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Neuer Industriepark : Nicht nur Platz für die Bad Homburger Stadtwerke

Alt und neu kombiniert: Das frühere PIV-Gelände wird zum Industriepark. Bild: Löw Grundstücksentwicklung

100 Bäume und Bauten aus der Nachkriegszeit: Das einstige PIV-Werksgelände wird für neue Mieter umgebaut. Die Vergangenheit bleibt dabei präsent.

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          Es ist eine Transformation, die sich mit einem Filmtitel beschreiben ließe: Zurück in die Zukunft. Wo einst Bad Homburgs größtes Unternehmen 2000 Menschen Arbeit gab, wollen mit den Stadtwerken, dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) und dem Katastrophenschutz des Hochtaunuskreises gleich drei Institutionen ihre Standortfrage beantworten. Außerdem kommt mit Ellen Wille ein neues Unternehmen auf das frühere Gelände des Getriebeherstellers PIV. Dem nach eigenen Angaben in Europa führenden Anbieter von Perücken und Haarteilen reicht der Platz in Schwalbach nicht. Deshalb soll das Versandlager mit 50 Mitarbeitern ebenfalls an die Justus-von-Liebig-Straße ziehen.

          Bernhard Biener
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung

          Vor vier Jahren hatte die heutige PIV Drives, die nach der Insolvenz 2001 von der italienischen Brevini-Gruppe gekauft wurde und mit dieser heute zum amerikanischen Konzern Dana gehört, einen Teilverkauf des Grundstücks angekündigt. Die weiten Wege hinderten die Produktivität, hieß es damals. Unter optimierten Bedingungen nach der Investition von 25 Millionen Euro reicht dem Unternehmen seither die Hälfte des weitläufigen Geländes. Die restlichen 34.000 Quadratmeter kaufte im Mai 2020 die Löw Grundstücksentwicklung GmbH & Co. KG. Hinter ihr steht mit Peter Löw der langjährige Vorstand des Bad Homburger Bedachungsspezialisten Willy A. Löw AG.

          Das Areal soll künftig den Namen Industriepark tragen und damit Alt und Neu verbinden. „Wir sind uns der Historie bewusst“, sagte Löw bei der Vorstellung der Pläne. Dies hat er unter anderem mit dem Umbau das Güterbahnhofs zu Veranstaltungsräumen oder der Rekonstruktion des Kaiserlichen Postamts gegenüber dem Kurhaus unter Beweis gestellt. Auch viele PIV-Werkshallen aus den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sollen nicht verschwinden. „Wir wollen ein Stück Bad Homburger Industriekultur erhalten.“ Deshalb sollten die Gebäude aus der Boomzeit nach dem Zweiten Weltkrieg durch neue Hallen ergänzt werden.

          „Stadtwerke müssen wieder in das Herz der Stadt“

          Die Stadtwerke Bad Homburg, die ihr altes Grundstück am Europakreisel verkauft haben und seit 2010 eine neue feste Adresse suchen, werden zum Beispiel die frühere Ausstellungshalle als Kundencenter nutzen. Außer der Verwaltung sollen Werkstätten und Lager im Industriepark unterkommen. Man prüfe noch, ob die alte Härterei eine Energiezentrale für das ganze Gelände aufnehmen könne, sagte der kaufmännische Stadtwerke-Direktor Ralf Schroedter. Beim Umzug vom Stadtteil Ober-Erlenbach an den neuen Standort im Mai 2023 bleibt der Vermieter derselbe. Auch das derzeitige Interimsquartier im Stadtteil Ober-Erlenbach gehört Löw.

          „Die Stadtwerke müssen wieder in das Herz der Stadt“, sagte Bürgermeister Oliver Jedynak (CDU) als zuständiger Dezernent. Auch der Fachbereich Straßenbau und Stadtentwässerung soll vom Technischen Rathaus in den Industriepark umziehen, weil es viele Überschneidungen mit den Stadtwerken gibt.

          Der Kreisverband des DRK wiederum will seit Langem sein Domizil an der Kaiser-Friedrich-Promenade modernisieren. Mit dem Umzug von Geschäftsführung, Verwaltung, Kreisbereitschaftsleitung, ambulanter Pflege und Breitenausbildung in den Industriepark könne man nicht nur das Grundstück in der Innenstadt frei machen, sagte Kreisgeschäftsführer Axel Bangert. Auch zwölf Rettungswagen der Kreisbereitschaft und der Katastrophenschutz mit seinen auf neun Standorte verteilten Lagern und Fahrzeugen finde hier Platz. Das Rote Kreuz werde mit 70 Mitarbeitern in den Industriepark wechseln. Am bisherigen Standort an der Promenade werde das Gebäude abgerissen, um eine neue Begegnungsstätte, barrierefreie Wohnungen und eine Erweiterung für den Kindergarten bauen zu können.

          Umbau mit Rücksicht auf die Bedürfnisse des Kreises

          Nicht nur das DRK mietet Lagerflächen für Zelte, Feldbetten und Sanitätsmaterial. Der Hochtaunuskreis hat ebenfalls nach einem zentralen Katastrophenschutzlager Ausschau gehalten. „Auf diese Weise haben wir schnelleren Zugriff“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Thorsten Schorr (CDU). Besonders vorteilhaft sei, dass die Halle mit Rücksicht auf die Bedürfnisse des Kreises umgebaut werden könne. Schließlich mietet auch Dana noch Flächen auf dem Nachbargrundstück des eigenen Werks.

          Wie Architekt Uwe Stoll erläuterte, sollen die alten Gebäude neben den Neubauten künftig an ihren Backsteinmauern erkennbar sein. Nicht nur die Bürogebäude, auch eine alte Halle werde revitalisiert. Im Laufe der Jahrzehnte sei ein Konglomerat entstanden. Mit klaren Abgrenzungen und 100 Bäumen solle das Gelände auch Aufenthaltsqualität bieten. Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) erwartet, dass der Industriepark „ein echter Knaller“ wird. Das Planungsrecht werde nicht verändert, sodass die eine Hälfte ein Industriegebiet und die andere Gewerbegebiet bleibe. Löw sagte, der Anteil an Büros werde sogar zugunsten von Freiflächen reduziert.

          Der Eigentümer will mit Plaketten an Baujahr und frühere Funktion der alten Gebäude erinnern. Auch eine große Brunnenschale aus Tessiner Granit werde erhalten, kündigte Löw an. PIV-Chef Werner Reimers hatte sie 1963 von der Belegschaft zu seinem 75. Geburtstag bekommen. Am selben Tag verkündete er die Gründung der nach ihm benannten und noch heute bestehenden Stiftung.

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