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Neue Fahrscheine, neue Linien : Für den RMV sind auch Seilbahnen denkbar

  • Aktualisiert am

Kündigt vier weitere Schnellbuslinien an: RMV-Chef Knut Ringat Bild: Helmut Fricke

Überfüllte Züge, alltägliche Verspätungen: Der Pendlerstrom im Rhein-Main-Gebiet stellt auch den RMV als Verkehrsverbund vor wachsende Probleme. Dessen Chef Knut Ringat ist auch ungewöhnlichen Lösungen gegenüber offen.

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          Zusätzliche Buslinien und mehr S-Bahnen: Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) reagiert auf steigende Fahrgastzahlen mit einer Verdichtung seines Angebots. Unter anderem sollen in diesem Jahr vier weitere Schnellbuslinien geschaffen werden, wie Geschäftsführer Knut Ringat am Dienstag in Frankfurt sagte.

          Auch der Nachtverkehr soll ausgeweitet werden, auf besonders belasteten Linien sollen bald noch mehr S-Bahnen unterwegs sein. Nachfolgend Fragen und Antworten zum Programm, das sich der Verkehrsverbund für dieses Jahr vorgenommen hat.

          Wie viele Menschen mehr nutzten 2018 den RMV?

          Die Fahrgastzahl wuchs vergangenen Jahr im RMV-Gebiet um 15 Millionen auf 769 Millionen. Für 2019 rechnet der Verkehrsverbund mit einem weiteren Zuwachs, unter anderem werde er sich aus weiteren Verträgen über Jobtickets speisen. Dieses Angebot für Unternehmen und ihre Beschäftigten erlebe gerade einen Boom, berichtet der Verkehrsverbund. Und es werde damit gerechnet, dass sich dieser fortsetze. Gerade liefen Verhandlungen unter anderem mit den kommunalen Spitzenverbänden im Land, damit Städte und Gemeinden das Angebot leichter für ihre Mitarbeiter nutzen können. Bereits heute machen die Jobtickets 14 Prozent der Gesamteinnahmen beim RMV aus.

          Wie reagiert der Verkehrsverbund auf die Entwicklung?

          Neben dem zusätzlichen Angebot im Bereich der Schnellbusse - die Zahl der Linien soll in diesem Jahr auf 19 ansteigen - wird der S-Bahn-Verkehr verdichtet: Die Zeiten mit 15-Minuten-Takt am Morgen und am Abend werden nach und nach ausgeweitet, so dass auch Menschen mit frühem Arbeitsbeginn davon profitieren können. Zudem soll der Nachtverkehr, der laut Ringat sehr gut angenommen wird, weiter auf ländliche Gebiete ausgeweitet und auch punktuell intensiviert werden, etwa bei Großveranstaltungen. Hinzu kommen Pläne für weitere Buslinien, die etwa auf der Standspur von Autobahnen wie der A66 unterwegs sein könnten.

          Welche Neuerungen sind noch geplant?

          Für die Fahrgäste sind zudem neue Ticket-Angebote geplant. Neben einem 365-Euro-Ticket für Senioren, das Ende des Jahres kommen soll, seien dies zum Beispiel Sammelkarten, die digital gekauft werden können. Vorteil sei, dass die einzelnen Fahrten im Vergleich zur herkömmlichen Einzelfahrt günstiger sein werden. Ab Mitte des Jahres soll es zudem auch Wochen- und Monatskarten über die RMV-App geben. Dies sei als eine Art Testlauf in puncto Fälschungssicherheit geplant, bevor das Angebot auf die noch teureren Jahreskarten ausgeweitet wird. Mit der App sollen zudem bald auch Tickets für den Münchner Stadtverkehr erhältlich sein, als Vorstufe einer geplanten weiteren Vernetzung der Verkehrsverbünde untereinander.

          Wie steht es um die Pünktlichkeit beim RMV?

          Mit einem Jahreswert von 92 Prozent fährt der S-Bahn-Verkehr seinem Pünktlichkeitsziel von 96 Prozent hinterher. Grund seien vor allem die „miserablen“ Werte des Fernverkehrs der Bahn, der mit seinen Verspätungen den Regionalverkehr in Mitleidenschaft ziehe.

          Der RMV erlebe dies auch an der großen Nachfrage nach Auszahlungen im Rahmen der Zehn-Minuten-Garantie: 3,1 Millionen Euro gingen seit Einführung Mitte 2017 zurück an Fahrgäste. Das Geld stamme aus Rückzahlungen, die vor allem der Deutschen Bahn wegen verspäteter oder ausgefallener Züge, sagte Ringat.

          Problematisch bei der Zehn-Minuten-Garantie sei jedoch ein nicht geringer Missbrauch, teilweise meldeten Fahrgäste bis zu zehn verspätete Verbindungen, die sie angeblich an einem Tag benutzt hätten. Der RMV wolle in diesem Jahr entscheiden, wie sich diese Entwicklung einschränken lasse.

          Wie sieht der Blick in die nächsten Jahre aus?

          Ein wachsendes Angebot kostet mehr, das merkt der RMV bereits heute: Zwar machte er nach Ringats Worten 2018 vier Millionen Euro Gewinn, die Zahl liege aber unter den Werten der Vorjahre. Es müsse langfristig mehr Geld aus öffentlichen und anderen Quellen kommen: „Wenn wir weiter in Richtung einer Verkehrswende wollen, muss es Jemanden geben, der dafür zahlt“, sagt der RMV-Chef. Angesichts drohender Dieselfahrverbote habe die Politik aber verstanden, dass etwas geschehen müsse.

          Im Frühjahr will Ringat gemeinsam mit der Bahn ein neues Ausbau-Programm für die Region vorstellen. Angesichts des wachsenden Pendlerstroms in der Region steht der RMV auch ungewöhnlichen Lösungen offen gegenüber: So soll es Machbarkeitsstudien für Seilbahnen geben, die beispielsweise Arbeitnehmer aus dem Taunus nach Frankfurt transportieren könnten.

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