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Neue Frankfurter Altstadt : Kokosnusstorte und Bethmännchen

Bild: F.A.Z.

In der neuen Frankfurter Altstadt soll man nicht nur essen gehen können. Die Dom- Römer-Gesellschaft hat auch für den Einzelhandel ein Konzept. Wer den Zuschlag erhält, entscheidet der Aufsichtsrat.

          3 Min.

          Diese Lage ist wirklich „1a“: Wer vom Römerberg aus die neue Altstadt betreten wird, läuft direkt auf die kleine Bäckerei „Saray“ zu, die in das Erdgeschoss des Hauses „Zu den drei Römern“ ziehen soll. Bayram Tulan wird dort türkische, portugiesische und deutsche Backwaren anbieten. Mittags soll es zudem Antipasti geben. Tulan betreibt seit 14 Jahren an der Mainzer Landstraße im Gallus eine kleine Bäckerei, die in der Nachbarschaft ausgesprochen beliebt ist. Mit Schafskäse und Oliven gefüllte Kringel liegen in der Auslage neben Rosinenbrötchen aus Mürbeteig und portugiesischer Kokosnusstorte. Seit Juni gibt es auch eine Filiale an der Schweizer Straße. Wenn die Altstadt in einem Jahr eröffnet wird, geht das dritte Geschäft des Familienbetriebs an den Start. „Wir sind noch echte Handwerker“, sagt Tulan, der oft gemeinsam mit seiner Frau hinter dem Tresen steht. So gesehen passen die beiden gut in das von Handwerkern kunstvoll verzierte Altstadthaus.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Dom-Römer-Gesellschaft hat am Montagabend ihr Einzelhandelskonzept für die Altstadt vorgestellt. Es ist eine vorläufige Version, die von der Stadt noch genehmigt werden muss. Das Auswahlgremium, an dem die Dom-Römer-GmbH als Bauherr, einige Stadtverordnete und das Maklerhaus BNP Paribas Real Estate beteiligt waren, hat seine Empfehlung aber schon abgegeben. Der Aufsichtsrat muss dieser Auswahl nun noch zustimmen.

          Ein „bunter Strauß“

          Wichtig war den Stadtverordneten, dass keine Ketten in die Altstadt ziehen, sondern kleine, inhabergeführte Geschäfte. 26 Interessenten hatten sich um jene Flächen beworben, die im Eigentum der Stadt bleiben und vermietet werden. In den schon verkauften Häusern entscheiden die Eigentümer selbst, wer einzieht, allerdings in enger Abstimmung mit der Dom-Römer-GmbH.

          Geschäftsführer Michael Guntersdorf ist glücklich mit der Auswahl, die er als „bunten Strauß“ beschreibt: „Wir wollten in der Altstadt keine Handy-Shops und keinen Schwerpunkt auf touristische Artikel“, sagt er. Mit den Betreibern der Geschäfte sollen Mietverträge über zehn Jahre geschlossen werden. Eine Untervermietung ist ohne Zustimmung der Dom-Römer-GmbH ausgeschlossen. Die Stadt will auf diese Weise die Qualität der in der Altstadt angebotenen Produkte steuern.

          Wegen der langen Planungszeit und dem hohen Aufwand für die Einrichtung wurde schon vor einigen Monaten entschieden, wer die Gastronomieflächen in der Altstadt bekommt. Die Familie Zarges erhielt gleich zweimal den Zuschlag: Das große Restaurant am Hühnermarkt wird ebenso von ihr betrieben wie die Konditorei, die in die „Goldene Waage“ neben dem Dom einziehen wird. Birgit Zarges will dort typische regionale Backwaren wie Frankfurter Kranz und Bethmännchen sowie Kuchen und Torten anbieten. Auf der Karte gibt es auch ein kleines Frühstück. Zarges will ihr Kaffeehaus mit dunklen Holzmöbeln einrichten. An der Braubachstraße im „Glauburger Hof“ wird der Szeneclub „Oye“ aus dem Bahnhofsviertel einen Ableger bekommen. Die Brüder Taff und Mengi Zeleke wollen dort ein ganz in Weiß eingerichtetes Café mit musikalischer Untermalung betreiben.

          Führungen durch die „Goldene Waage“

          Über das gastronomische Angebot hinaus gibt es eine bunte Mischung an Geschäften: Die Besucher der Altstadt finden Hüte, Schmuck, Höchster Porzellan, originelle Frankfurter Souvenirs, Blumen und auch Mode an den engen Altstadtgassen. Ein Metzger wird seine Waren anbieten, der Käufer eines Hauses am Hühnermarkt will im Erdgeschoss eine Apotheke betreiben. Außerdem soll es eine Drogerie und ein Reformhaus geben. „Die Altstadt wird passende Nutzer finden“, meint Guntersdorf. Ursprünglich hatten sich sogar 75 Interessenten für die Mietflächen gemeldet. Einigen musste die Dom-Römer-GmbH jedoch absagen, weil sie den gewünschten Kriterien nicht entsprachen. Andere Betreiber haben einen Rückzieher gemacht, weil sie nach größeren Flächen suchten. Die Geschäfte können auf zwei Wegen beliefert werden: Durch die Tiefgarage unter dem Areal und oberirdisch. In den frühen Morgenstunden sollen die Altstadtgassen auch von kleinen Fahrzeugen befahren werden können.

          Über die genannten Angebote hinaus wird es einige öffentliche Einrichtungen in der Altstadt geben. Das Struwwelpetermuseum und das Stoltze-Museum ziehen in die Altstadt. Das Historische Museum bietet Führungen durch die „Goldene Waage“ an. Die Bürgerberatung zieht in das „Goldene Lämmchen“, und die Dom-Römer-GmbH wird selbst Räume im Roten Haus nutzen. Sie soll sich auch künftig um die Vermarktung und Vermietung des Quartiers kümmern.

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