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Bis Ende des Jahres 2022 : Rund 2000 Stellen weniger am Finanzplatz Frankfurt erwartet

Dunkle Wolken: Auch der Finanzplatz Frankfurt bekommt die Corona-Folgen zu spüren. Bild: dpa

Die Folgen der Corona-Pandemie wirken sich auch auf die Beschäftigung am Finanzplatz aus. Experten rechnen mit einem Rückgang der Zahl der Arbeitsplätze – trotz Brexit.

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          Frankfurt als Sonderfall: Während die Zahl der Beschäftigten in Banken deutschlandweit schon seit Jahren konstant zurückgeht, hat sich der Finanzplatz Frankfurt diesem Trend in den vergangenen Jahren erfolgreich widersetzt. Seit 2014 stieg die Zahl der Arbeitsplätze im Finanzsektor am Main um sechs Prozent auf knapp 65.000 Stellen an. Vor Ausbruch der Corona-Pandemie hatten die Volkswirte der Hessischen Landesbank Helaba damit gerechnet, dass sich dieser Aufschwung noch einige Jahre lang fortsetzen wird. 

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch nun haben die Experten der Landesbank ihre jüngsten Prognosen angepasst. Das hat vor allem mit der Corona-Krise zu tun, in der die Stimmung am Finanzplatz von hoher Unsicherheit und vielen Risiken geprägt ist. Keiner kann derzeit einschätzen, wie lange die Pandemie die Weltwirtschaft noch schwächen wird, und keiner kann demnach vorhersagen, zu welchen Kreditausfällen es bei Banken kommen wird, die die Bilanzen der Häuser erheblich belasten dürften, mindestens in den Jahren 2020 und 2021, womöglich auch deutlich darüber hinaus. Die Experten der Helaba gehen nun davon aus, dass die Beschäftigung am Finanzplatz Frankfurt ihren Zenit überschritten hat: So wird die Zahl der Arbeitsplätze einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Helaba zufolge bis Ende des Jahres 2022 um rund 2000 Stellen schrumpfen. 

          Mittelfristig bleiben die Risiken hoch

          „Für die deutsche Bankenbranche ist die Pandemie ein weiterer Belastungsfaktor, der sich bald niederschlagen dürfte“, sagt Gertrud Traud, die Chefvolkswirtin der Helaba. Spätestens mit der wieder einsetzenden Insolvenzantragspflicht Anfang 2021 sei in Deutschland vermehrt mit Kreditausfällen zu rechnen. Daneben hätten Banken weiterhin mit niedrigen Zinsen, erheblichen Aufwendungen für die Digitalisierung sowie zur Bewältigung der Regulierungsauflagen durch die Bankenaufsicht zu kämpfen.

          Zwar sollten der Untersuchung zufolge die durch das Coronavirus hervorgerufenen Auswirkungen für die deutsche Finanzbranche insgesamt nach aktueller Einschätzung verkraftbar sein. Mittelfristig jedoch blieben die Risiken im nationalen wie internationalen Finanzsystem hoch, heißt es.

          Für den Finanzplatz Frankfurt hat das Folgen. Denn mit Blick auf den Arbeitsmarkt am deutschen Bankenzentrum führt das Team um Gertrud Traud und Studienautorin Ulrike Bischoff gegenläufige Effekte auf. Denn dass die Frankfurter Bankbeschäftigung in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist, liege vor allem am erhöhten Personalbedarf, der auf neue Regulierungsauflagen der Bankenaufsicht zurückzuführen ist, aber auch am Brexit.

          Schwieriges Umfeld für Banken

          Denn der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union hat in den vergangenen vier Jahren dafür gesorgt, dass sich zahlreiche internationale Banken in Frankfurt neu angesiedelt oder dort ihr Personal aufgebaut haben, um weiterhin innerhalb der Europäischen Union Geschäfte machen zu können. Beobachter sprechen davon, dass seit dem Brexit-Votum im Juni 2016 rund 3000 neue Arbeitsplätze auf diese Weise in Frankfurt geschaffen wurden, weitere dürften folgen. Insgesamt könnten zwischen 5000 und 7000 neue Stellen allein durch die Brexit-Folgen am Finanzplatz entstehen. 

          Und noch ein weiterer Grund hat dafür gesorgt, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Banker in Frankfurt gesucht wurden. Den Studienautoren zufolge nämlich hat Frankfurt von einem innerdeutsche Konzentrationsprozess in der Bankenbranche auf die Konzernzentralen profitiert, die überwiegend in Frankfurt zu finden sind.

          Demgegenüber steht jedoch ein herausforderndes Umfeld, das sich nicht zuletzt durch die Pandemie-Folgen auch auf Frankfurt auswirken wird. Hatte der Brexit-Effekt zuletzt etwa Beschlüsse zum Stellenabbau in großen Konzern wie der Commerzbank und der Deutschen Bank überkompensiert, so wird der Untersuchung zufolge die Beschäftigung am Finanzplatz bis Ende 2022 sinken, und zwar um rund drei Prozent gegenüber Anfang dieses Jahres. Und es könnte sogar noch heftiger kommen: Sollte im Rahmen der Entwicklung der Pandemie der ´Druck auf deutsche Unternehmen weiter wachsen, sei noch eine stärkere Konsolidierung in den Kreditinstituten zu befürchten, heißt es in der Studie abschließend. „In jedem Fall ist die Pandemie eine existenzielle Herausforderung, die merkliche Spuren in Frankfurt als bedeutendem europäischen FInanzzentrum hinterlässt.“

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