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Neuer Busbahnhof in Hofheim : Fahrversuche gegen die böse Überraschung am Schluss

Wegweisend: Ein Hofheimer Bus fährt über den Hochheimer Marktplatz Bild: Michael Kretzer

In Hofheim soll ein neuer Busbahnhof gebaut werden. Auf dem Hochheimer Markt hat das verantwortliche Ingenieurbüro seine Pläne getestet. Mitarbeiter des Rathauses in Hochheim hielten die Anfrage zunächst für einen Scherz.

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          Grau ist alle Theorie, sagt das Sprichwort. Dort, wo sonst die Karussells des Hochheimer Marktes stehen, war es gestern genau umgekehrt. Die Theorie in Form von maßstäblichen Plänen bestand aus farbigen Inseln und Linien in Gelb, Rot, Blau und Grün. Die Praxis hingegen zeigte sich in Gestalt grauer Betonsteine. Sie waren so angeordnet, dass sie die Konturen der Bussteige des künftigen Hofheimer Busbahnhofs nachformten. Die Kreisstadt hatte Hochheim wegen der großen Freifläche um Amtshilfe gebeten.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Es gibt natürlich genaue Richtlinien über Fahrgeometrie, Überschwenkung und Lichtraumprofil. „Aber es gibt auch den Faktor Mensch“, sagte Bernt Sapauschke vom Ingenieurbüro ZH, das den Busbahnhof plant. „Deshalb sieht die Praxis manchmal etwas anders aus.“ Mit drei unterschiedlich großen Bussen wurde erprobt, ob die Fahrer mit den künftig in Sägezahnform angeordneten Haltestellen zurechtkommen. Sapauschke gab dabei nach eigenen Worten den Schiedsrichter.

          Mit Trillerpfeife und Schildern lotste er die Busse auf Position. Dann wurde mit dem Zollstock das Spaltmaß überprüft. Mehr als fünf Zentimeter Abstand dürfen es zwischen Bustür und Bussteigkante nicht sein, damit der Busbahnhof als barrierefrei gilt. Das aber muss er bis 2022 werden, sagt das Gesetz. „Wir haben keine Wahl und müssen ihn umbauen“, sagte Hofheims Erster Stadtrat Wolfgang Exner (CDU). Dabei solle die bisher parallel liegenden Bussteige entlang zweier langgezogener Inseln mit sägezahnartigen Ausbuchtungen angeordnet werden. Ob man es schaffe, die Förderanträge im nächsten Frühjahr zu stellen und ein Jahr später zu bauen, sei aber noch ungewiss.

          Hochheimer hielten Anfrage für einen Scherz

          „Bussen, Fahrradfahrern, Fußgängern und dem Verkehr auf der Bundesstraße 519 müssen wir gerecht werden“, beschrieb Exner die Herausforderung. Außer den Haltestellen an der Alten Bleiche werden auch die Bussteige direkt vor dem Bahnhof umgestaltet, eine Haltestelle vor dem Ambet-Brunnen soll hinzukommen. „Die Kapazitäten reichen schon jetzt nicht, wenn morgens die Schüler ankommen“, sagte Birgit Hartmann, Prokuristin der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft. „Die Busse ragen dann in die Bundesstraße.“

          Der Test sollte zeigen, ob die Busse nach dem Umbau noch aneinander vorbeikommen und die Haltestellen so anfahren können, dass sie genau parallel dazu stehen. „Beim 18 Meter langen Gelenkbus hat es erst im zweiten Anlauf geklappt“, sagte Martina Koch, Verkehrsplanerin der Stadt Hofheim. Die Fahrer müssten sich erst an die neuen Bedingungen gewöhnen.

          Es sei gar nicht so leicht gewesen, einen Platz für den Test zu finden, sagte Exner. Im Hochheimer Rathaus hätten die Kollegen die Anfrage aus Hofheim zunächst für einen Scherz gehalten, sagte Bürgermeister Dirk Westedt (FDP). Aber natürlich helfe man gern. Zumal sich der Praxisversuch lohnt. „Für den geplanten Umbau des Bad Sodener Busbahnhofs haben wir das voriges Jahr in Neuenhain gemacht“, sagte Hartmann. Dadurch hätten sich kleinere Korrekturen ergeben.

          In Bad Homburg stellte sich vor zweieinhalb Jahren erst während der Bauarbeiten am Bahnhofsvorplatz heraus, dass die Kurvenradien zu eng geplant worden waren. Der Verdacht des Leiters der Abteilung Straßenbau im Bad Homburger Rathaus bestätigte sich mit Hilfe eines Maßbands und bei Fahrversuchen auf dem Betriebsgelände. Zum Glück waren noch nicht alle Bussteige gebaut, einige mussten nachträglich um einen Meter verlängert werden. Eine Blamage bei der Eröffnung konnte sich die Stadt aber ersparen.

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