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Neuer Hardtbergturm : Weitblick für Wanderer

Mit Krone: Der neue Hardtbergturm in Königstein ist wieder aus Metall und ermöglicht grandiose Ausblicke. Bild: Stephan Lucka

Der neue Hardtbergturm bei Königstein ist eröffnet, das Panorama großartig. Die ersten Besucher schwanken zwischen Staunen und Höhenangst.

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          Zuerst dürfen die Schützen nach oben, dann die Kinder. Als die Salutschüsse verhallt sind, steigen an die zwanzig Jungen und Mädchen die 140 Stufen des neuen Hardtbergturms empor. Und so lauten die ersten Kommentare über Aussicht und Konstruktion: „Siuuu, das wackelt!“, „Al­ter Schwede!“ und „Digger, sonst hab ich Höhenangst, aber hier nicht.“

          Florentine Fritzen
          Korrespondentin im Hochtaunuskreis

          Als wenig später die Erwachsenen auf der obersten der fünf Plattformen des 32 Meter hohen Stahlturms ankommen, fal­len andere Begriffe, zum Beispiel „phan­tastisch“ und „mega Aussicht“. Aber eigentlich empfinden bei der Eröffnung des neuen Königsteiner Wahrzeichens am Samstagnachmittag über den Laubbaumwipfeln alle gleich: Der Turm auf dem gut 400 Meter hohen Hardtberg bietet ein Wahnsinnspanorama, das Wind und Wackeln weitgehend vergessen lässt.

          Blickachse mit dem Großen Feldberg

          Der Blick geht rundherum über Königstein mit seiner erhabenen Burg, weiter über die Burg Falkenstein in einer perfekten Blickachse mit dem Großen Feldberg, über die anderen Berge des Taunus, die tiefer im Tal liegende Burg Kronberg, die Frankfurter Skyline. Es ist etwas diesig an diesem heißen Tag, aber alles ist doch ziemlich gut zu sehen – und vor allem von jedem Punkt der Plattform aus. Anders als auf anderen Aussichtstürmen hat die Mitte der obersten Plattform kein Mittelstück, das den Blick auf die andere Seite verdecken würde. Hohe Zacken aus Stahl, angeordnet wie spitzwinklige Dreiecke, zeigen gen Himmel. Dem Turm wurde, wie der Vorsitzende des Fördervereins Hans-Dieter Hartwich sagt, „die Krone auf­gesetzt“. Einer, der schon vor der of­fiziellen Eröffnung oben sein durfte, er­zählt, er habe sich nachts auf dem Rücken auf die Fläche gelegt und Mond und Sterne fotografiert.

          Trotz der Hitze sind mehr als 200 Menschen auf den Hardtberg in der Nähe des Stadtteils Mammolshain gekommen. Es gibt Biertische, Getränke und Turmbauen aus Play-Mais für Kinder. „Ich glaube, so viele Leute wie heute werden nie mehr hier draufgehen“, vermutet ein Jugendlicher, der mit zwei Gleichaltrigen am Geländer der dritten Aussichtsebene lehnt.

          Die meisten Besucher sind älter als die drei Jungs, nur wenige jünger. Etliche Vertreter der Kommunalpolitik des Hochtaunuskreises, Königsteins und Kronbergs sind darunter, auch der Bürgermeister von Friedrichsdorf ist da. Das neue Ausflugsziel ist Teil des Regionalparks RheinMain, es liegt an der „Safariroute“ zwischen dem nahen Kronberger Opelzoo und dem Frankfurter Zoo. In allen Reden am Fuß des Turms, und es sind ziemlich viele Reden, fallen Adjektive wie „sensationell“, „toll“, „gelungen“, „wunderbar“.

          Doppelt so hoch wie der ursprüngliche Turm

          Im Sonnenlicht leuchtet der hellgraue Stahl, aus dem der 80 Tonnen schwere und doch luftige Turm besteht, fast weiß. Der Grundriss ist oval. Ursprünglich, vor mehr als einem halben Jahrzehnt, war ein Holzturm geplant, aber das wurde schnell verworfen. Die Kosten wären dann weitaus geringer gewesen. Gerechnet wird derzeit mit knapp 800.000 Euro, wegen Corona könnte es aber noch mehr werden.

          Knapp 300.000 Euro der Summe hat die Stadt Königstein übernommen. De­ren Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) hebt aber auch hervor, dass viele Einzelspender beigetragen hätten, da­runter auch die Stadt Kronberg, mit der man sich sonst doch hin und wieder „kleine Scharmützel über die Grenze“ liefere – gemeint ist natürlich der Streit über den Philosophenweg. Außer dem Förderverein hat sich auch der Regionalpark an den Kosten beteiligt.

          Erdbeben und Wasser, Korrosion und Sturm

          Der Leiter des Forstamts Königstein lobt, dass der alte Baumbestand rund­herum weitgehend habe stehen bleiben können. Mit seinem Material steht der Turm in der Tradition des am Ende baufällig gewordenen, seit 2012 gesperrten und vor einem guten Jahr abgerissenen Vorgängerturms. Der war auch aus Me­tall, mit gut 14 Meter Höhe aber kaum halb so hoch. Den allerersten Turm an der Stelle hatte der Taunusclub schon 1884 aus Holz errichtet, aber bereits 1899 durch eine dann immer wieder erneuerte Eisenkonstruktion ersetzt.

          Nach den Reden folgt der Auftritt der Cronberger Schützengesellschaft. Auf je­der der sechs Ebenen – die Fläche unter dem Turm wird mitgerechnet – bezieht ein Vereinsmitglied mit Büchse Stellung. Die Schüsse von Ebene eins, zwei und drei sollen den Turm feien vor Erdbeben und Wasser, Korrosion und Sturm – und Vandalismus. Schütze Nummer vier böllert für die Opfer von Rassismus und die Menschen und Soldaten in der Ukraine, Nummer fünf für die Heilige Barbara. Nummer sechs, ganz oben, knallt für Freude, Begeisterung – und Weitblick. Und der lohnt sich dann wirklich.

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