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Eduard Singer als „Citymanager“ : Ein Werber für ganz Frankfurt

Brückenschlag: Der ehemalige Hotelmanager Eduard Singer ist Frankfurts neuer Citymanager Bild: Wonge Bergmann

Mit dem langjährigen Hotelmanager Eduard Singer hat Frankfurt jetzt einen Profi für das Citymarketing. Die Innenstadt braucht ihn mehr denn je.

          3 Min.

          Die Wände sind kahl, die Besuchersessel fehlen noch. Mit flinken Schritten durchquert Eduard Singer sein neues Büro im Frankfurter Rathaus, das er gerade erst bezogen hat. Seit dem 1.Oktober ist der Fünfzigjährige der neue Leiter der Abteilung für City- und Stadtteilmarketing – und darf sich fortan Citymanager statt Generaldirektor nennen.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Wechsel des erfahrenen und ehrgeizigen Hotelmanagers in den öffentlichen Dienst – der Vertrag ist unbefristet, eine Verbeamtung aus Altersgründen nicht mehr möglich – hat viele überrascht. Erst vor einem Jahr hatte Singer die Generaldirektion des Crown Plaza in Frankfurt übernommen und leitete zudem das operative Geschäft der IHG Franchise-Betriebe der Hotelgruppe Novum Hospitality. Davor stand er gut zehn Jahre an der Spitze des Grandhotels „Hessischer Hof“, das wegen der Corona-Krise geschlossen wird. In dieser Position durfte Singer illustre Übernachtungsgäste wie die belgische Königin oder Mick Jagger treffen. Singer ist das, was man weltläufig nennt.

          Den meisten bekannt ist der gebürtige Nürnberger, der seit 25 Jahren mit dem Rhein-Main-Gebiet verbunden ist, vor allem als eloquenter Sprecher des Frankfurter Hotel- und Gaststättenverbands. Zwölf Jahre lang war er das Gesicht der Branche. Ein „bisschen wehmütig“ sei er daher schon. „Ich habe mich sehr mit der Branche identifiziert“, sagt Singer. Zum Glück gebe es auch in Zukunft viele Berührungspunkte.

          Eine komplizierte Ausgangslage

          In jedem Fall dürfte es dem neuen Citymanager, der ein Team von sieben Mitarbeitern im Hauptamt führt, nicht langweilig werden. Die Frankfurter Innenstadt leidet wie viele andere Stadtzentren darunter, dass Verbraucher Jacken und Schuhe immer öfter im Internet bestellen. Insbesondere auf der Zeil verderben Obdachlose und Bettler vielen die Lust auf den Stadtbummel. Die Corona-Krise mit Abstandsregeln und Maskenzwang hat viele Probleme noch verschärft. Modeketten wie Zara und Esprit sind auf dem Absprung, Flächen, auch in Neubauten, stehen leer, weil Handelsunternehmen ihre Expansionspläne zurückfahren oder die geforderten Mieten nicht mehr zahlen wollen. Touristen und Messegäste fehlen, sie sind ein wichtiges Pfund in Frankfurt.

          Umso erleichterter sind hiesige Branchenvertreter, dass es gut drei Jahre nachdem Hauptamtsleiter Tarkan Akman einen Citymanager für die Stadt angekündigt hatte, diese Stelle für einen Koordinator, bei dem alle Fäden zusammenlaufen, endlich gibt.

          Die Gemengelage ist kompliziert. Auf der einen Seite sind die Einkaufsstraßen in den Stadtteilen, die dank Corona gerade ein kleines Revival erleben und im Wirtschaftsdezernenten Markus Frank (CDU) einen starken Fürsprecher haben. Auf der anderen Seite ist die bisher erfolgsverwöhnte Zeil mit ihren Kaufhäusern und Ketten, denen es trotz mehrerer Versuche in der Vergangenheit nicht gelungen ist, eine gemeinsame Interessenvertretung auf die Beine zu stellen. Selbst scheinbar einfache Projekte, wie eine Weihnachtsbeleuchtung über der Zeil, scheiterten in den vergangenen Jahren wiederholt, weil man sich mit der Stadt nicht darüber einigen konnte, wer die Verantwortung trägt und die Chose zahlt.

          Die richtigen Impulse für die Zukunft setzen

          Auch um dieses Klein-Klein wird sich Singer in Zukunft kümmern müssen. Dass er das kann, trauen ihm seine Mitstreiter, mit denen er bisher auf der anderen Seite des Tisches saß, durchaus zu. Singer komme aus der richtigen Branche, heißt es, er sei kein Schwätzer, sondern wisse, wann er etwas zu sagen habe, und könne auch mal deutlich werden, aber nie polterig.

          Schon eher sorgt man sich darum, der neue Citymanager könne zwischen den politischen Fronten zerrieben werden. Die Stelle im Hauptamt ist nah beim Oberbürgermeister angedockt. Der liegt bekanntlich mit dem Wirtschaftsdezernenten quer. Da trifft es sich immerhin gut, dass Singer und Thomas Feda, der Chef der Tourismus und Congress GmbH, Landsmänner sind und sich ab und an beim Stammtisch der Exil-Franken treffen.

          Aus Fedas Abteilung kommt bisher das meiste Geld für das Citymarketing, zehn Prozent von der Tourismusabgabe. Im vergangenen Jahr waren das 600.000 Euro zusätzlich zu einem festen Budget von 50.000. Wegen Corona sieht es dieses Jahr finanziell schlecht aus. Zwei Drittel könnten am Ende des Jahres bei der Tourismusabgabe fehlen, die zuletzt noch 7,3 Millionen Euro eingebracht hatte. Das sind keine guten Voraussetzungen für Singers Plan, externe Berater zu engagieren. Das ist für ihn „ein ganz zentrales Thema“, wie er sagt. Nur so könne es gelingen, die richtigen Impulse für die Zukunft zu setzen und Visionen zu entwickeln.

          Singer, der erst einmal lernen muss, wie eine Verwaltung tickt – einen „Tauchgang“ nennt er das –, macht allerdings auch deutlich, dass er die Unternehmen mit in die Pflicht nehmen will. Wegen Corona sei gerade nicht der geeignete Zeitpunkt, „aber es ist klar, dass die Stadt bei der Finanzierungvon Projekten den Schulterschluss mit den Gewerbetreibenden suchen muss“. Eine autofreie Innenstadt – vielen Händlern wird das gefallen – schwebt dem Citymanager, der in Karben wohnt, im Übrigen nicht vor. „Ich komme aus dem Umland und fahre gern mit dem Auto zum Einkaufen“, sagt er.

          Aktuell ist Singers Abteilung im Rathaus aber erst einmal bei der Corona-Bekämpfung gefragt. Die Ungeduld, dass er noch nicht gleich loslegen kann, ist dem Citymanager anzumerken. Er hat große Pläne, will alle Akteure in der Stadt kennenlernen, der „zentrale Ansprechpartner“ sein. Im Büro, sagt Singer, werde er nur selten sein.

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