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„Flare of Frankfurt“ : Baubeginn auf altem „Rundschau“-Areal

Schließt den Block: das „Flare of Frankfurt“ an der Ecke von Großer Eschenheimer Straße und Stiftstraße Bild: Simulation Hadi Teherani

Hotels, Geschäfte, Wohnungen: Ein Investitionsvolumen von 180 Millionen Euro umfasst der neue Gebäudekomplex auf dem ehemaligen Gelände der Zeitung. Vom alten Gebäude bleibt nichts erhalten.

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          Zwei große Bagger sind schon da. Sie heben die Baugrube auf dem ehemaligen „Rundschau“-Areal aus und sind schon weit gekommen. Das 5.600 Quadratmeter große Grundstück ist mit einem Metallzaun umgeben, die Baucontainer sind aufgereiht. Deshalb trifft es Andreas Hülsken vom Projektentwickler Strabag Real Estate GmbH recht gut, wenn er sagt: „Wir sind fast ein bisschen überrascht worden vom schnellen Bautempo.“ Schlimm findet Hülsken die Geschwindigkeit natürlich nicht, denn auch am Bau ist Zeit eben Geld. Trotz der Bagger wurde gestern am Baufeld an der Ecke von Großer Eschenheimer Straße und Stiftstraße der erste Spatenstich für ein 180-Millionen-Euro Projekt mit dem Titel „Flare of Frankfurt“ gefeiert.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Entstehen sollen bis Herbst 2018 zwei Gebäude mit zusammen 24.500 Quadratmetern. Vorgesehen sind Flächen für Wohnen, Gastronomie, Einzelhandel, Hotel und ein sogenanntes Boardinghaus. Hülsken sagt, er freue sich, dass es auf dem seit 2006 brachliegenden Areal nun vorangehe. Damals war das denkmalgeschützte „Rundschau“-Haus abgerissen worden. Die Tiefbauarbeiten seien allerdings ziemlich komplex, daher werde es eine Weile dauern, bis der Grundstein gelegt werden könne: „Wir sitzen hier auf einer fertiggestellten Tiefgarage.“

          Schon vor Baubeginn vermietet

          Nach Hülskens Worten war das Geschäftshaus mit 18.000 Quadratmetern schon vor Baubeginn vermietet. Birgit Ritscher-Filka vom Co-Investor RFR GmbH, der später die Vermietung der Einzelhandelsflächen übernehmen wird, berichtet: „Auch die Nachfrage der Gastronomen ist sehr groß.“ Es werde vermutlich neun oder zehn Läden geben, die alle ebenerdig lägen und deren Zuschnitte noch änderbar seien. Vorgesehen sei eine Gesamtfläche von 2.500 Quadratmetern. „Wir sind guten Mutes, dass sich die Einkaufszone verlängern lässt“, sagt Ritscher-Filka. Es könne gelingen, die Kunden von der Zeil die wenigen Meter hin zu den neuen Geschäften zu locken.

          Geplant sind laut Hülsken außerdem 57Wohnungen mit einer Durchschnittsgröße von etwa 75Quadratmetern. „Unser liebster Käufer wäre ein Paar aus Frankfurt, das aus dem Taunus wieder zurückzieht.“ Eigennutzer seien sehr willkommen: „Das soll keine Investorenkiste werden.“ Zu den Kosten äußerte sich Hülsken nicht. Wegen des anspruchsvollen Entwurfs werde der Quadratmeter sicher nicht für 3.000 Euro verkauft werden, sagt er und fügt hinzu. „Wir nehmen aber keine Londoner Preise.“

          Außer Geschäften, Gastronomie und Wohnungen sind zwei Hotelprojekte geplant. Zuständig dafür ist das Schweizer Unternehmen SVHotels, das in einer Franchisekooperation dafür Konzessionen vom Hotelunternehmen Marriott International bekommt. SV-Manager Beat Kuhn stellt beide Ansätze vor. In einem „Lifestyle-Economy“-Hotel mit dem Namen „Moxy“ seien 260 Zimmer vorgesehen, die zu erschwinglichen Preisen angeboten werden sollen. Markus Lehnert von Marriott findet, es beweise „Mut, aber keinen Leichtsinn“, mit einem solchen Konzept in die Frankfurter Innenstadt zu gehen.

          Architekt sieht keinen Grund für Kritik

          Das zweite Projekt bietet rund 160 Zimmer in einem Boardinghaus. Sie sollen eher Studios und Apartments ähneln und zum Beispiel für Wochenendpendler und andere Langzeitnutzer eine Alternative sein, wie Kuhn sagt. „Es sind aber keine Mikroapartments“, fügt Andreas Hülsken von Strabag hinzu. Zu den Übernachtungskosten erläutert Lehnert, sie entsprächen für ein bis vier Nächte etwa dem, was Vier-Sterne-Hotels verlangten. Werden hingegen mehr als 30 Nächte im Boardinghaus gebucht, sinken die Kosten auf annähernd 60 Prozent, wie Kuhn anfügt.

          Am Bistrotisch unter weißen Pavillonzelten saß gestern auch der Architekt: Hadi Teherani aus Hamburg war für seinen Siegerentwurf vor gut einem Jahr gelobt, aber auch kritisiert worden, weil er die alte Anmutung des „Rundschau“-Hauses nicht aufgenommen hatte. Das fanden viele schade. Teherani betrübt das nicht. Er sagt, er habe „diese Kritik nicht so wirklich tief ernst genommen“. Er habe eben etwas ganz anderes vor Augen gehabt. „Und das ,Rundschau‘-Gebäude hat auch nichts anderes gemacht, als den Block zu schließen, nur mit einer runden Ecke. Aber das Gebäude stammte auch aus einer anderen Zeit.“

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