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Schule für Hochbegabte : Für Zappelphilipp und Störenfrieda

Schulgründerin: Die emeritierte Pädagogik-Professorin Anne Eckerle will Hochbegabten helfen. Bild: Frank Röth

Die Karl-Popper-Schule in Frankfurt richtet sich an Schüler mit einem IQ von mehr als 120. Vom nächsten Schuljahr an will sie 55 Kindern einen Gymnasialplatz bieten.

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          Klugen Menschen sei nie langweilig, lautet ein Kalenderspruch. Dass das nicht stimmt, weiß Anne Eckerle aus Erfahrung. Hochbegabten Kindern werde es im Unterricht schnell langweilig, wenn sie keine Erfolgserlebnisse hätten, sagt die Professorin im Ruhestand, die gerade eine neue Schule für Frankfurt plant. Ihre Idee: hochbegabte Kinder fördern, die in einer Regelschule keine Chance haben, ihr Potential zu entfalten.

          Theresa Weiß
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          In Hessen soll jedes Kind laut Gesetz „begabungsangemessen“ gefördert werden. Das sei in den herkömmlichen Schulen aber überhaupt nicht möglich – die Klassen seien zu groß, die Pädagogen überfordert und nicht alle Kinder, die das Gymnasium besuchen, seien für diese Schulform geeignet, sagt Eckerle. Die meisten Schulen orientierten sich am Mittelmaß. Hochbegabungen würden, ebenso wie Schwächen, oft ignoriert. Die Karl-Popper-Schule soll als Privatgymnasium einen anderen Weg einschlagen.

          Was hochbegabte Schüler mit schwachen gemein haben

          Anne Eckerle leitet die Planungsgruppe ehrenamtlich, wird selbst jedoch nicht Schulleiterin sein. Für diese Stelle wünscht sie sich jemand Jüngeres. Eckerle hatte die Professur für Lehrerbildung und den Lehrstuhl für Hochbegabtenförderung in Rostock inne. Nach der Pensionierung gründete sie Schulen, um Hochbegabten die Bildung zuteilwerden zu lassen, die sie ihrer Ansicht nach brauchen. Ihr neuestes Projekt ist die Karl-Popper-Schule, die im Gemeindehaus Am Bügel in Nieder-Eschbach eingerichtet werden soll.

          „Kinder haben Freude am Lernen, wenn sie eine Herausforderung bewältigen“, sagt Eckerle. Das schütte Endorphine aus und motiviere. „Nicht die fünf Euro, die sie für eine gute Note von Oma bekommen.“ Eine Herausforderung zu bewältigen bedeutet laut Eckerle, zuerst Angst zu haben, dass man die Aufgabe nicht schaffen könnte. Diese Angst müsse überwunden und die Aufgabe gelöst werden, dann stelle sich die Freude ein.

          Zwei Gruppen erlebten diesen Prozess nur selten – schwache Schüler und hochbegabte. Die schwachen Schüler würden nur die Angst kennen, fänden aber die Lösung nicht. Die überdurchschnittlich guten Schüler empfänden keine Angst, denn für sie sei die Lösung unmittelbar evident, sagt die Pädagogin. Da die Schüler nie das Gefühl hätten, eine Aufgabe zu meistern, fehle ihnen bald jede Motivation, im Unterricht aufzupassen oder still zu sitzen.

          Die drei Phasen des Lernens

          ADHS sei eine häufige Begleiterscheinung von Hochbegabung. Daher möchte Eckerle mit der Popper-Schule den Kindern die Möglichkeit geben, in einem für sie passenden Rahmen zu lernen. Ohne feste Klassen, dafür mit dem Fokus auf Selbstorganisation und Persönlichkeitsförderung. In den klassenübergreifenden „Stammgruppen“ werden zum Beispiel die Stufen fünf und sechs zusammengefasst. Der Lehrplan orientiert sich streng an den staatlichen Vorgaben, Prüfungen werden zentral geschrieben, auch das Abitur. Die Schüler entscheiden aber selbst, wie schnell sie die Themen bearbeiten.

          Das Lernen ist in drei Phasen geteilt. Zuerst gibt es neue Informationen, ein Thema wird vorgestellt, etwa Integralrechnung. In der zweiten Phase beschäftigen sich die Kinder einzeln mit dem Thema, lösen Aufgaben in ihrem Tempo und bekommen individuelle Unterstützung von den Lehrkräften. In der dritten Phase sollen die Kinder „forschend arbeiten“: Die Lerninhalte werden in Experimenten, Debatten oder Projekten in Handeln umgesetzt. Ein breites Angebot an anspruchsvollen Zusatzaufgaben soll die Lernsequenz abrunden, die je nach Thema ein bis drei Wochen dauern kann.

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