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Deutschlands jüngster Bischof : Aus dem Breisgau nach Osthessen

  • -Aktualisiert am

Guter Draht zu jungen Menschen: Michael Gerber Bild: dpa

Das hat Michael Gerber mit seinen Vorgängern Dyba und Algermissen gemeinsam: Auch der neue Fuldaer Bischof stammt nicht aus der Region.

          Wird es zur Tradition, dass das Bistum Fulda seine Bischöfe nicht mehr selbst hervorbringt und sie deshalb „importiert“? 1983 entschied sich das Domkapitel für den im afrikanischen Monrovia in Liberia wirkenden Papstdiplomaten Johannes Dyba. Nach dessen plötzlichem Tod berief das Domkapitel im Jahr 2000 den Paderborner Weihbischof Heinz Josef Algermissen nach Fulda. Seit Algermissens altersbedingter Emeritierung im Juni dieses Jahres leitet der 64 Jahre alte Weihbischof Karlheinz Diez als Diözesan-Administrator das Bistum – doch als Algermissens Nachfolger kommt nun der 48 Jahre alte Weihbischof Michael Gerber aus Freiburg. Setzen das Domkapitel oder der Vatikan darauf, ein neuer Bischof von außen sorge eher für Aufbruch und Motivation?

          Vielleicht erweist es sich aber auch als fatal, dass das Konkordat von 1929 zwischen dem Freistaat Preußen und dem Heiligen Stuhl in einem wichtigen Detail vom Konkordat zwischen dem Land Baden und dem Vatikan von 1933 abweicht. Denn im Gegensatz zu diesem zwingt es – darauf weist der Fuldaer Bistumssprecher Christoph Ohnesorge ausdrücklich hin – die römische Bischofskongregation nicht, zumindest einen Priester aus der Diözese Fulda auf die „Terna“ zu nehmen. Diese Liste kommt aus Rom und nennt drei Namen, die der Kurie genehm sind; aus ihnen darf, aber auch muss das Domkapitel den Bischof wählen. Die Bischofskongregation des Vatikans könnte also alle Personalvorschläge des Fuldaer Domkapitels ganz legal ignoriert haben, so verfuhr sie auch 2014 vor den Wahlen der neuen Erzbischöfe von Freiburg und Köln. In den Fällen Fulda und Köln könnte die Bischofskongregation mit ihrem Nein zu den Vorschlägen des Domkapitels sogar auch über alle anderen Kleriker der beiden Bistümer den Daumen gesenkt und keinen einzigen von ihnen auf die Terna genommen haben.

          Vertrauen schaffen

          Bistumssprecher Ohnesorge wollte oder konnte gegenüber der in Freiburg erscheinenden „Badischen Zeitung“ nicht sagen, welche Personalvorschläge das Domkapitel von Fulda dem Apostolischen Nuntius Nikola Eterovic übermittelt hat. Also auch nicht, ob und wenn ja welche Kleriker es als „eigene“ Wunschkandidaten genannt hat und ob sich auf dem Brief an den Nuntius in Berlin Namen aus dem deutschen Episkopat befunden haben, etwa der des Freiburger Weihbischofs Michael Gerber. Sicher ist jedoch, dass der Vatikan an Gerber Gefallen gefunden, ja ihn vielleicht sogar favorisiert hat. Denn das Domkapitel hätte den Theologen nicht wählen können, wenn sein Name nicht auf der Terna gestanden hätte. Als jüngster der 27 deut-schen Bischöfe wird Gerber auch Gastgeber der Herbstvollversammlungen der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda.

          Mit dem 2007 in Theologie promovierten Priester gewinnt Fulda einen Oberhirten, dem im ergrauten, pastoral wenig inspirierend wirkenden und vom Missbrauchsskandal besonders beschädigten deutschen Episkopat seit langem Perspektiven bescheinigt werden. Die Chefetage des Freiburger Ordinariats mutmaßte seit September, „dass Gerber in Fulda eine Chance haben könnte“. Als das Freiburger Domkapitel 2014 den 52 Jahre alten Domkapitular Stephan Burger zum Erzbischof wählte, reagierte Gerber mit der Bemerkung, er werde „noch 30 Jahre Weihbischof sein“. Doch nun gelten die Wahl des hochgewachsenen, asketisch schlanken, bescheiden auftretenden und doch selbstbewussten Priesters zum Bischof von Fulda und seine Ernennung durch Papst Franziskus nicht nur im Freiburger Klerus längst nicht mehr als Überraschung.

          Erster Freiburger Weihbischof seit 1829

          Dabei ist Michael Gerber seit 1829 der erste Freiburger Weihbischof, der in einer anderen deutschen Diözese Karriere macht. Er stammt aus dem mittelbadischen Städtchen Oberkirch und studierte in Freiburg und an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Er spricht neben Englisch Italienisch und aus seinem Engagement in Bolivien und in Chile auch Spanisch. Nach seiner Priesterweihe 1997 und drei Jahren als Vikar wurde er Seelsorger der Katholischen Hochschulgemeinde Freiburg, 2001 Vorsteher des Priesterseminars „Collegium Borromaeum“ und 2011 dessen Regens. 2013 ernannte ihn Papst Franziskus zum Weihbischof.

          Michael Gerber zählt zur „Schönstatt-Gemeinde“, die ganz besonders Maria verehrt. Vielfach gelobt wird sein guter Draht zu jungen Menschen. Auch deshalb wird er Erzbischof Stephan Burger „als Weihbischof künftig leider fehlen“. Aber Burger freut sich für die Diözese Fulda, sie werde „wieder einen Bischof haben, der mit viel Engagement, Freude und theologischer Kompetenz die Frohbotschaft den Menschen nahebringen und die Wege mit seiner neuen Diözese in die Zukunft gehen und sie gestalten wird“.

          Dabei erinnert die „Translozierung“ Gerbers von Freiburg nach Fulda an die Wahl des Fuldaer Bischofs Georg Ignaz Komp 1898 zum Erzbischof von Freiburg. Seine Wahl durch das Freiburger Domkapitel war von Papst Leo XIII. umgehend bestätigt worden. Fulda zählte bis 1929, als das Bistum der Kirchenprovinz Paderborn angegliedert wurde, zur 1821 errichteten Oberrheinischen Kirchenprovinz mit dem Freiburger Erzbischof als Metropoliten. Doch Georg Ignaz Komp hat seine neue Diözese nie erblickt. Er erlag, 70 Jahre alt, auf dem Weg zur Amtsübernahme in Freiburg, die tags darauf hätte stattfinden sollen, am 11. Mai 1898 im Palais seines Bischofskollegen Paul Leopold Haffner in Mainz einem Schlaganfall.

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