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Neue Kontonummern : Vorbereitungen auf Iban, die Schreckliche

Klingt harmlos, hat es aber in sich: die neuen SEPA-Kontonummern. Bild: dpa

Von Februar an gelten für jeden die neuen Sepa-Kontonummern. Vor allem Vereine und Unternehmen müssen sich auf die Umstellung vorbereiten.

          3 Min.

          Viele Unternehmen und Vereine in Frankfurt sind noch nicht ausreichend auf die Umstellung der Zahlungssysteme im Februar 2014 auf das neue Sepa-Verfahren vorbereitet. So liegt die Zahl der Kunden, die bei der Frankfurter Sparkasse schon ihre neue Gläubigeridentifikationsnummer angegeben haben, im „sehr niedrigen zweistelligen Prozentbereich“, wie ein Sprecher des Kreditinstituts sagt. „Wenn man die Zahl zum Maßstab nimmt, haben viele noch einiges zu tun.“

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Denn auch, wenn es lästig ist - um die Umstellung auf das neue System, das Europa zu einem einheitlichen Zahlungsraum, einer Single European Payment Area (Sepa) machen soll, kommt niemand herum. Der Vorteil: Eine Überweisung von Frankfurt nach Transsylvanien oder auch in den spanischen Urlaubsort soll dann genauso unkompliziert und schnell gehen wie eine nach Kelkheim.

          22 Stellen

          Doch Vereine, Unternehmen und alle anderen, die Mitgliedsbeiträge oder regelmäßige Zahlungen per Lastschriftverfahren einziehen, müssen bis dahin eine Gläubigeridentifikationsnummer von der Bundesbank bestellt und noch einige weitere Schritte unternommen haben, wenn sie das Geld weiter erhalten wollen. „Es reicht nicht, sich am 15. Januar mit dem Thema zu beschäftigen“, sagt der Fraspa-Sprecher.

          Privatleute werden die Umstellung vor allem an der neuen Kontonummer merken. 22 Stellen hat die dann geltende „International Bank Account Number“ (Iban). Kein Wunder, dass sie unter Bankern schnell einen passenden Beinamen erhalten hat: Iban, die Schreckliche.

          Mehr Informationen auf den Internetseiten

          Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass sie sich von den heute benötigten Angaben gar nicht so sehr unterscheidet, und man sich nur wenige neue Ziffern merken muss (siehe Grafik). Denn im Kern werden die bisherige Bankleitzahl und die Kontonummer hintereinander geschrieben. Neu sind nur eine Landeskennung - für Deutschland: DE - und zwei Prüfziffern, die sich über eine komplizierte Formel aus den übrigen Ziffern ergeben. Wie die eigene Kontonummer im neuen System aussieht, ist seit einigen Jahren auf den Kontoauszügen vermerkt.

          Die Banken und Sparkassen in der Rhein-Main-Region haben allerhand zu tun, um den Kunden zu erklären, was da auf sie zukommt. Die meisten haben ausführliche Informationen auf ihre Internetseiten gestellt. Wer sich unter der Adresse www.fraspa.de etwas durchklickt, findet dort auch einen „Iban-Rechner“, mit dem er seine eigene neue Kontonummer ermitteln kann. Die Taunus-Sparkasse lädt zu Informationsveranstaltungen am 21. August in Bad Homburg und eine Woche später in Hofheim. Viele andere Häuser haben ebenfalls Infoabende geplant.

          Keine Schonfrist für Vereine und Unternehmen

          Dabei ändert sich für Privatleute noch relativ wenig. Daueraufträge, etwa für die Zahlung der Miete, stellen sich nach Angaben des Fraspa-Sprechers von alleine auf das neue System um. Von Februar 2014 an wird es für Privatleute auch noch Übergangsfristen geben, in denen sie bei Überweisungen noch wie gehabt mit Kontonummer und Bankleitzahl hantieren können. Erst 2016 wird es ernst. Schon heute kann man mit der Iban statt der herkömmlichen Kontonummer Überweisungen erledigen. Um das Zahlenwirrwarr noch ein bisschen komplizierter zu machen, muss dabei aber bis Ende Januar 2014 noch die internationale Bankleitzahl BIC angegeben werden, die jede Bank in Europa eindeutig identifiziert. Vom 1. Februar an kann sie weggelassen werden.

          Für Vereine und Unternehmen gilt keine Schonfrist. Wer bis Februar nicht vorbereitet ist, riskiert, dass die Zahlungen per Lastschriftverfahren und Einzugsermächtigung nicht mehr bei ihm ankommen. Denn die müssen nun noch einmal mit den neuen Daten erneuert werden. Nach dem Erhalt der Gläubigeridentifikationsnummer von der Bundesbank muss nicht nur diese Zahl jedem Kunden mitgeteilt werden, sondern auch noch jedem eine individuelle Mandatsreferenznummer.

          Buchhaltung noch auf Papier

          So werden die Appelle der Banken langsam dringlicher. Die Hypovereinsbank hat kürzlich schon vor Firmenpleiten gewarnt, wenn die Unternehmen sich nicht rechtzeitig auf Sepa vorbereiten. Die Postbank hat noch einmal ausführlich auf die Umstellungen für Vereine hingewiesen. Eine Schritt-für-Schritt-Anweisung sowie die notwendigen Formulare gibt es auf www.bundesbank.de.

          Die Frankfurter Sparkasse hat Broschüren aufgesetzt und einen Artikel in der IHK-Zeitschrift veröffentlicht. Für den Herbst will sie noch eine Informationsveranstaltung für Vereine organisieren, wie der Sprecher sagt. Eine erste vor einigen Monaten habe gezeigt, wie groß der Informationsbedarf sei. Zumal manche Vereine ihre Buchhaltung derzeit noch auf Papier machten. Spätestens zur Sepa-Umstellung müssten die nun auf digitale Programme umsteigen, meint der Fraspa-Sprecher. „Wir haben schon von Schatzmeistern gehört, die seit 35 Jahren dabei sind, aber auf diese Umstellung nun keine Lust mehr haben.“

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