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Neue Schlaganfall-Therapie : Elektrische Impulse ermöglichen das Laufen

Kassen erstatten Leihgebühr - bei Erfolg

Bislang konnten die Geräte nur in Kliniken zur Therapie eingesetzt werden. Erst seit dem vergangenen Jahr gebe es eine sogenannte Hilfsmittelnummer, die es ermögliche, die Geräte auf Rezept zu verschreiben, sagt Wittlich. Wenn die Behandlung erfolgversprechend sei, übernähmen die Krankenkasse, die Leihgebühren. In diesem Jahr solle zudem ein neues Gerät auf den Markt kommen, das für die Patienten leichter zu handhaben sei. Statt die Elektroden einzeln aufzukleben, könnten sie dann einfach eine Manschette ums Bein legen.

Wie die leitende Physiotherapeutin Anke Hölper berichtet, wird an der Median Klinik einmal in der Woche eine Spezialsprechstunde angeboten. Ihr Team von 25 Therapeuten schlage vor, wer für die Neurostimulation in Frage komme. Sie müssten stehen und das Gleichgewicht halten können, außerdem müsse ihr Fußgelenk frei beweglich sein. Von der Therapie profitierten keineswegs nur junge Menschen wie Schweininger, auch ältere kämen dafür in Frage.

Etwa vier bis sechs Patienten mit Fußhebeschwäche probierten derzeit das Gerät aus. Schon zehn Patienten wurden mit eigenen Geräten ausgestattet, wie Wittlich berichtet. Sie seien komfortabler und hätten weniger Nebenwirkungen als die stützenden Schienen, auf die viele Patienten andernfalls angewiesen seien, sind sich Ärzte und Therapeuten einig. Die sogenannten Orthesen verursachten häufig Schmerzen und Druckstellen.

Acht Elektroden zu setzen

Nach Angaben von Lutz Weise, Neurochirurg an der Uniklinik in Frankfurt, können maximal 20 Prozent der Schlaganfallpatienten von der Neurostimulation profitieren. In Frage komme die Behandlung für jene mit Wernicke-Mann-Parese, einer halbseitigen Lähmung, bei der die Betroffenen das Bein beim Gehen drehten und deren Fuß nach unten hänge. Nachdem die Wirkung mit einem tragbaren Gerät getestet wurde, setzt Weise seinen Patienten Impulsgeber und Elektrode bei einer Operation ein. Von einem externen Gerät aus und über den Fersenschalter werde gesteuert. In Frankfurt werde die Operation seit zwei Jahren angeboten; bisher habe er etwa fünf Implantate im Jahr gesetzt. Es habe sich gezeigt, dass den Patienten das Aufkleben der Elektroden zu kompliziert sei und sie deshalb die älteren Geräte auf Dauer nicht nutzten, berichtet Weise.

Schweininger ist zuversichtlich, dass er das Kleben der Elektroden auch alleine bewältigt. Langfristig möchte er jedoch auch ein Implantat, das ihm das Laufen erleichtert. Mindestens drei Monate lang sollte er zuvor jedoch das tragbare Gerät getestet haben, sagt Hölper.

Für einen gelähmten Arm gibt es noch kein vergleichbares Hilfsmittel. Die Bewegungen des Armes seien viel komplexer, erklärt Hölper. Die Neurostimulation werde in der Bewegungstherapie zwar auch eingesetzt, um Muskeln zu lockern und anzuregen. Dafür müssten allerdings acht Elektroden gesetzt werden. Nicht nur die umständliche Handhabung spreche gegen ein Gerät für den täglichen Gebrauch. Die Bewegungen des Armes seien auch nicht so mechanisch wie die Laufbewegung. Ein einfaches Heben und Senken reiche hier halt nicht aus.

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