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Usingen : Neue Hoffnung für Zumtobel-Werk

Im Visier eines Investors: das Leuchtenwerk des österreichischen Konzerns Zumtobel in Usingen Bild: Cornelia Sick

Der börsennotierte Leuchtenhersteller Zumtobel will seine Fabrik in Usingen im Taunus loswerden. Doch es gibt neue Hoffnung: Ein österreichischer Unternehmer ist an der Übernahme interessiert.

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          Die 156 Beschäftigten der Leuchtenfabrik Zumtobel in Usingen dürften seit Freitag auf den Erhalt des Standorts hoffen. Der Vorstand und der Aufsichtsrat des börsennotierten Unternehmens aus Österreich sind mit einem Investor über den Verkauf des Werks im Hintertaunus im Gespräch. Dies geht aus einem internen Informationsschreiben an die Belegschaft hervor, das dieser Zeitung vorliegt. „Ziel ist es, in den nächsten Wochen einen Kaufvertrag abzuschließen“, heißt es in dem Schreiben. Eine Sprecherin von Zumtobel am Konzernsitz in Dornbirn verwies auf die Aussage des Unternehmens, bis 31. August eine Lösung finden zu wollen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bei dem Investor handelt es sich um Thomas Lorünser. Der 50 Jahre alte Unternehmer hat schon Erfahrung mit der Übernahme von Zumtobel-Fabriken. Vor gut drei Jahren erwarb er die Ledon Lamp GmbH, einen Hersteller von LED-Lampen, von dem Konzern. Zuvor hatte er sich mit der Gründung des Computer-chip-Herstellers Newlogic in Vorarlberg einen Namen gemacht, den er 2005 an den indischen Wipro-Konzern veräußerte. Ebenfalls in Vorarlberg betreibt er die Technologiefirma Photeon.

          Mann mit gutem Ruf

          Lorünser stammt, wie in Vorarlberg zu hören ist, aus einer Hoteliersfamilie. Er arbeitet bei Photeon mit dem Unternehmer Hans-Peter Metzler zusammen, der seit 2012 Präsident der Bregenzer Festspiele ist. Lorünser steht in dem Ruf, niemand zu sein, der Firmen groß mache, nur um Kapital aus ihnen zu schlagen.

          Die von ihm ins Visier genommene Zumtobel-Fabrik ist einer der größten Arbeitgeber in Usingen. Das Unternehmen stellt dort Premiumleuchten her, die das Werk unter anderem für den Neubau der Europäischen Zentralbank geliefert hat. Die Produkte stehen in dem Ruf, „Sahne für die Augen“ zu sein. Allerdings steht es um die Wirtschaftlichkeit nach Angaben der Konzernmutter nicht zum Besten - deshalb will sich Zumtobel von dem Standort trennen, zumal das Unternehmen noch über ein Werk in Lemgo verfügt. Arbeitnehmervertreter verwiesen dagegen in der jüngeren Vergangenheit auf anderslautende Berichte, die die Firmenleitung im Wirtschaftsausschuss stets vorgelegt habe.

          Die Zumtobel Group hatte seit Jahresbeginn eigenen Angaben zufolge nach einem strategischen Partner oder Käufer gesucht, allerdings keinen der vorgelegten Businesspläne als tragfähig erachtet. Auch Lorünser, mit dem das Unternehmen nun vertiefte Gespräche führen wolle, habe seinerzeit schon Interesse gezeigt. Lorünsers neues Angebot bewertet Zumtobel positiv. Es enthalte ehrgeizige Ziele, erscheine aber „dennoch tragfähig“, wird Christian Ranacher, Geschäftsführer der Zumtobel Lighting GmbH Deutschland, in dem Schreiben an die Belegschaft zitiert. Ranacher hebt hervor: „Sollten Betriebsrat, Gewerkschaft und die Mitarbeiter sich zutrauen, diesen Business-Plan unter Führung von Thomas Lorünser erfolgreich umzusetzen, werden wir diesem Vorhaben nicht im Wege stehen.“

          Dieser möglichen Wende zum Guten ist eine rege Arbeit von Arbeitnehmervertretern vorausgegangen. Der Betriebsrat zog auf Anraten der IG Metall eine Unternehmensberatung hinzu, um ein zukunftsfähiges Fortführungskonzept zu liefern. „Es ist für alle Beteiligten sinnvoll, diese Planung weiter zu verhandeln“, heißt es nun bei Zumtobel. „Es ist gut, dass wir jetzt wieder auf einem konstruktiven Pfad sind“, meint der Frankfurter IG-Metall-Geschäftsführer Michael Erhardt, der zwischenzeitlich eine große Protestkundgebung in Usingen organisiert hatte, um den Druck auf Zumtobel zu erhöhen. „Bei gutem Willen aller Beteiligten“ könnten die Verhandlungen bald abgeschlossen werden, sagt er. Die Mitarbeiter seien hochqualifiziert und sehr motiviert. Auch die Betriebsratsvorsitzende Gabriele Sandberg ist zuversichtlich. Wie sie meint, können die Beschäftigten ihr Arbeitsverhältnis im Werk Usingen unter der Führung Lorünsers fortsetzen.

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