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Neubebauung am Großen Hirschgraben : Wettbewerb für Romantikmuseum beginnt in den nächsten Tagen

Vorhaben: Neben dem Frankfurter Goethehaus ist auf dem ehemaligen Börsenvereinsareal der Bau des Romantikmuseums geplant Bild: Fricke, Helmut

Noch ist der Bau des Romantikmuseums nicht beschlossen. Doch der Immobilienkonzern ABG beginnt bereits mit einer Ausschreibung, er trägt die Kosten des zweistufigen Verfahren.

          Der Wettbewerb für den Bau des Romantikmuseums in Frankfurt soll noch im September beginnen. Das hat der Geschäftsführer des städtischen Immobilienkonzerns ABG Frankfurt Holding, Frank Junker, auf Anfrage mitgeteilt. Die Arbeiten an der Ausschreibung seien nahezu abgeschlossen, so dass sie in den nächsten Tagen veröffentlicht werden könne. Das Verfahren bestehe aus zwei Stufen. In einer ersten Runde können sich Architekturbüros für die Teilnahme am eigentlichen Wettbewerb bewerben. Sie müssen dabei ihre Erfahrung in den einschlägigen Aufgabengebieten nachweisen.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Florian  Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Anforderungen für den Wettbewerb sind vergleichsweise hoch: Die Architekten müssen nicht nur ein Museum entwerfen, sondern auch Erfahrungen im Wohnungsbau mitbringen und außerdem möglicherweise historische Bausubstanz – den sanierungsbedürftigen Cantate-Saal – in einen Neubau integrieren. Auch eine Tiefgarage ist vorgesehen. Insgesamt soll auf dem Areal eine Bruttogeschossfläche von rund 7500 Quadratmetern untergebracht werden.

          Junker hält Kritik nicht für stichhaltig

          Laut Junker soll noch im Oktober mit der zweiten Stufe, dem eigentlichen Realisierungswettbewerb, begonnen werden. Es wird sich um ein Gutachterverfahren handeln, zu dem zehn bis 15 Büros von einem Auswahlgremium zugelassen werden. Das Verfahren wird vom Kasseler Büro ANP organisiert, das von Barbara Ettinger-Brinckmann geführt wird, Präsidentin der hessischen Architekten- und Stadtplanerkammer und der Bundesarchitektenkammer.

          Junker hält die Kritik des Bunds Deutscher Architekten (BDA) an dem Verfahren denn auch nicht für stichhaltig. Der Frankfurter BDA hatte argumentiert, dass vor einem Wettbewerb zunächst geklärt sein müsse, ob das Romantikmuseum tatsächlich gebaut werde oder nicht. Seien die Rahmenbedingungen für den Wettbewerb nicht geklärt, würden die Entwürfe womöglich als Argument für oder gegen eine grundsätzliche Entscheidung zum Romantikmuseum angeführt.

          Noch 2,2 Millionen Euro fehlen

          Der BDA spielt damit auf negative Erfahrungen seiner Mitglieder etwa mit den Wettbewerben zum Museum der Weltkulturen und der Altstadtbebauung an. Die Finanzierung des Romantikmuseums ist noch nicht endgültig sichergestellt. Das Freie Deutsche Hochstift als Träger des Goethehauses muss noch rund 2,2 Millionen Euro an Spenden aufbringen.

          Junker teilt die Bedenken des BDA nach eigener Aussage nicht. Der Wettbewerb solle gerade zeigen, wie sich der Museumsanbau, der Neubau von Wohnungen und eventuell der Erhalt des Cantate-Saals miteinander vereinbaren ließen. Die Frage, ob der Cantate-Saal in einen Neubau zu integrieren ist, ist nicht nur gestalterisch zu klären. Parallel zum Wettbewerb prüfen laut Junker die Statiker vom Frankfurter Büro Bollinger + Grohmann die Bausubstanz.

          Michael Quasts Volksbühne muss weichen

          Es gibt klare Zeichen aus dem Römer, dass der Cantate-Saal nach Möglichkeit erhalten werden soll, um als Spielstätte für Michael Quasts „Fliegende Volksbühne“, aber möglicherweise auch für andere Veranstaltungen zur Verfügung zu stehen. Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) bestätigte das auf Nachfrage: „Ohne den Cantate-Saal fehlt eine wesentliche kulturpolitische Dimension an diesem Ort.“ Laut Semmelroth sucht die Stadt für die Dauer der Bauzeit nach einer Ausweichspielstätte für Quast.

          Der Wettbewerb wird laut Junker komplett von der ABG als Eigentümer des ehemaligen Börsenvereins-Grundstücks finanziert; das zu überplanende Gebiet schließt auch einen Streifen neben dem Goethehaus ein, der dem Freien Deutschen Hochstift gehört.

          Viele Interessen unter ein Dach zu kriegen

          Die gestalterische Freiheit der Architekten werde sich in engen Grenzen bewegen, bestätigte Junker. Da das Romantikmuseum an das Goethehaus anschließen und zudem eine deutlich sichtbare Front zum Großen Hirschgraben erhalten soll, steht der Standort faktisch fest. Sollte sich der Cantate-Saal als integrierbar erweisen, müsste die Neubebauung schon aus Gründen der Belichtung auf die heutige Hofsituation zurückgreifen.

          Anne Bohnenkamp-Renken, die Direktorin des Goethehauses, würde sich über den Erhalt des Cantate-Saals freuen. „Mir ist wichtig, dass die Gärten erhalten bleiben und der Innenhof aufgewertet wird.“ Bohnenkamp arbeitet derzeit am Raumkonzept für das Museum. „Konkretes kann man allerdings erst festlegen, wenn man weiß, welches Gebäude man hat.“ Für den Wettbewerb dient laut Junker ein vorläufiges Raumprogramm als Richtschnur, das der Architekt Christoph Mäckler für das Hochstift entwickelt habe.

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