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Neue Edel-Sportstudios : Angriffe im Fitness-First-Land

  • -Aktualisiert am

In Bewegung: Das Fitness-First-Studio im My Zeil soll erweitert werden. Bild: Frank Röth

Mit Saunaparadies und Dachgarten lockt das neue Sportstudio im Skyline Plaza, ein anderer Neuling mit Hamam. Die zahlungskräftigen Sportler sind heiß umkämpft. Platzhirsch Fitness First reagiert.

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          Schnaufen und schwitzen muss jeder noch selbst. Aber sonst nehmen die Geräte, die im neuen Fitnessclub Meridian Spa im Frankfurter Europaviertel auf Hobbysportler warten, ihren Benutzern vieles ab. Über eine Chipkarte wissen Ruderzug und Beinbeuger genau, wie viel Gewicht sie dem jeweiligen Sportler zutrauen dürfen. Viele der Lauf- und Heimtrainer haben außer einem Fernsehbildschirm auch noch Internetzugang. Nach dem Sport stehen vier Saunen, ein Dampfbad und mehrere Whirlpools zur Auswahl, neben dem großen Pool unter der Glaskuppel und einer 1500 Quadratmeter großen Dachterrasse. Und während die Freizeitsportler all das genießen, können ihre Kinder betreut in einem Spielzimmer toben.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Spa in den oberen Etagen des Einkaufszentrums Skyline Plaza stellt eine neue Dimension im Frankfurter Fitnessmarkt dar. Große Studios mit Geräten, Kursen und Sauna gibt es viele, auch an Sauna-Oasen und Thermen ist in Rhein-Main kein Mangel, aber beides verbunden auf 10 000 Quadratmetern ist bislang ein Novum. Das hat seinen Preis: Mitglieder zahlen nach einer Aufnahmegebühr von 200 Euro zwischen 83 und 102 Euro im Monat. Doch Leo Eckstein, Geschäftsführer der aus Hamburg kommenden Kette Meridian Spa, ist zuversichtlich, innerhalb eines Jahres 4000 Mitglieder zu gewinnen. Schon vor der Eröffnung Anfang des Monats sprach er von 1700 angemeldeten Mitgliedern. „Aber wir wissen natürlich, dass wir hier in Fitness-First-Land vorstoßen“, räumt Eckstein ein.

          Mischung aus Wellness und Fitness: Das neue Meridian Spa.
          Mischung aus Wellness und Fitness: Das neue Meridian Spa. : Bild: Marcus Kaufhold

          Edles Schwitzen im Hamam

          Fitness First ist der Platzhirsch in Frankfurt. Der Deutschlandableger der weltgrößten Studiokette, der 1990 als Fitness Company von der Zeil aus an den Start ging, betreibt mit acht Anlagen so viele wie kein zweiter Anbieter in der Stadt. Billiganbieter ohne viel Brimborium wie McFit und Pure Training bedienen das untere Preissegment, im Mittelfeld tummeln sich viele Einzelstudios und kleinere Anbieter wie Primetime und die Frauenfitnesskette Amiga. Doch die besonders zahlungsfreudigen Sportsfreunde, die auf hochwertige Betreuung, Handtuchservice und frisches Obst inklusive Wert legen, bediente Fitness First mit seinen beiden Black-Label-Clubs im Hilton-Hotel an der Hochstraße und in der „Welle“ am Reuterweg sowie einigen Platinumclubs bislang nahezu allein. Doch das ändert sich nun.

          Nicht nur aus Hamburg, auch aus dem Süden stößt die Premium-Konkurrenz in das Stammgebiet von Fitness First vor. Der Schweizer Konzern Migros, der mit seiner Fitnesstochter Elements bislang vier deutsche Studios in München und Stuttgart betreibt, will im Herbst am Eschenheimer Turm sein erstes Frankfurter Studio eröffnen. Ein Hamam und einen „Wellness-Bereich, der an die besten Fünf-Sterne-Hotels erinnert“, stellt René Kalt, Geschäftsführer der Migros Freizeit Deutschland GmbH, in Aussicht. Für Sommer 2015 kündigen die Schweizer schon einen „zweiten Standort in Frankfurt“ an, der in Eschborn eröffnen soll.

          Genug Nachfrage für alle Anbieter

          „Wir sehen das mit wachsamen Augen“, sagt Stefan Tilk, Geschäftsführer von Fitness First, „glauben aber, dass der Markt in Frankfurt groß genug ist.“ Dennoch reagiert das Unternehmen bereits auf den wachsenden Wettbewerb. Gerade erst haben die Frankfurter ihren Club im Hilton, zu dem auch das frühere Stadtbad Mitte gehört, für eine knappe Million Euro renoviert. Zwei Monate lang haben sich dort Handwerker statt Sportler abgerackert. Ende Januar hat Tilk zusammen mit der früheren Boxweltmeisterin Regina Halmich die auf den neuesten Stand gebrachte und nun mit viel Echtholz, Leder und Glas aufgehübschte Anlage den Kunden präsentiert. Drei Tage bevor Meridian Spa im Skyline Plaza seine Eröffnungsgala mit Profiboxerin Ina Menzer feierte.

          Techniktraining: Sport treiben auf dem Fitnessgerät im Fitness- und Wellness-Studio Meridian Spa.
          Techniktraining: Sport treiben auf dem Fitnessgerät im Fitness- und Wellness-Studio Meridian Spa. : Bild: Marcus Kaufhold

          Dass die drei Edelstudioanbieter sich gegenseitig das Wasser abgraben, glaubt Karsten Hollasch, bei der Beratungsgesellschaft Deloitte für das Sport-Business zuständig, nicht. Frankfurt mit seiner starken Einkommensstruktur biete noch viel Potential im Hochpreissegment. „Bislang ist der deutsche Fitnessmarkt ein Angebotsmarkt: Je größer das Angebot, desto größer die Nachfrage.“ Seit Jahren verzeichnet Deloitte in seinem regelmäßigen Branchenreport parallel zu steigenden Studiozahlen auch wachsende Mitgliederzahlen in den deutschen Muckibuden. Das Wachstum hat sich allerdings in den vergangenen zwei Jahren, verglichen mit den Vorjahren, deutlich verlangsamt. 2012 legte die Mitgliederzahl um 3,7 Prozent auf 7,5 Millionen zu. In Hessen zählte Deloitte 656 000 Mitglieder in 524 Anlagen. Dabei profitieren die großen Ketten von den Zuwächsen mehr als die Einzelstudios: Sie zählen fast die Hälfte aller Mitglieder zu ihren Kunden, nachdem ihr Anteil vor fünf Jahren noch bei 35 Prozent lag.

          Flaute bei Fitness First

          Die Vielzahl von Studios in der Stadt sieht Hollasch als einen Vorteil von Fitness First gegenüber den Neulingen, die nun mit einem Studio an den Markt gingen. Denn die Kunden wollten entweder nahe ihrer Arbeit oder nahe der Wohnung trainieren - bei Fitness First könnten viele beides haben.

          Dass das Geschäft mit der Leibesertüchtigung allerdings kein Selbstläufer ist, hat Fitness First auch schon erfahren. Der frühere Eigentümer, Finanzinvestor BC Partners, war nicht eben glücklich mit dem Unternehmen. Nach mehreren schlechten Jahren musste Tilk der Studiokette eine Rosskur verpassen und 17 Anlagen schließen. Inzwischen sei das Schlimmste überstanden, sagt Tilk, und man habe zwei gute Jahre hinter sich. Mit 274 000 Mitgliedern machte das Unternehmen laut der Deloitte-Studie 2012 einen Umsatz von 150 Millionen Euro. Das Studio im MyZeil läuft laut Tilk sogar so gut, dass im März die Fläche dort erweitert werden soll. Für Anfang 2015 ist die nächste Großeröffnung im gerade im Bau befindlichen Luxushotel an der Alten Oper geplant. Auf sinkende Gebühren aufgrund der wachsenden Konkurrenz sollten sich Fitness-First-Kunden aber noch nicht freuen, einen Preiskampf will Tilk auf jeden Fall verhindern. Es gebe aber ja noch andere Möglichkeiten, kostenlose Trainerstunden zum Beispiel.

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