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Neue Corona-Regeln : Frankfurter sollen möglichst überall Maske tragen

Mund-Nasen-Schutz: Über eine Maskenpflicht im Stadtgebiet wird am Dienstag entschieden. Bild: dpa

Nach der Absage des Weihnachtsmarktes drohen in Frankfurt weitere Beschränkungen. Der Inzidenzwert in der Stadt ist erstmals über die Marke von 200 geschritten.

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          In Frankfurt wächst die Gefahr einer diffusen Infektionslage, in der sich trotz Unterstützung durch die Bundeswehr in etlichen Fällen nicht mehr nachvollziehen lässt, von wem die Ansteckung ausging. Nach Angaben des hessischen Sozialministeriums überschritt die Inzidenz, das heißt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus binnen sieben Tagen bezogen auf 100.000 Einwohner, die Marke von 200 am späten Samstagabend; die höchste Alarmstufe beginnt bereits bei einem Wert von 75.

          Marie Lisa Kehler
          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
          Helmut Schwan
          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Angesichts der besorgniserregenden Entwicklung hatte der Verwaltungsstab im Frankfurter Römer nach einer Sondersitzung am Samstag entschieden, den Weihnachtsmarkt abzusagen. Am Freitag hatte man noch gezögert, das Aus für die Veranstaltung zu verkünden, die in den Vorjahren jeweils rund drei Millionen Besucher gehabt hatte. Darüber hinaus sollen, um Ansteckungen zu vermeiden, die Kontakte in der Öffentlichkeit eingeschränkt sowie die Maskenpflicht und das Alkoholverbot in der Stadt ausgeweitet werden.

          „So ein Markt lebt doch von der Nähe – und auch mal von einem Schwips. Das wird so nicht stattfinden können“, sagte Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) zur Absage des Weihnachtsmarktes. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) richtete in einem Schreiben der Stadt einen dringenden Appell an die Bürger: „Seien Sie diszipliniert, tragen Sie Maske, halten Sie Abstand und waschen Sie sich die Hände.“ Am Sonntag meldete sich Feldmann abermals zu Wort. „Der Virus hasst Masken, er scheitert an diesem Stückchen Stoff“, sagte Feldmann laut der Deutschen Presse-Agentur vor der Paulskirche. „Ich bin mir sicher, dass wir in Frankfurt stärker sind als der Virus und dass wir ihm die Rote Karte zeigen können.“

          Ausbruch auf geriatrischer Station

          Am Dienstag ist ein weiteres Treffen des Verwaltungsstabs geplant. Unter anderem sollen die Corona-Maßnahmen, darunter auch die Sperrstunde von 23 Uhr an, über den 31. Oktober hinaus um mindestens zwei Wochen verlängert werden. Die Regeln, die helfen sollen, die Zahl der Neuinfektionen zu reduzieren, müssen laut Majer für die Bevölkerung nachvollziehbar sein und einer rechtlichen Überprüfung standhalten.

          Insgesamt meldete das Sozialministerium für Hessen für Samstag auf Sonntag 1099 bestätigte Neuinfektionen und eine Inzidenz von rund 104. Nach dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin lagen in Hessen 129 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen. Das entspricht den Angaben zufolge acht Prozent der belegten Intensivbetten. 56 Patienten wurden beatmet. Die Zahl der Todesfälle, die im Zusammenhang mit dem Virus stehen, stieg um zwei auf insgesamt 609. Nachdem 17 Patienten und sechs Mitarbeiter der geriatrischen Abteilung des Krankenhauses Groß-Umstadt im Kreis Darmstadt-Dieburg am vergangenen Wochenende positiv auf Corona getestet worden sind, sollen im gesamten Klinikum nun vorläufig keine Notfälle mehr aufgenommen werden. Diese Entscheidung gelte zunächst bis Mittwoch. Wie das Krankenhaus mitteilte, wurde die Rettungsleitstelle des Kreises gebeten, „Notfälle bevorzugt in anderen Häusern unterzubringen, solange sie dort versorgt werden können“. Derzeit werde versucht, die Ursache für den Ausbruch zu ermitteln, der sich momentan ausschließlich auf die geriatrische Abteilung begrenze. Es sei „nicht hilfreich, darüber zu spekulieren, wie es zu dem Ausbruch gekommen ist“, hieß es weiter.

          In der betroffenen Abteilung werden ältere Menschen mit Mehrfach-Erkrankungen behandelt – eine „ohnehin kritische Patientengruppe, bei der die Ansteckungswahrscheinlichkeit bekanntermaßen hoch ist“, wie das Klinikum in einer Mitteilung schreibt. Bereits seit vergangenem Donnerstag gelten in den beiden Kreiskliniken in Groß-Umstadt und Jugenheim Besuchsverbote.

          Strengere Regeln für Frankfurt

          Angesichts weiterhin stark steigender Infektionszahlen hat der Verwaltungsstab im Frankfurter Römer am Samstagabend beschlossen, noch stärker als bisher ins öffentliche Leben einzugreifen.

          Kontaktbeschränkungen

          Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist höchstens in Gruppen mit fünf Personen aus maximal zwei Haushalten oder mit den Angehörigen des eigenen Hausstandes gestattet.

          Erweiterung der Maskenpflicht

          Eine Maskenpflicht besteht bei allen öffentlichen Veranstaltungen und in öffentlichen Einrichtungen. Sie gilt zudem fortan innerhalb des Alleenrings und nördlich der Bahnlinie in Sachsenhausen. Die Stadt rät dazu, Masken schon jetzt im gesamten Stadtgebiet zu tragen. Ob dies verpflichtend wird, entscheidet sich am Dienstag. Zudem wird dieser Schutz auch beim Autofahren empfohlen, wenn Mitglieder von mehr als zwei Hausständen mitfahren.

          Alkoholverbot

          Das Verbot, Alkohol auf bestimmten Plätzen und in den Anlagen zu konsumieren, bleibt unverändert. Von 23 bis 6 Uhr gilt das Verbot für den öffentlichen Raum im gesamten Stadtgebiet.

          hs.

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