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Neuer Lockdown : Familien als Wellenreiter

Nicht einfach: Die Corona-Pandemie stiehlt Familien Liebe und Zeit (Symbolbild). Bild: obs

Die zweite Corona-Welle verunsichert Familien. Wie sollen sie sich verhalten? Es lohnt sich, über Hybridmodelle zwischen familiärem Lockdown und Normalität nachzudenken.

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          Beim neuen Lockdown argumentiert der Bund mit den Familien. Damit sie gemeinsam Weihnachten feiern können, sollen die Bürger im November die Kontakte einschränken. Das Narrativ zielt aufs Herz. Wer da Kalkül vermutet, liegt vermutlich nicht falsch.

          Die zweite Welle ist auch in den Familien spürbar. Kinder, Eltern und Großeltern sind unsicher, was jetzt richtig ist, und dafür gibt es keine klaren Regeln. Im Frühjahr haben sie Abstand gehalten, die Kleinen trafen die Alten nicht mehr. Erwachsene Kinder kauften für ihre Eltern ein, die sich kaum noch aus der Wohnung trauten. Schulen und Kitas waren zu; eine Maskenpflicht gab es noch nicht. Die kam erst Ende April. Jetzt sind die Zahlen ähnlich besorgniserregend, aber Omas und Opas sind unterwegs, manche sogar mit Bus und Bahn. Und sie weichen nicht mehr ängstlich vor den Enkeln zurück.

          Die Pandemie stiehlt Zeit und Liebe

          Was ist anders als im Frühling? Es sind nicht nur die Masken. Auch gilt als widerlegt, dass Kinder „Virenschleudern“ seien. Politiker beteuern: Schulen und Kitas sollen offen bleiben. Das hat mit Bildung zu tun – und mit Betreuung. Eine zweite Schließung samt Homeschooling triebe viele Eltern in die Verzweiflung oder auf die Barrikaden.

          Und so kommen Kinder und Jugendliche weiter Tag für Tag zusammen, oft ohne Maske. Der Regelbetrieb erweckt den Anschein von Sicherheit und Normalität. Aber auch wenn Kinder das Virus offenbar seltener weitergeben als im Frühling befürchtet, sollten Familien nicht leichtsinnig sein. Alle Generationen müssen das Infektionsrisiko abwägen gegen Gefahren für Seele und Familienfrieden. Alte fragen: Könnte dieses Weihnachtsfest das letzte sein, das alle miteinander feiern? Aus derselben Sorgen-Logik folgt für viele aber gerade nicht, sich im November ohne Not wieder auf Facetime zu beschränken, statt mit dem nach dem ersten Lockdown zurückgewonnenen Enkel zu kuscheln. Die Pandemie stiehlt Zeit. Und Liebe erst recht.

          Auch das ist anders: Die Familien haben mittlerweile erfahren, wie unnatürlich es sich anfühlt, zueinander auf Abstand zu gehen. Das wollen sie nicht wieder. Trotzdem sollten alle besprechen, was sie jetzt besser machen können. Vielleicht verringern sie den Kontakt diesmal weniger radikal, aber weiterhin vernünftig. Masken und Frischluft helfen; zuhören, aufeinander eingehen, niemanden bevormunden auch. Es lohnt sich, über Hybridmodelle zwischen familiärem Lockdown und Normalität nachzudenken. Aber keine Familie sollte sich ihre eigenen Regeln machen.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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