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Einzelhandel Frankfurt : Neuer Schwung für die Berger Straße

  • Aktualisiert am

Drei Neue: Woolworth, Deichmann und dm haben an der oberen Berger Straße eröffnet. Bild: Cornelia Sick

Die beliebte Einkaufstraße in Frankfurt hat eine Baustelle weniger. Das Kaufhaus Woolworth ist zurück und bringt zwei weitere Filialisten mit.

          Erst seitdem die roten Buchstaben montiert sind, hat auch der Nachbar wieder „ein positives Gefühl“. Lange Zeit habe er nicht glauben wollen, dass Woolworth zurückkehrt, sagt Buchhändler Heinz Eisenbletter. Die beiden anderen Geschäfte, die Drogeriekette dm und der Schuhhändler Deichmann, die heute zusammen mit dem Kaufhaus in einem umgebauten Geschäftshaus eröffnen, hätten im Gegensatz zu Woolworth lange vorher Werbung gemacht, sagt der Buchhändler. Er sei bis zuletzt skeptisch gewesen.

          Für die obere Berger Straße geht mit dem heutigen Tag zumindest ein Teil einer längeren Durststrecke zu Ende. Sie hatte mit der Schließung des Saturn-Marktes vor knapp zwei Jahren begonnen. Die Immobilie soll abgerissen, das Grundstück neu bebaut werden. Seit dem Auszug von Saturn klagen die Geschäftsleute an der Straße über einen Rückgang an Kunden und Umsatz. Verschärft wurde die Situation durch den Umbau des Geschäftshauses, in dem Woolworth viele Jahre Hauptmieter und Zugpferd für die Straße war. „Bei Woolworth finden Kunden auch noch eine Nadel und einen Knopf“, sagt Buchhändler Eisenbletter.

          Woolworth halb so groß wie vorher

          Das Gebäude mit der Hausnummer 147 war stark heruntergekommen und ist seit vergangenem Frühjahr komplett umgebaut und saniert worden. Hauptmieter in den oberen Etagen ist auf einer Fläche von 1700 Quadratmetern die Frankfurter Fitness-Kette Prime Time, die hier sogar die baulichen Voraussetzungen für ein 7 mal 17 Meter großes Schwimmbecken geschaffen hat. Es ist das fünfte Studio der Kette, die seit längerem kräftig Werbung macht. Um neue Mitglieder anzuwerben, wurde ein freistehendes Geschäft gegenüber bezogen.

          Das Kaufhaus Woolworth ist jetzt im Untergeschoss untergebracht und ist mit 800 Quadratmetern nur noch halb so groß wie vorher. Wie bisher setzt das Kaufhaus jedoch auf ein Sortiment für den täglichen Bedarf mit Heimtextilien und kleineren Küchen- und Haushaltsartikeln. Das Erdgeschoss teilen sich die Billig-Schuhkette Deichmann (440 Quadratmeter) und die Drogerie-Kette dm (600), die bereits in unmittelbarer Nähe eine Filiale hat und noch in diesem Jahr an der unteren Berger Straße die dann dritte Filiale an der Einkaufsstraße eröffnen wird.

          Arbeiten für Berger Palais begonnen

          Wann es mit dem Saturn-Abriss losgeht, ist noch nicht abzusehen. An der Stelle soll ein mehrgeschossiger Neubau entstehen für Gewerbeflächen und Wohnungen. Der bisherige Investor, die Watermark Asset Management GmbH, soll das Grundstück inzwischen an eine dänische Investorengruppe verkauft haben, wie aus Maklerkreisen zu hören ist. Ein Bauantrag wurde noch nicht eingereicht. Voraussetzung ist ein Bebauungsplan. Bisher gibt es nur einen Entwurf. Die Stadt prüft zurzeit noch die Einsprüche dagegen.

          In der ehemaligen Saturn-Filiale tut sich dagegen noch nichts.

          Dass das Verfahren so lange dauert - im November steht das Gebäude drei Jahre leer -, begründet ein Sprecher des Planungsamtes mit der gemischten Struktur des Quartiers und der engen Bebauung. Es gehe darum, Konflikte zwischen Gewerbe und Wohnen zu vermeiden. Immerhin: In der Nachbarschaft geht es voran. In einer Baulücke haben die Arbeiten für das sogenannte Berger Palais begonnen, ein Neubauprojekt der Henning Immobilien GmbH mit 32 Eigentumswohnungen. Sie sollen Mitte 2016 bezugsfertig sein.

          Was noch für den Aufbruch der Straße spricht

          Grundsätzlich hat der Leerstand an der oberen Berger Straße, die sich schon immer durch einen kuriosen Mix aus Handy- und Krimskrams-Läden, Billig-Bäckereien und Imbissbuden neben alt eingesessenen Geschäften wie Optik Stickler oder dem Buchladen Naumann & Eisenbletter auszeichnet, abgenommen. Neu hinzugekommen sind seit vergangenem Jahr ein Hessen-Shop mit großer Eintracht-Fanartikel-Abteilung, ein veganes Café, eine Waffel-Haus und zuletzt ein kleiner Lottoshop. Der beliebte Dritte-Welt-Laden ist zurzeit wegen Renovierung geschossen. Auch das spricht eher für Aufbruch als für Niedergang der Straße. Dass zwei Geschäfte direkt gegenüber dem leeren Saturn-Gebäude verkümmern, dürfte eher an der bevorstehenden Baustelle liegen.

          Weiter unten kommt bald noch eine weitere dm-Filiale.

          Weniger Leerstand gibt es inzwischen auch an der unteren Berger Straße. Hier hat eine Eisdiele, die vorübergehend leer stand, neu eröffnet. Die Bäckereikette Eifler hat die Räume der ehemaligen Konditorei Klein bezogen, und gegenüber, im ehemaligen „La Maison du Pain“, das lange leer stand, werden jetzt Pizza und Mozzarella serviert. Mit Licy, einem Geschäft für Kindermode und Kinderschuhe, wurde ein Nachfolger für das Modegeschäft Ono Koon gefunden. Unten am Bethmannpark gibt es ebenfalls einen neuen inhabergeführten Modeladen: Schick & Schock. Dass sich nur noch große Filialisten die Berger Straße leisten können, stimmt, so gesehen, nicht ganz. Die Mieten beziffert Maklerin Necla Biegler mit 35 bis 70 Euro je Quadratmeter.

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