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Neue Vergabekriterien : Frankfurt will um IAA kämpfen

Schöne Erinnerungen: Besucher auf der IAA Mitte September in Frankfurt. Bild: Lucas Bäuml

Der Automobilverband will mit einer Ausschreibung klären, wo die IAA in Zukunft stattfinden soll. Die Bewerberstädte sollen ein neues Konzept für die Automesse entwickeln.

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          Die Stadt Frankfurt sieht gute Chancen, die Internationale Automobil-Ausstellung auch künftig auszurichten. „Die IAA gehört zu Frankfurt“, sagte gestern Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). Die Stadt bewältige jeden Tag erhebliche Pendlerströme, sie sei erfahren in der Ausrichtung der Großveranstaltung. Zudem gelte: „Wir können auch Zukunft.“ Gemeinsam mit der Industrie ließen sich in Frankfurt neue Entwicklungen der Mobilität zeigen. Die Stadt biete außer dem Messegelände zahlreiche urbane Orte, die sich für eine Ausweitung der IAA eigneten, zum Beispiel das Mainufer, das Stadion und große innerstädtische Plätze, erläuterte der Stadtrat weiter. Ein Trumpf sei zudem Deutschlands größter Flughafen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Wirtschaftsdezernent reagierte damit auf die Nachricht, dass der Verband der Automobilindustrie als Veranstalter der IAA mit einer Ausschreibung klären will, wo diese Veranstaltung in den nächsten Jahren stattfinden soll. Dabei verlangt der Verband von den Bewerberstädten, das Konzept der Schau von einer reinen Automesse zu einer Mobilitätsplattform weiter zu entwickeln. Dem Verband zufolge haben sich neben Frankfurt schon Berlin, München, Köln, Hamburg und Stuttgart beworben, mit weiteren Kandidaten sei man im Gespräch, hieß es weiter.

          Ein Verbandssprecher sagte gestern, Frankfurt sei weiterhin im Rennen, habe aber trotz seiner Tradition – die IAA findet seit 1951 in der Stadt statt – keinen Startvorteil gegenüber den Konkurrenten. Die Entscheidung darüber, ob die IAA 2021 am Main bleibt oder in eine andere Metropole zieht, soll im ersten Quartal 2020 fallen.

          Neues Konzept: Kommunen im Mittelpunkt

          Bei den Kriterien für die Vergabe der IAA rücken die Kommunen stärker in den Mittelpunkt als bisher. „Die IAA wird raus aus den Messehallen und in die Städte gehen“, sagte VDA-Präsident Bernhard Mattes. Künftig sollen in den Innenstädten zum Beispiel Teststrecken für Probefahrten entstehen. So sollen die Besucher die Autos nicht mehr nur wie bisher vor allem betrachten, sondern neue Technologien, Antriebe und Modelle auch ausprobieren können. Ein Sprecher des Verbands sagte gestern, die Vergabe werde sich künftig sicherlich nicht mehr an der Zahl der Quadratmeter in Messehallen orientieren. Vielmehr sei es wichtig, zum Beispiel wichtige Straßen und Plätze der Stadt für die Messe zu sperren, zum Beispiel den Opernplatz.

          Von der Messe Frankfurt hieß es gestern lediglich, der Konzern werde in den nächsten Tagen das Vorgehen mit seinen Gesellschaftern, der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen, abstimmen. Nach Informationen dieser Zeitung hat die Messegesellschaft dem VDA allerdings schon vor längerer Zeit ein Konzept für eine Mobilitätsmesse präsentiert, das den gestern vom Automobilverband veröffentlichten Vorgaben in etwa entspricht. Das gilt vor allem für die Ausweitung der IAA in die Innenstadt. Die Messegesellschaft ist überdies bereit, zum Mitveranstalter der Automobilschau zu werden. Bisher wird sie allein vom Branchenverband ausgerichtet, die Messe vermietet lediglich die Hallen an den VDA.

          Im Oktober waren Vertreter des Automobilverbands im Frankfurter Römer mit Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Messe-Geschäftsführer Uwe Behm und IHK-Präsident Ulrich Caspar zusammen getroffen. Dabei hatte VDA-Geschäftsführer Martin Koers hervorgehoben, die Entscheidung über den Standort hänge auch davon ab, inwieweit der neue Ansatz von der jeweiligen Stadt nachhaltig unterstützt werde.

          Kernstück der neuen IAA soll dem Verband zufolge eine Erlebnisachse zwischen der Ausstellung auf dem Messegelände und einem zentralen Platz in der Stadt sein. Dabei solle auch neue städtische Infrastruktur wie Wasserstofftankstellen und Ladesäulen für Elektrofahrzeuge eingebunden werden. Der VDA erwartet von den Kommunen neben der Bereitstellung von Flächen auch ein Kosten- und Ertragsmodell sowie Kapazitäten von Verwaltungsmitarbeitern und die Bereitschaft für Investitionen, zum Beispiel für Teststrecken von autonom fahrenden Autos und für Ladestationen.

          VDA-Präsident Mattes sagte, die IAA solle künftig über die Zeit der Veranstaltung hinauswirken. „Mit dem Abbau der Stände ist nicht alles vorbei.“ Im besten Falle soll die Automesse den Anstoß für die Etablierung neuer Konzepte und Testfelder in der jeweiligen Stadt sein. Feldmann, der Aufsichtsratsvorsitzender der Messe Frankfurt ist, war am 22. November nicht für eine Stellungnahme zur Ausschreibung der IAA zu erreichen.

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