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Neue Geschäftsmodelle im Buchhandel : Kleine Buchhandlungen überleben mit Kreativität

  • -Aktualisiert am

Peter Kripgans in seiner Buchhandlung in Frankfurt-Rödelheim: Kleine Buchhandlungen brauchen ihr Alleinstellungsmerkmal. Bild: Kretzer, Michael

Wie kann man sich gegen Online-Händler und große Ketten behaupten? Mit originellen Ideen: Lieferservice, Schaukästen und mehr Vernetzung. Drei Buchhändler aus Frankfurt suchen neue Wege zum Kunden.

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          Inge Endres hat ein Auge fürs Detail. Auf dem Boden ihrer Buchhandlung Middle Earth in Frankfurt-Bockenheim hat sie dunkles Parkett verlegen lassen. Darauf stehen Rattanmöbel und eine kleine Nebelmaschine, die duftende Rauchschwaden durch den Raum bläst. Hinter den Glasscheiben zweier großer Vitrinen sind Engel- und Buddha-Figuren ausgestellt.

          Endres arbeitet seit 42 Jahren im Buchhandel. Sie weiß, welche Probleme ein Standort abseits der großen Frankfurter Einkaufsstraßen mit sich bringt. Ihr erstes eigenes Geschäft in Bockenheim lag an der ruhigen Markgrafenstraße. Damals verkaufte sie ausschließlich Bücher über Esoterik. Um mehr Laufkundschaft anzulocken, zog sie in die Fußgängerzone. Als die Filialisten den Stadtteil nach und nach verließen, erweiterte sie ihren Bestand um ausgewählte populäre Titel. In ihr aktuelles Domizil an der Landgrafenstraße wechselte sie im Juli. Der Eigentümer ihres vorigen Ladens hatte eine Mieterhöhung angekündigt, die Endres nicht mehr hätte finanzieren können.

          Alleinstellungsmerkmal zwingend

          An ihrer Vorliebe für Spiritualität hat sich bis heute nichts geändert. Bücher über Spezialthemen wie Astrologie, Re-Inkarnation und alternative Psychologie machen immer noch den Großteil ihres Sortiments aus. Darüber hinaus führt Endres Kosmetika, Duftkerzen, Meditationskissen und Yogakleidung. In ihren Augen ist es gerade ihre Expertise in Sachen Esoterik, die ihr im Wettbewerb mit Online-Händlern und Buchhandelsketten weiterhilft. Wer zu ihr komme, wisse ihre fachkundigen Anregungen zu schätzen. „Und weil meine Kunden so individuelle Wünsche haben, nehmen sie auch eine längere Anfahrt in Kauf.“

          Dass jede kleine Buchhandlung ein Alleinstellungsmerkmal braucht, das sie von ihren Konkurrenten unterscheidet, glaubt auch Peter Kripgans vom Büchergarten Rödelheim. Der Laden an der Lorscher Straße gehörte früher zur Büchereigruppe Baumgärtner, die im Oktober 2012 Insolvenz anmelden musste. Um das Fortbestehen der einzigen Buchhandlung im Stadtteil zu sichern, gründeten Kripgans und sechs weitere Rödelheimer eine Genossenschaft, die den Büchergarten seit Januar 2013 führt.

          Zweites Standbein: Kunstdrucke

          Der emeritierte Kunst- und Architekturprofessor bedauert, dass viele seiner Kollegen versuchen, die Methoden der Ketten nachzuahmen. „Die bieten stapelweise Bestseller an und vergessen alles andere. Das braucht keine Beratung.“ Somit verliere die Kompetenz, die ein erfahrener Buchhändler dem Verkaufspersonal großer Filialgeschäfte voraushabe, an Bedeutung. Kripgans selbst empfiehlt seinen Kunden am liebsten Bücher, die ihm am Herzen liegen. Das sind vor allem gut recherchierte Krimis wie Volker Kutschers Reihe über Kommissar Gereon Rath, der im Berlin der zwanziger Jahre ermittelt, und natur- oder geschichtswissenschaftliche Sachbücher.

          Die Einnahmen des Büchergartens steigert Kripgans durch den Verkauf von Kunstdrucken. Auf seine Datenbank Gratia Artis, die 750 000 Bilder verzeichnet, können sowohl professionelle Buchhändler als auch Privatleute zugreifen. Die Kunden wählen eines der Kunstwerke aus und erhalten wenig später ein Replikat, das Maßstab und Farbgebung des Originals exakt kopiert.

          „Es bleibt nichts hängen.“

          Die wichtigste Voraussetzung für langfristigen Erfolg trotz abseitiger Lage sei aber eine gute Vernetzung mit anderen Kulturschaffenden, sagt Kripgans. Der Büchergarten arbeitet zum Beispiel mit dem Förderverein der Stadtteilbibliothek und der Stiftung Polytechnische Gesellschaft zusammen. Wenn diese Partner zu Vorträgen oder Diskussionsrunden einladen, ist das Rödelheimer Team mit einem Bücherstand dort. Hinzu kommen Veranstaltungen, die Kripgans im eigenen Laden organisiert. Zuletzt fand dort eine Krimilesung mit der Rödelheimer Tierärztin und Autorin Andrea Habeney statt.

          Hingegen fällt es Ursula Vorpahl in Frankfurt-Höchst immer schwerer, langjährige Kooperationen aufrechtzuerhalten. Früher versorgte die Buchhandlung Bärsch, deren Geschäftsführung Vorpahl von ihrem Vater übernahm, die Betriebe im angrenzenden Industriepark mit Fachliteratur. Dies sei mittlerweile weggebrochen, sagt sie. Heute verkaufe sie größtenteils schlecht rabattierte Ware wie Schulbücher und Deutschlernhilfen. „Das heißt: Wir haben viel zu tun und arbeiten den ganzen Tag, aber es bleibt nichts hängen.“

          Schaukasten in der U-Bahn

          So hat Vorpahl ihr Geschäftsmodell gründlich überarbeitet. „Wir setzen verstärkt auf Liebhaber, die anspruchsvolle Literatur suchen.“ Zudem ergänzte sie ihr Sortiment um Grußkarten, Puzzles und eine größere Auswahl an Kalendern. Besonders viel Wert legt sie auf einen freundlichen Service. Älteren Menschen bringen Vorpahls Mitarbeiterinnen die Bestellungen nach Ladenschluss nach Hause.

          Inge Endres hat eine andere Strategie, um den Bewohnern ihres Viertel näherzukommen. Sie dekoriert einen Schaukasten in der U-Bahn-Station Bockenheimer Warte. Dort stellt sie Neuerscheinungen und Sonderangebote vor. Bei Pendlern und Studenten, die am Bahnsteig auf das Eintreffen ihres Zuges warten, komme schnell Langeweile auf. Der Blick auf die Bücher verkürze die Wartezeit und werbe viele neue Kunden an. „Ich begrüße immer wieder Leute, die erst durch diese Auslage auf mein Geschäft aufmerksam geworden sind. Das ist die beste Werbung, die ich jemals hatte.“

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