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Opel-Zoo : Wilde Orchideen neben wilden Tieren

Wer sich als Außenstehender fragt, warum es um den Opel-Zoo ständig Streit gibt, findet einen großen Teil der Antwort jetzt in einem Kompendium. Bild: dpa

Der Umweltverband BUND schaut seit Jahren kritisch auf den Opel-Zoo. Das prägt die „Faktensammlung“, die er jetzt in Buchform zusammengetragen hat.

          Das Ringen um Genehmigungen, zugeparkte Wiesen und natürlich die Frage, ob ein öffentlicher Weg frei zugänglich bleiben muss, der mitten durch ein Tiergehege führt: Wer sich als Außenstehender gelegentlich fragt, warum es um den Opel-Zoo zwischen Kronberg und Königstein ständig Streit gibt, findet einen großen Teil der Antwort jetzt in einem gut 100 Seiten starken Kompendium. Der Ortsverband Königstein-Glashütten des Umweltverbands BUND hat darin aufgelistet, was er an der Entwicklung des Freigeheges kritisiert.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Die Vorsitzende Claudia Jacubowsky, die auch den BUND-Kreisverband Hochtaunus führt, spricht von einer „Faktensammlung“, nicht zuletzt für die Politik. „Die Leute wissen teilweise nicht mehr, was vor zwei oder drei Jahren war.“ Vor allem der „Naturzerstörung durch das Parken“ habe sich der BUND immer wieder angenommen, sagte Gabriela Terhorst, stellvertretende Landesvorsitzende des Verbands, die auch für die Aktionsgemeinschaft Lebenswertes Königstein dem Königsteiner Magistrat angehört.

          Eine der größten Attraktionen

          Die Auseinandersetzung währt in der Tat schon lange, und so führt auch in dem Buch der Blick bis ins Jahr 1935 zurück, als Georg von Opel das erste Gatter errichtete, auf dem sich 41 Stück Rotwild tummelten. Heute ist der Zoo eine der größten Freizeitattraktionen Hessens mit 550.000 Besuchern im vergangenen Jahr. An etwa einem Dutzend Tagen werden dabei Wiesen als Aushilfsparkplatz genutzt, die nach Worten Jacubowskys eigentlich Ausgleichflächen für die seit 2004 rechtskräftigen Bebauungspläne von Kronberg und Königstein seien und auf denen Orchideenarten wie das männliche Knabenkraut wüchsen. Wenn der Zoo sie jetzt mit einer Bebauungsplanänderung langfristig an 20 Tagen im Jahr nutzen wolle, sei mit dem neuen Eingriff eigentlich ein doppelter Ausgleich nötig.

          Aus Sicht des Königsteiner BUND wäre ein Parkdeck die Lösung, um viele Autos unterzubringen. Im Entwurf für den neuen Bebauungsplan ist dafür auf Wunsch Königsteins auch ein Baufenster vorgesehen. Doch lehnt die Stadt Kronberg, auf deren Gemarkung der allergrößte Teil des Opel-Zoos liegt, ein solches Bauwerk ab. Zoodirektor Thomas Kauffels argumentiert damit, dass es nur selten benötigt würde. Im vergangenen Jahr habe es an drei Tagen zu wenige Parkplätze gegeben, so dass man Besucher um die Mittagszeit habe wegschicken müssen.

          Philosophenweg reklamieren

          Kein Zugeständnis will der BUND dem Opel-Zoo machen bei dem Wunsch, den mitten durch das Gelände führenden Philosophenweg für sich zu reklamieren. Derzeit läuft ein Bürgerbegehren gegen den Beschluss der Königsteiner Stadtverordneten, den damit einhergehenden Verträgen zuzustimmen. Die Initiatoren haben dieser Tage mitgeteilt, dass ihnen nur noch 100 Unterschriften fehlten. Die vorgesehenen Vergünstigungen wie verbilligte Jahreskarten für Bürger aus Königstein und Kronberg seien vielleicht nicht von Dauer, mutmaßte Jacubowsky. Bei Verstößen gegen Vertragsregelungen würde der Zoo von einer Kündigung profitieren. Er spare sich die Vergünstigungen, während Kronberg wegen der damit verbundenen Kosten keinen Anspruch auf den Philosophenweg mehr erheben werde.

          Auch derlei Unterstellungen enthält die Sammlung des BUND, der zudem „Filz“ bei Behörden und Politik vermutet, wenn das „Parken auf Orchideen“ erlaubt werde und Baustraßen nicht zurückgebaut werden müssten. Die Zukunftspläne des Zoos für weitere Tierarten wie Nashorn und Flusspferd sieht der Verband ebenfalls kritisch. „Jedes neue Großtier verursacht einen neuen Verkehrsinfarkt“, warnte Terhorst.

          Dem widersprach Zoodirektor Kauffels in einer ersten Reaktion. „Das ist eine Milchmädchenrechnung.“ Mit dem im August 2013 eröffneten Elefantenhaus habe man zwar im folgenden Jahr einen starken Besucheranstieg verzeichnet. Der sei aber längst wieder auf Normalmaß zurückgegangen. „Wenn wir nichts tun, verlieren wir stetig Besucher.“ Das gelte zumal mit Blick auf die Konkurrenz in Frankfurt, die noch dazu bald freien Eintritt für Kinder und Jugendliche biete.

          Die Sammlung des BUND kann in einigen Tagen auf dessen Internetseite heruntergeladen werden.

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