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Karstadt-Areal in Mainz : Lange Leidenszeit an der Ludwigsstraße

In die Jahre gekommen: das Karstadt-Areal in der Mainzer Altstadt. Für den geplanten Neubau müssten die kleinen Plätze und Pavillons rechter Hand der Ludwigsstraße weichen. Bild: Bauamt Stadt Mainz

Mancher sieht in der Mainzer Ludwigsstraße eine Abfolge „toter Plätze und Pavillons“. Damit eng verbunden ist der Umbau des Karstadt-Areals - der lässt auf sich warten. Nun gibt es neue Pläne.

          Die schier unendliche Geschichte der umzugestaltenden Ludwigsstraße, an der seit gut zwei Jahrzehnten ein neues Einkaufszentrum entstehen soll, ist um ein Kapitel reicher: Jetzt werben gleich zwei potentielle Investoren bei der Stadt gemeinsam für ihre Ideen. Außer der seit Jahren am umstrittenen Großprojekt „Shopping Mall“ beteiligten Hamburger ECE GmbH legt sich auch die Ingelheimer J. Molitor Immobilien GmbH ins Zeug, um an der „Lu“ mehr Platz für Handel zu schaffen.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Anfang Mai haben Vertreter beider Unternehmen, die getrennt voneinander Vorhaben planen, aber vereint dafür streiten, die Stadtratsfraktionen besucht, um die Kommunalpolitiker zu überzeugen. Demnach soll der alte Karstadt-Komplex durch ein Geschäftshaus mit vergleichbarer Fläche ersetzt werden, das man näher zur Ludwigsstraße hin verschieben möchte. Vorausgesetzt, dass man sich mit dem Mieter Karstadt einige, ließe sich das rund 75 Millionen Euro teure Vorhaben wohl in weniger als zwei Jahren realisieren, sagte ein ECE-Sprecher. Das dazugehörige Parkhaus soll dagegen - „ansprechend hergerichtet“ - bleiben.

          Eine Abfolge „toter Plätze und Pavillons“

          Das als Deutsche-Bank-Haus bekannte Eckgebäude an Ludwigsstraße und Weißliliengasse könnte dann ebenfalls etwas vorgezogen werden, sagte Molitor-Geschäftsführer Dirk Gemünden: „So wie es in den vom Stadtrat verabschiedeten ,Leitlinien für die Lu‘ vorgesehen ist.“ Während das neue Geschäftshaus mit fünf Etagen auf bis zu 18 Meter Höhe käme, bliebe der Vorbau auf maximal zwölf Meter beschränkt. Die Stadt habe gesagt, dass sie sich, „so wie früher“, einen beidseitig von Häusern gefassten Boulevard wünsche und man den Handel in Mainz beleben möchte. Einzelne Freiflächen könnten laut Gemünden eventuell ja geschaffen werden. Allerdings müsse sich Mainz entscheiden, ob die Ludwigsstraße eine Ia-Einkaufsadresse oder ein Platz für Volksfeste wie die Fastnacht sein solle.

          Für den von der J. Molitor GmbH und der Sparkasse Rhein-Nahe erworbenen Komplex in Richtung Schillerplatz sei auch eine reine Büronutzung vorstellbar, so der Geschäftsführer, der sich von weiteren Läden mit Schaufenstern eine Aufwertung der bisher weniger frequentierten Seite der Ludwigsstraße verspricht. Die vorhandene Abfolge „toter Plätze und Pavillons“ sei von den Bürgern nie angenommen worden. Laut den Investoren, die mit ihren Mietern, also Karstadt respektive Deutsche Bank, über deren langfristigen Pläne sprechen müssen, sollte die Stadt noch in diesem Jahr entscheiden und den Bebauungsplan auf den Weg bringen.

          „Chinesen Pavillion“ bis heute unverkäuflich

          Sowohl von der Stadtspitze, die noch über die gescheiterten Hamburger Projektentwickler verärgert wirkt, als auch von den Fraktionen, die sich vermutlich mehr erhofft hatten, gibt es keine offiziellen Äußerungen zu den neuen Plänen. Erste Bewertungen schwankten zwischen „nicht die Wucht“ und „besser als nichts“. Als positiv wird gewertet, dass der kleine Kaufhaus-Anbau an der Fuststraße dem Bistum zum Kauf angeboten wurde, um dort Wohnungen zu bauen. Es gebe „Gespräche und ein Nachdenken“ darüber, teilte das Bischöfliche Ordinariat mit. Das Domkapitel besitze außer der zum Verkauf stehenden Immobilie bereits ein anderes Wohnhaus.

          Lange Zeit hatte ECE versucht, diese beiden Objekte sowie den bis heute unverkäuflich gebliebenen „Chinesen Pavillon“ am Gutenbergplatz selbst zu erwerben und abzureißen, um in der Altstadt genügend Platz für eine mehr als 200 Millionen Euro teure „Shopping Mall“ zu schaffen. Unabhängig von Protesten scheiterte das Vorhaben daran, dass ECE nicht alle benötigten Grundstücke in seinen Besitz bringen konnte.

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