https://www.faz.net/-gzg-7r79j

Neue Taxi-App Uber : Der Taxi-Schreck hat noch seine Tücken

  • -Aktualisiert am

Statt Taxi: Der Fahrer von Uber kommt mit dem Privatwagen vorgefahren. Bild: Helmut Fricke

Wer in Frankfurt von A nach B will, kann seit kurzem die App Uber nutzen, anstatt ein offizielles Taxi zu rufen. Das ist meistens billiger, braucht aber etwas Geduld. Die Rechtslage ist umstritten.

          Die Fahrt zum Flughafen geht richtig in die Hose. Zuerst startet der Fahrer in die falsche Richtung: Vom Dormero-Hotel an der Frankfurter Messe will er zur Rushhour um 18 Uhr quer durch die Stadt zum Airport fahren und verfranst sich direkt in der Baustelle am Skyline Plaza. Nach der Bitte, doch lieber die Autobahn zu nehmen, verpasst er erst die Ausfahrt am Westkreuz und will dann nicht etwa einfach an der nächsten Ausfahrt Rödelheim umdrehen, sondern fährt unbeirrt auf einen Stau zu, der sich kurz dahinter abzeichnet. Ohne Interventionen des Gastes hätte die Fahrt wohl noch wesentlich länger gedauert – mit den Hinweisen vergehen trotz eigentlich freier Strecke 37 Minuten zwischen der Bestellung bei dem neuen Fahrdienst Uber und der Ankunft am Terminal 1.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Uber – der Begriff hat binnen kurzer Zeit eine ganze Branche aufgescheucht. Taxifahrer in Berlin, Paris und London haben schon gestreikt und Straßen blockiert, um gegen die neue Konkurrenz aus dem Smartphone zu demonstrieren. Seit Anfang Juni bietet das amerikanische Start-up auch in Frankfurt über eine Handy-App Fahrten von A nach B an und verspricht vor allem günstigere Preise. Denn statt eines offiziellen gelben Taxis kommen nach dem Uber-Ruf in der Kategorie Pop Privatleute, die die Fahrt als eine Art innerstädtische Mitfahrgelegenheit anbieten. Es gelten nicht die städtischen Tarife – 2,80 Euro Grundpreis plus 1,75 Euro für jeden der ersten zwölf gefahrenen Kilometer. Der Uber-Tarif setzt sich zusammen aus einem Euro Grundpreis plus einem Euro je Kilometer und 25 Cent je Minute.

          Sich zu finden, dauert eine Weile

          Bei mehreren verdeckten Testfahrten innerhalb Frankfurts war tatsächlich Uber stets billiger als das Taxi auf derselben Strecke. Selbst nach der Irrfahrt zum Flughafen stehen am Ende 27 Euro auf dem Display, was mit dem Taxi schon bei direktem Weg ein guter Preis ist. Gezahlt wird bei Uber nicht bar im Fahrzeug, der Preis wird von der in den Nutzerdaten hinterlegten Kreditkarte oder über das Online-Zahlsystem Paypal abgebucht. Bei der Flughafenfahrt setzt Uber den Preis im Nachhinein sogar auf 23 Euro herunter, weil die Zentrale nachverfolgen kann, wenn ein Fahrer Umwege gefahren ist.

          Uber bleibt umstritten

          Die Rückfahrt in die Stadt mit einem anderen Uber-Fahrer kostet sogar nur 18 Euro. Allerdings brauchen Fahrer und Passagier in dem Fall eine ganze Weile, um sich zu finden. Die App zeigt zwar an, dass der Fahrer da ist, sein Fiat Scudo ist aber nirgendwo zu sehen. Nach einer Weile stellt sich heraus, dass er auf der Ankunftsebene wartet, während der Fahrgast obendrüber auf der Abflugebene steht – solche Feinheiten kann die App nicht unterscheiden. Ansonsten ist an den Strecken, die die anderen getesteten Fahrer nehmen, nichts auszusetzen. Alle Fahrzeuge sind neu und sauber.

          Legalität von Uber umstritten

          Eine Testfahrt führt von der U-Bahn-Station „Leipziger Straße“ zum Mousonturm. Die App ortet den Fahrgast auf einer Karte, und mit einem Klick kann er ein Fahrzeug anfordern. Auf dem Bildschirm erscheint ein Foto von „Michael“, der in sechs Minuten mit seinem Seat da sein soll. Vom Kennzeichen werden die letzten beiden Ziffern gezeigt, damit man sich auch erkennt. Auf einer Karte sieht man, wo er gerade ist. Statt der angekündigten sechs Minuten braucht er allerdings eine Viertelstunde. Bei anderen Versuchen bekommt der Tester auch schon einmal den Hinweis, dass gerade kein Fahrzeug verfügbar sei.

          Digitaler Mittler: Die Aufträge erhält er über die App auf dem iPhone.

          Michael ist ein netter Familienvater. Er berichtet, dass er Hausmann ist und den Fahrjob zur Abwechslung mache, während die Kinder im Kindergarten sind. Den Mousonturm kennt er nicht, er braucht die Adresse, um sie im Navi eingeben zu können. Nach zwanzig Minuten ist das Ziel erreicht. Elf Euro zeigt die Uber-App, die Michael seinerseits auf dem Smartphone hat. Das gelbe Taxi für den gleichen Weg zurück – ein alter VW mit speckigen Plastiksitzen – braucht 18 Minuten und berechnet 13,40 Euro.

          Ob Uber legal operiert, ist umstritten. Schließlich gibt es ein Personenbeförderungsgesetz, wonach für die entgeltliche und geschäftsmäßige Beförderung von Personen eine spezielle Genehmigung benötigt wird.

          Fahrer braucht Führungszeugnis

          Chris Bates, der zusammen mit zwei Kollegen von der Mainzer Landstraße aus Uber in Frankfurt zum Laufen bringen soll, hält sich mit solch trockenen Begriffen nicht lange auf. „Das Gesetz wurde geschrieben, bevor es das Internet, GPS und Smartphones gab“, sagt er. „Damals war unser Angebot noch gar nicht denkbar.“ Dass die Fahrgäste nicht ausreichend versichert seien, lässt er nicht gelten. Es gebe eine Extraversicherung für alle Uber-Kunden, sagt er. Details dazu sind aber weder von ihm noch in den Geschäftsbedingungen des Unternehmens zu erfahren. So müsste wohl die normale Haftpflichtversicherung des Fahrers einspringen, sollte ein Fahrgast bei einem Unfall zu Schaden kommen.

          Uber sieht sich vor allem als Anbieter einer Vermittlungs-App. „Die Fahrer sind nicht bei uns angestellt“, betont Bates. „Sie machen es in ihrer Freizeit und nutzen nur unser System, um an Aufträge zu kommen.“ Uber achte nur darauf, dass die Fahrer die Voraussetzungen erfüllten: So müssen sie mindestens 21 Jahre alt sein, ein tadelloses polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, und das Auto darf nicht älter als neun Jahre sein.

          Bates, der vor seinem Wechsel zu Uber sieben Jahre lang für die amerikanische Armee in Wiesbaden und Kaiserslautern stationiert war, sieht Uber in einer Reihe mit Carsharing und den Internetportalen, wo Privatleute ihre Wohnungen zum Übernachten anbieten. „Wir sind Teil der großen Shared Economy, der Stadt der Zukunft“, findet er. Wie viele Nutzer Uber in Frankfurt schon hat, will er nicht sagen. Und auch die Zahl der Fahrer oder auch wie viele Fahrten in der Woche gebucht würden, bleibt Betriebsgeheimnis. Nur so viel: Es werden jeden Tag mehr. Und mit dieser freien Entscheidung von immer mehr Kunden wischt der Uber-Manager auch rechtliche Bedenken beiseite. „Die Leute lieben es.“

          Weitere Themen

          Tornado? Eher eine Superzelle!

          Mehrere Verletzte in Südhessen : Tornado? Eher eine Superzelle!

          Augenzeugen meinen, ein Tornado sei Teil des Unwetters über Südhessen am Sonntag gewesen. Der Wetterdienst geht aber von etwas anderem aus, das zu 1000 Einsätzen der Feuerwehr führte. Das Verkehrschaos dürfte noch anhalten.

          Topmeldungen

          Berlin im Juli 2017: Überschwemmung auf der Märkischen Allee nach einem Unwetter

          Schwierige Stadtplanung : Schwamm drunter!

          Starkregen und Hochwasser bringen Städte immer wieder an ihre Grenzen. Sie müssen sich anpassen – denn der Klimawandel dürfte das Problem noch verschärfen.
          Olaf Koch, 49, ist seit sieben Jahren Vorstandsvorsitzender des Handelskonzerns Metro.

          Metro-Chef Koch im Interview : Ist Ihr Job noch sicher?

          Metro-Chef Olaf Koch hat eine feindliche Übernahme durch den tschechischen Milliardär Křetínský abgewehrt, doch die Probleme bleiben. Wie geht es mit dem Handelskonzern und ihm selbst weiter?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.