, ein Stück hartes Holz“. Kennern der Wiesbadener Verhältnisse fällt bei der Beschreibung dieses Udo Klotz sofort der damalige Regierungssprecher Dirk Metz ein, ein Intimus Roland Kochs, der an vielen Schrauben gedreht und manche Fäden gezogen hat. Ihn kennt Seghers aus dem Fernsehen und aus dem Buch des F.A.Z.-Journalisten Volker Zastrow „Die Vier. Eine Intrige“, das von den vier sozialdemokratischen Abweichlern handelt, die Ypsilanti die Gefolgschaft verweigert haben.

Ein anderer schlimmer Finger in diesem Kriminalroman ist der Polizeibeamte Axel Rotteck vom Landeskriminalamt. Er, der sich selbst Bulle nennt und das Recht gerne in die eigene Hand nimmt, hat einen LKA-Mann zum Vorbild, den Seghers einmal bei einer Zugfahrt im Kreis seiner Kollegen beobachtet hat. Und dann ist da noch die Leiche in einem kleinen Hotel am Zoo, eine Journalistin, die Herlinde Scherer heißt und stark an die Fotografin Herlinde Koelbl und die Reporterin Marie-Luise Scherer erinnert. Sie muss sterben, weil sie der Sterntaler-Verschwörung auf der Spur ist.

Alle Schauplätze besucht

Für Frankfurter ist der neue Marthaler, wie Krimifreunde diese Neuerscheinung nennen, nicht nur deshalb besonders faszinierend, weil Ypsilanti aus Frankfurt kommt und die Geschehnisse um ihren Sturz Stadt und Land aufgerüttelt haben. Seghers stellt seine Figuren auch in Schauplätze, die jedem Frankfurter bekannt sind. Die Journalistin Anna begegnet dem Kommissar Marthaler vor dem Café Mozart an der Töngesgasse, das Weiße Haus, in dem Marthalers Morddezernat untergebracht ist, steht tatsächlich als weißes Haus an der Rothschildallee, ihre Brötchen holen die Ermittler bei Harry an der Rohrbachstraße, dessen Bäckerei seit ihrem Erscheinen in den Seghers-Romanen voll ist.

„Ich kann keine Szene schreiben, wenn ich den Schauplatz nicht kenne“, sagt Seghers. So hat er denn wieder alle Schauplätze abgefahren: die Frankfurter auf seinem Rennrad mit dem Olmo-Rahmen, die Straßen nach Schwarzenfels mit dem Auto. Den versteckten Fahrradladen in einem Hinterhaus an der Töngesgasse, dessen Betreiber der mit Marthaler ermittelnden Anna ein Basso-Rad überlässt, gibt es im Übrigen wirklich. Der „Rebicycle“-Inhaber Thomas Bürger hat Seghers schon das eine oder andere Rennrad zusammengeschraubt.

In einem halben Jahr geschrieben

Und wie geht es mit Tereza weiter, Marthalers Liebe, fragen vor allem die Leserinnen. Lange ist Seghers dazu nichts eingefallen, nachdem sie im vorigen Roman schwanger war und ihr Kind verlor. Den Tipp zur weiteren Entwicklung der spannungsreichen Liebesbeziehung zwischen dem Kommissar und der Kunsthistorikern hat ihm der Verleger Karlheinz Braun gegeben. Marthaler sei so oft ohne Grund eifersüchtig gewesen, sagte er zu Seghers, da solle er ihm doch einmal einen Grund geben.

Drei Jahre lang haben sich die Figuren, die Geschichte und die Schauplätze der „Sterntaler-Verschwörung“ im Kopf von Seghers entwickelt. Dann hat er das Buch innerhalb eines halben Jahres wie im Rausch heruntergeschrieben. Es entstand zu einem Gutteil in Bordeaux, wo Seghers acht Wochen lang dank eines Stipendiums des Hessischen Literaturrats in einem Haus in der Altstadt arbeiten konnte. Hessische Unterstützung für einen hessischen Stoff - besser konnte das Land sein Geld nicht anlegen. Der Ministerpräsident hat davon aber nichts gewusst.

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