https://www.faz.net/-gzg-85vdr

Eintracht Frankfurt : Ohne Furcht und Tadel

  • -Aktualisiert am

Selbstbewusst: Der Schweizer Seferovic sieht seine stürmische Position bei der Eintracht gefestigt. Bild: Jan Huebner

Die neue Eintracht macht Haris Seferovic optimistisch. „Wir können eine gute Rolle spielen.“ Die Premier League muss allerdings noch warten.

          3 Min.

          Sommer, Sonne, Stress. Auf dem Fußballfeld am Rand von Windischgarsten geht es von frühmorgens an heiß her. Bis auf ein paar Quadratmeter entlang einer Reihe hoch- gewachsener Pappeln, die ein klein wenig Schatten spenden, liegt der Rasen in der prallen Sonne. Den Frankfurter Spielern, die unter der Aufsicht von Armin Veh ihre Runden drehen, ist die Belastung schon nach wenigen Minuten an ihren roten Gesichtern anzusehen. Nur manche von ihnen haben für einen flotten Fußmarsch nach dem Ende der Einheit noch genug Puste: Wer als Schnellster das Gartenhäuschen erreicht, in dem die Betreuer kistenweise Getränke und Material verstaut haben, kann sofort davor in ein Regenfass hüpfen, das hüfthoch mit Wasser gefüllt ist – und in das Zeugwart Franco Lionti und sein Helfer mit beiden Händen Eiswürfel reinwerfen.

          Haris Seferovic machte es sich in der Tonne als einer der Ersten bequem. Abkühlung tue not, meint der 23-Jährige, der sich bis zum kommenden Samstag mit seinem Team in der österreichischen Provinz auf die neue Bundesligasaison einstimmt. Die Einheiten der Vorbereitung, in der die körperliche Belastung immer besonders hoch ist, seien aufgrund der Hitze noch anstrengender: „Man wird schneller müde, der warme Wind zieht einem die Energie raus“, lautete sein Urteil am Sonntagmittag, „man muss gut aufpassen, regenerieren, genügend schlafen.“

          Niederlage gegen Zweitligist „ganz okay“

          Zehn Stunden hatten er und seine Kollegen am Tag zuvor im Bus gesessen, weil sie auf dem Weg in die Berge noch in Baden-Württemberg Station gemacht und auf Wunsch ihres Sponsors Nike an einer Einladungsveranstaltung des 1. FC Heidenheim teilgenommen haben. Die Partie gegen das Zweitligateam, das schon am Wochenende in den Punktspielalltag zurückkehrt und dementsprechend seine Testphase nahezu abgeschlossen hatte, ging aus Frankfurter Sicht 1:2 verloren. Luc Castaignos traf zur Führung (44. Minute), ehe Arne Feick mit seinen Treffern das Blatt wendete (65. und 71.), nachdem Veh die halbe Mannschaft gewechselt hatte. Als „ganz okay“ bezeichnete Seferovic die Eintracht-Vorstellung in der ersten Halbzeit, nach dem Seitenwechsel sei es „schlechter gelaufen“. Was er aber als wenig überraschend wertete: „Wir sind dabei, uns zu finden. Jeder muss besser werden. Wir haben noch Zeit.“ Erst Mitte August wird es mit dem Erstrundenauftritt im Pokal beim Bremer SV ernst. Seferovic hatte bis vor sechs Tagen noch Ferien, er durfte länger ausspannen als mancher Mitstreiter, weil er mit der Schweizer Nationalmannschaft noch in der EM-Qualifikation ranmusste.

          Die Wanderjahre des Seferovic

          Nach dem ersten Anschein vermittelte ihm die an einigen Stellen vorne wie hinten punktuell erneuerte Eintracht ein vielversprechendes Gefühl: „Reinartz spielt mit Auge und ist ruhig am Ball. Abraham räumt alles ab, Castaignos ist körperlich stark, Lindner ein guter Torwart“, ordnete Seferovic die Profis ein, die erst seit Anfang Juli zum Kader gehören. Alles in allem: „Wir haben jetzt mehr Erfahrung, sind aber auch jünger und frischer geworden – die Mannschaft kann eine gute Rolle spielen.“ Wozu er seinen Beitrag leisten möchte. Angebote, den Klub zu verlassen, schlug er aus. Von „einigen Optionen“, die sich ihm boten, erzählte Seferovic, am konkretesten war wohl die Offerte der Mönchengladbacher Borussia, deren Schweizer Trainer Lucien Favre seinen Landsmann gerne an den Niederrhein gelockt hätte. Doch sowohl Bruno Hübner als auch Seferovic lehnten die Offerte ab. Der Sportdirektor, weil er den Antreiber als unverzichtbar einstufte; der Spieler, weil er sich seinen Worten nach in Frankfurt „glücklich fühlt“. Nach Jahren der beruflichen Wanderschaft hat sich Seferovic „gefunden“, wie er es formulierte.

          Der Sohn bosnischer Bürgerkriegsflüchtlinge hatte das Elternhaus im Kanton Luzern schon als Teenager verlassen; in fünf Jahren heuerte er in drei Ländern und bei sechs Klubs an (Grashopper Club Zürich, AC Florenz, Xamax Neuchâtel, US Lecce, Novara Calcio, Real Sociedad), ehe sein Weg zur Eintracht führte, bei der er sich schnell akklimatisierte und mit seiner mutigen und laufstarken Einstellung zum Spiel schnell zu einem Favoriten des Publikums aufstieg: 32 Erstliga-Einsätze, zehn Tore, acht Vorlagen – die Bilanz seiner Debütrunde fällt achtbar aus. Und er will in Frankfurt darauf aufbauen: an der Seite von Castaignos, mit dem er gut harmoniere, wie Seferovic befand, oder an der von Alexander Meier, wenn dieser sich zurückmelde. Dass er sich selbst bei der neuen Sturmvielfalt aufgrund seiner Vorleistung als gesetzt betrachtet, entspricht dem Selbstverständnis und der breiten Brust, mit der Seferovic zu Werke geht. „Gesund bleiben und konstant spielen“, nannte er als seine naheliegenden Ziele, andere mochte er nicht (öffentlich) formulieren, weil sie nur „Druck erzeugen, das bringt nichts“.

          Seferovics neues Domizil in Oberursel

          Aus der Villa, die er Mitte 2014 als Nachfolger Vehs bezogen hatte, ist er inzwischen wieder ausgezogen. Zu klein sei das Anwesen gewesen, berichtete der Familienmensch, der „alle 14 Tage“ Besuch von der Verwandtschaft bekommt: Bruder, Mama, Schwester, Cousinen und Nichten schauen dann bei ihm im Taunus vorbei: „Deswegen brauchte ich mehr Platz.“ In Oberursel mietete er ein geräumigeres Domizil. Der nächste Umzug müsse noch ein bisschen warten, werde aber eines Tages kommen, kündigte er an. Ein Wechsel in die lukrative Premier League sei „der Traum eines jeden Fußballspielers“, sagte Seferovic. Mannschaften von der Insel hätten besonders stimmungsvolle Stadien, agierten „körperlich betonter“, und „alle fünf Minuten gibt es eine Torchance“ – ein Szenario wie geschaffen für den furchtlosen Draufgänger. Eine Kostprobe der englischen Fußball-Gangart erhält er an diesem Dienstag: In Salzburg testet die Eintracht gegen Leeds United (18.30 Uhr).

          Weitere Themen

          Der nächste Mainzer Coup

          2:1 gegen Frankfurt : Der nächste Mainzer Coup

          Der Eintracht reicht auch eine Führung nicht, um erstmals in Mainz zu gewinnen. Nach einem Platzverweis gegen die Gäste dreht der FSV auf – und beschert Beierlorzer einen perfekten Einstand.

          Topmeldungen

          Erfolgreich im Beruf : Verborgene Helden

          Mit Karriere verbinden wir Geld, Aufstieg und Ruhm. Erfolg und Erfüllung gibt es aber auch hinter den Kulissen. Fünf Beispiele für ein erfülltes Berufsleben.

          Parteitag in Berlin : Die Wende der SPD

          Der Parteitag in Berlin ist ein historischer Bruch für die SPD. Sie verabschiedet sich endgültig von der „neoliberalen“ Schröder-Ära durch ein Programm für einen „neuen Sozialstaat“.

          1:2 in Mönchengladbach : Die Bayern verlieren die Kontrolle und das Spiel

          Die Münchner dominieren das Topspiel zunächst nach Belieben, treffen aber das Tor nicht. Als sie es doch tun, kommt Gladbach schnell zum Ausgleich. In der Nachspielzeit überschlagen sich dann die Ereignisse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.