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Neuer Großrechner für Wetterdienst : Mehr Präzision mit 550 Teraflops

Hochleister: Der neue Großrechner des Deutschen Wetterdienstes Bild: Marcus Kaufhold

Der Deutsche Wetterdienst kann schon jetzt eine Trefferquote von mehr als 90 Prozent für die 24-Stunden-Vorhersagen vorweisen. Doch will er mit seinem neuen Großrechner eine neue Vorhersage-Ära einläuten.

          Henning Weber hat keine Illusionen. „In drei Jahren brauchen wir einen neuen Rechner“, sagt der Leiter der Computer-Systembetreuung beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach und lächelt vorsichtig. Erst vor ein paar Wochen hat er zusammen mit seinem Chef Gerhard Adrian, dem Präsidenten der Bundesbehörde, den neuen Supercomputer XC30 der Öffentlichkeit präsentiert und von dessen Leistungsfähigkeit geschwärmt. Jetzt denkt er an das Jahr 2017, in dem er und seine Kollegen sich nach einem neuen Superhirn umschauen müssen.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bis dahin soll der neue Großrechner die Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes nicht nur präziser und detailreicher machen, sondern auch verlässlicher. Mit seiner Hilfe wollen die Meteorologen ein neues, wesentlich komplexeres Prognose-Modell in Betrieb nehmen und die Wahrscheinlichkeiten ihrer Projektionen erhöhen, obwohl sie schon heute eine „Trefferquote“ von mehr als 90 Prozent für die 24-Stunden-Vorhersagen vorweisen können. Wenn er voll betriebsfähig ist, soll der XC30 die Leistungsfähigkeit des DWD-Rechenzentrums verdreifacht haben und so die Prognosen noch einmal deutlich genauer machen.

          1,1 Billiarden Rechenschritte je Sekunde

          Doch der technologische Fortschritt ist so rasant, dass selbst eine Maschine wie diese mit einer unvorstellbaren Rechenleistung von 1,1 Billiarden Rechenschritte in der Sekunde nach drei Jahren veraltet ist. Für Hochleistungsrechner gilt wie für Homecomputer das Moore’sche Gesetz, dem zufolge sich die Kapazität neuer Systeme alle 18 Monate verdoppelt. Diese Regel ist schon dem Vorgänger des XC30 zum Verhängnis geworden: Auch der SX9 der Firma NEC, den der Wetterdienst vor nicht einmal fünf Jahren für rund 39 Millionen Euro angeschafft hatte, bedeutete damals einen riesigen Sprung für die Vorhersagetechnik; im Vergleich zum alten IBM-Computer, der zuvor die Prognosen der Meteorologen ausgespuckt hatte, war er 45-mal schneller. Doch jetzt hat er nur noch eine Gnadenfrist von gut einem Jahr, in dem er parallel mit dem neuen Superrechner laufen darf, dann kommt er auf den Schrottplatz. „Den kauft uns leider keiner mehr ab“, sagt Systembetreuer Weber.

          Der XC30 besteht wie schon der SX9 im Grunde aus zwei identischen Computern, die zur Sicherheit in zwei verschiedenen Räumen des Rechenzentrums untergebracht sind. Sie sind jeweils nicht viel größer als ein paar zusammengeschobene Kühlschränke, in ihnen steckt jedoch eine Rechenkraft, die vor zehn oder 15 Jahren noch als utopisch gegolten hätte: Während der SX9 über eine Rechenleistung von 109 Teraflops verfügte, wird der XC30 in der Spitze zweimal 550 Teraflops erreichen. Zum Vergleich: Die jüngst auf den Markt gekommenen Spielkonsolen Playstation 4 und Xbox One haben 1,84 beziehungsweise 1,3 Teraflops. Sie wirken gegen die Offenbacher Supercomputer wie bessere Taschenrechner, kosten aber auch keine 24 Millionen Euro.

          Das ist der Betrag, den der Wetterdienst für den drei Jahre laufenden Vertrag mit dem XC30-Hersteller Cray auf den Tisch legen muss. Das ist auch für eine Bundesbehörde wie den Wetterdienst eine Menge Geld. Die Summe relativiert sich allerdings, mit Blick auf die 39 Millionen Euro, die der Vorgänger SX9 vor nicht einmal fünf Jahren gekostet hat.

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