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Offenbacher Mainufer : Main-Brücke am Isenburger Schloss

Geplante Flussüberquerung: Vom Isenburger Schloss in Offenbach zum Fechenheimer Mainbogen. Bild: Rainer Wohlfahrt

Noch gibt es sie nicht, doch Offenbach will die Rad- und Fußgänger-Verbindung in ein Bundesförderprogramm aufgenommen sehen.

          3 Min.

          Spaziergänger flanieren bei schönem Wetter in Offenbach entlang dem Main. Am Isenburger Schloss wechseln sie über eine neue Brücke zum Frankfurter Ufer, um die Tour im Erholungsgebiet des Fechenheimer Mainbogens fortzusetzen. Auch etliche Radfahrer wissen die direkte Verbindung von der Offenbacher Innenstadt über den Fluss, ohne den Umweg über die weiter westlich gelegene Carl-Ulrich-Brücke, zu schätzen.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Zukunftsmusik? Tatsächlich überquert heute noch keine Brücke für Fußgänger und Radler am Isenburger Schloss den Main. Die Idee, ein solches Bauwerk zu errichten oder eine Personenfähre an dieser Stelle vorzusehen, entstand mit dem Offenbacher Masterplan, den das Frankfurter Architektur- und Planungsbüro Albert Speer & Partner erarbeitete.

          Brücke würde circa 3 Millionen Euro kosten

          Von März bis Dezember vergangenen Jahres lief dazu ein Beteiligungsprozess, in den sich auch die Bürger einbringen konnten. Der Plan soll einen „strategischen Rahmen für die Stadtentwicklung der nächsten 15 Jahre“, also bis ins Jahr 2030, schaffen. Die Offenbacher Stadtverordneten stimmten im vergangenen Februar zu. Fähre oder Brücke? Die Verbindung über den Main steht auf einer Liste von Schlüsselprojekten des Masterplans, die die Stadt nach und nach aufgreifen und planerisch vertiefen will. Die Fähre soll kurzfristig eingerichtet, die Brücke langfristig geprüft werden.

          Möglicherweise geht das schneller als gedacht: Am Donnerstag vergangener Woche stimmten die Stadtverordneten mit großer Mehrheit einem von Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) eingebrachten Antrag zu, wonach die Stadt die Aufnahme der Rad- und Fußgängerbrücke in das Bundesförderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ beantragen soll. Die Kosten für eine zunächst nötige Machbarkeitsstudie werden auf etwa 380.000 Euro geschätzt. Für den Bau der Brücke dürften etwa drei Millionen Euro zu investieren sein. Ökologische Ausgleichsmaßnahmen werden mit einer weiteren Million Euro zu Buche schlagen. Bei Städten in Haushaltsnotlage, was auf Offenbach zutrifft, fördert der Bund solche Projekte mit 90 Prozent, sofern die Jury die Aufnahme in das Programm befürwortet. Die Jury tagt noch in diesem Monat. Daher war Eile geboten: Ein später nachgereichter Stadtverordnetenbeschluss könnte als Ausschlusskriterium gewertet werden.

          Neues Wahrzeichen für die Stadt

          Im 19. Jahrhundert gab es schon einmal eine Pontonbrücke, die östlich des Isenburger Schlosses über den Main führte und die Offenbacher Altstadt mit Frankfurt-Fechenheim verband. Über die Carl-Ulrich-Brücke fahren vor allem Autos; für Fußgänger und Radler sei diese Verbindung wenig einladend, heißt es in der städtischen Projektbeschreibung für das Förderprogramm. Der Masterplan betrachte eine neue Rad- und Fußwegeverbindung auf der Achse der früheren Brücke als Chance, die Offenbacher Innenstadt aufzuwerten. Dort gebe es nur wenig Grün; man könnte den Freiraum nördlich des Mains als Ausgleichs- und Erholungsraum für die Stadtbevölkerung gewinnen. Über die neue Verbindung und die schon bestehende Brücke zwischen Bürgel und Fechenheim könnte ein interessanter Rundweg entwickelt werden. Mit der Brücke am Isenburger Schloss solle ein „neues Wahrzeichen“ für die Stadt entstehen und das Zusammenwachsen von Offenbach und Frankfurt verdeutlichen. Dem Zeitplan zufolge wäre im vierten Quartal 2016 ein Kooperationsvertrag zwischen Offenbach und Frankfurt zu beschließen. Anschließend würden die Bürger am Verfahren beteiligt. Von Januar bis Dezember 2018 könnte das Genehmigungsverfahren laufen und der Brückenbau von Januar 2019 bis Juni 2020 folgen.

          Im Koalitionsvertrag der neuen Offenbacher Mehrheit aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern heißt es, man werde den Masterplan als wichtige Grundlage für die Entwicklung der Stadt in die Arbeit einbeziehen. Die Koalition will alle Förderprogramme in Anspruch nehmen, bei neuen Projekten aber nicht nur auf die Investitionskosten, sondern auch auf die Folgekosten schauen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Freier hob am Donnerstag hervor, das Projekt habe „hohe Attraktivität“. Man müsse aber genau abwägen, was notwendig und was „Sahnehäubchen obendrauf“ sei. Die Brücke gehöre zur zweiten Kategorie.

          Nach dem Willen der Koalition soll zunächst nur eine Machbarkeitsstudie erarbeitet werden. Beschlüsse für mögliche weitere Verfahrensschritte müssten Magistrat und Stadtverordnete frühzeitig fassen. Grundvoraussetzung dafür sei, dass der städtische Haushalt in keiner Weise finanziell belastet werde. So müssten sowohl der Offenbacher Anteil als auch mögliche Mehrkosten von Dritten übernommen werden. Die Koalition legte eine entsprechende Änderung zu Schneiders Antrag vor, der die Stadtverordneten mit großer Mehrheit zustimmten.

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