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Bauen in Südhessen : Neubaugebiete von Nidda bis Rimbach

Bauen in Rhein-Main: Wie in Bad Homburg soll es bald vielerorts zugehen. Bild: Wolfgang Eilmes

Das Regionale Entwicklungskonzept für die Rhein-Main-Region liegt vor. Geplant sind 304.000 Wohnungen bis 2030.

          Mit neuen Siedlungsschwerpunkten in Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden wie auch in Niederdorfelden, Mühlheim und Offenbach, Oberursel, Hanau, Rodgau, Idstein, Pfungstadt, Sulzbach, Dieburg und Hofheim-Marxheim soll Platz für die wachsende Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet geschaffen werden. Das sieht das regionale Entwicklungskonzept vor, das das Frankfurter Planungsbüro Albert Speer und Partner im Auftrag des Regierungspräsidiums Darmstadt erarbeitet hat und jetzt erstmals Vertretern von Städten und Gemeinden der Region sowie Mitgliedern der Regionalversammlung Südhessen präsentiert hat.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Konzept stützt sich dabei auf eine Bevölkerungsprognose, die die Hessen-Agentur erstellt hat. Daraus hatte das Institut Wohnen und Umwelt in Darmstadt im Auftrag des Landes Hessen den Wohnungsbedarf ermittelt. Danach würden im Regierungsbezirk Darmstadt bis 2030 304.000 Wohnungen benötigt. Allein 50.000 Wohnungen sollen in den oben genannten Kommunen errichtet werden. Weitere 5000 Wohnungen könnten sich die Planer offenbar jenseits des Kerngebiets der Region in Neubaugebieten in Taunusstein-Süd, Neu-Anspach-West, Stockstadt-Süd, Glauburg-Mitte, Nidda-Nord, Schlüchtern-Mitte, Erbach-Ost und Rimbach im Kreis Bergstraße vorstellen. Wie in der Vergangenheit soll auch in den Städten weiter nachverdichtet werden. Nach Angaben der Planer steckt dort nach wie vor ein Potential für 113.000 Wohnungen. In der Summe sieht das Konzept 1300 Hektar für die Innenentwicklung und weitere 5400 Hektar im sogenannten Außenbereich vor, also auf der grünen Wiese.

          Das Regierungspräsidium hatte das Konzept in Auftrag geben, um für die Fortschreibung des Regionalplans Südhessen nicht wie in der Vergangenheit nur Einzelgespräche mit den 184 Kommunen im Regierungsbezirk zu führen, sondern Siedlungsschwerpunkte auszumachen, die den Ansprüchen an das Wohnen in einer Metropolregion genügen. Das sind Standorte, die gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind, in der Regel an den Schienenverkehr.

          Beginn nach den Sommerferien

          Wie es heißt, soll sich die Regionalversammlung Südhessen nach den Sommerferien mit dem Konzept beschäftigten. Gleichzeitig soll jeder einzelnen Kommune ein sogenannter Steckbrief zugehen, der die Flächenentwicklung darstellt. Ginge es nach dem Regierungspräsidium, das als Geschäftsstelle für die Regionalversammlung Südhessen fungiert, würde das Konzept als Grundlage für die Erarbeitung des neuen Regionalplans in Frage kommen. Denn dem Vernehmen nach ist man in der Landesbehörde überzeugt, mit Hilfe des Planungsbüros die besten geeigneten Flächen ermittelt zu haben.

          Doch das Konzept stößt dem Vernehmen nach auf Kritik. Dabei sind es nicht so sehr die planerischen Ideen des Büros, sondern die Vorgabe, die Bevölkerungsprognose und damit die Wohnraumbedarfsanalyse des Instituts Wohnen und Umwelt zur Grundlage der Arbeit zu machen. Wie aus den Reihen der CDU zu hören ist, will man deshalb zunächst die Bevölkerungsprognose diskutieren. Man müsse erst einmal besprechen, heißt es, ob sich die Region überhaupt so entwickeln solle. Schließlich sei es nicht möglich, in den nächsten Jahren die Verkehrsinfrastruktur so auszubauen, wie es nötig sei. Straße und Schiene seien in weiten Teilen „jetzt schon am Limit“.

          Zudem sei die Vorstellung, dass binnen zehn oder zwölf Jahren rund 300.000 Wohnungen im Rhein-Main-Gebiet gebaut werden könnten, „völlig unrealistisch“. Tatsächlich hatten die Baufertigstellungen im Spitzenjahr 2017 bei 17 195 Wohnungen gelegen. In den beiden Jahren zuvor waren rund 13.000 Wohnungen fertiggestellt worden. Und auch 2018 – die genauen Zahlen liegen noch nicht vor – lag die Zahl der Fertigstellungen ungefähr in dieser Größenordnung.

          Kritik von Regionalpolitikern

          Scharfe Kritik kommt auch von den Regionalpolitikern, da bei der Suche nach geeigneten Neubaugebieten die regionalen Grünzüge nicht berücksichtigt worden sind. Diese galten bisher als Errungenschaft der Regionalplanung im Rhein-Main-Gebiet. Sie waren in den sechziger Jahren eingeführt worden und hatten vor allem die Frischluftschneisen der Region vor Bebauung frei gehalten. „Die Flächen waren immer tabu“, heißt es. Diese Festlegung gerade in Zeiten des Klimawandels zu bebauen, das sei „überhaupt nicht vertretbar“.

          Des Weiteren sieht das Konzept eine stärkere Verdichtung innerhalb der Neubaugebiete vor, die noch über die Vorgaben des Landesentwicklungsplans hinausgehen. Dass der Plan mehr Flächen denn je auf der grünen Wiese vorsieht – 90 Prozent der vorgesehenen Areal sind derzeit noch Äcker – erstaunt viele Regionalpolitiker.

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